Grasse

Grasse
Grasse (Frankreich)
Grasse (Frankreich)
Staat Frankreich Frankreich
Region Provence-Alpes-Côte d’Azur
Département (Nr.) Alpes-Maritimes (06)
Arrondissement Grasse
Kanton Grasse-1
Grasse-2
Gemeindeverband Pays de Grasse
Koordinaten 43° 39′ N, 6° 56′ OKoordinaten: 43° 39′ N, 6° 56′ O
Höhe 80–1061 m
Fläche 44,44 km²
Einwohner 50.970 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 1.147 Einw./km²
Postleitzahl 06130
INSEE-Code
Website www.ville-grasse.fr

Grasse „von oben“
Grasse (Ansicht)

Grasse [ɡʁas] ist eine französische Gemeinde im Département Alpes-Maritimes mit 50.970 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023). Sie gilt als Welthauptstadt des Parfüms und erreichte als Handlungsort des Romans Das Parfum von Patrick Süskind weltweite Bekanntheit.

Geografie

Grasse erstreckt sich im Hügelland der Südausläufer der Seealpen auf durchschnittlich 306 m über dem Meeresspiegel (Höhenlage zwischen 80 und über 1.061 m), ungefähr 20 Kilometer nördlich von Cannes an der Côte d’Azur. Hier passiert in Richtung Digne-les-Bains die ehemalige Route nationale 85, die sogenannte Route Napoléon (Napoleon-Straße), die der Strecke folgt, die Napoleon 1815 nach seiner Rückkehr von Elba auf seinem Marsch nach Paris einschlug.

Der nördliche Teil des Gemeindegebietes liegt im Regionalen Naturpark Préalpes d’Azur.

Geschichte

Im Jahr 1040 wurde Grasse erstmals erwähnt. 1227 eroberte Graf Raimund Berengar V. von der Provence die Stadt, und sie wurde Teil der Provence.

Grasse war vom 13. bis zum 18. Jahrhundert Sitz des Bistums Grasse.

Bei der Schaffung der Départements im Jahr 1790 gehörte Grasse noch zum Département Var, dessen Verwaltungssitz es von 1793 bis 1795 war.

1860 wurde das Arrondissement zusammen mit der Grafschaft Nizza zum Département Alpes-Maritimes zusammengefasst.

Im 19. Jahrhundert wurde Grasse Kurort, verlor jedoch seine Bedeutung im 20. Jahrhundert wieder an die bevorzugten Küstenstädte.

Die rassistischen Ausschreitungen im Herbst 1973 in Grasse machten international Schlagzeilen, unter anderem in der Wochenzeitung Die Zeit, sie finden sich aber auch in der Literatur wieder, etwa im Artikel La flambée raciste de 1973 en France oder dem Roman Marseille.73 von Dominique Manotti.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr19621968197519821990199920062017
Einwohner26.25830.90734.57937.67341.38843.87448.80150.396
Quellen: Cassini und INSEE

Wappen

Beschreibung (Blasonierung): In Blau ein rückschauendes goldnimbiertes silbernes Agnus Dei, mit dem erhobenen linken Vorderbein eine geschulterte, mit einem Kreuz abschließende rote Stange mit einem silbernen, in zwei Zipfel endenden Banner mit rotem Kreuz (Siegesfahne) haltend, begleitet von zwei in den Oberecken und eine mittig im Schildfuß gelegten roten Scheiben.

Städtepartnerschaften

Parfümerie Fragonard
Parfümerie Molinard
Innenansicht der Kathedrale von Grasse
Rubens-Gemälde in der Kathedrale
Städtepartnerschaften von Grasse
LandStadtLandBeginn
DeutschlandIngolstadtDeutschland7. Mai 1963
OppelnPolenOktober 1964
PortugalVila RealPortugalMai 1975
Pardes Chana-KarkurIsraelOktober 1985
Vereinigte StaatenMarbleheadVereinigte StaatenJuni 1986
SpanienMurciaSpanienMai 1990
ItalienCarraraItalienOktober 2000

Zudem ist die Stadt Mitglied des Bundes der europäischen Napoleonstädte.

Wirtschaft und Infrastruktur

Im Mittelalter war Grasse eine Stadtrepublik mit alter Gewerbetradition, insbesondere das Gerberhandwerk war sehr verbreitet. 1580 kam der Alchimist und Apotheker Francesco Tombarelli nach Grasse und eröffnete ein Laboratorium zur Herstellung von Düften, womit Grasse zum Gründerzentrum der europäischen Parfümindustrie wurde. Als gegen 1600 die Mode aufkam, Handschuhe zu parfümieren, konzentrierte man sich auf die Destillation von Duftstoffen. Seit dem 17. Jahrhundert haben sich die Parfümeure aus Grasse auf die Extraktion von Blütensaft spezialisiert, besonders für Orangenblüten und Jasmin. Aus dem Nebenerwerb wurde das Hauptgeschäft, und das ist bis heute so geblieben.

Die früher charakteristischen Blumenplantagen um Grasse sind heute rar geworden, da Blüten meist aus Billiganbauländern wie Marokko, Bulgarien, Indien oder der Türkei importiert werden. Die in der Parfümindustrie gewonnenen Duftstoffe werden außer für Parfüm für Kosmetik, Spülmittel, Waschpulver und für Lebensmittelgeschmacksstoffe verwendet. 2004 waren in Grasse ca. 4.000 Personen in der Parfümindustrie beschäftigt. Jährlich wurden 10.000 Tonnen Blüten verarbeitet.

Heute (Stand: 2010) werden in Grasse besonders internationale wirtschaftliche Beziehungen gepflegt. Die in Grasse behandelten Rohstoffe werden aus vielen Teilen der Welt importiert und hier qualitativ verfeinert. Ungefähr 30 Parfümfabriken in und um Grasse verschicken ihre Produkte danach in die ganze Welt.

Ansässige Unternehmen

Die bekanntesten Parfümfabriken, die kostenlose Führungen in mehreren Sprachen durch ihre historischen Produktionsstätten anbieten, sind die Parfümerien Fragonard, Galimard, Molinard, Fleuron de Grasse und Guy Bouchara. Der Duftstoff- und Aromenhersteller Robertet ist börsennotiert und Bestandteil des französischen CAC-Small-Index.

Sehenswürdigkeiten

Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Grasse

Freizeit und Tourismus

Parfümeur-Box

Regelmäßige Veranstaltungen

Kulinarische Spezialitäten

Spezialitäten für Grasse und Umgebung sind:

Verkehr

Zur Verfügung steht ein Bussystem, das einen Rundkurs in Grasse selbst sowie diverse Verbindungen zu anliegenden Dörfern und Städten, zum Beispiel Cannes und Nizza, anbietet. Ferner besteht ein Bahnhof an der Bahnstrecke Cannes–Grasse.

Bildung

In der Stadt befindet sich ein Campus der Ingenieurschule ECAM-EPMI.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter

Personen mit Beziehung zur Stadt

  • Hans Arp (1886–1966), deutsch-französischer Maler, Bildhauer und Dichter, fand zusammen mit seiner Frau Sophie Taeuber in Grasse von 1940 bis 1942 Zuflucht vor den Nazis
  • Kay Boyle (1902–1992), amerikanische Journalistin und Schriftstellerin, lebte und arbeitete 1926 zusammen mit Ernest Walsh, dem Herausgeber von „This Quarter“, in Grasse, bis Letzterer ein Jahr später verstarb
  • Iwan Bunin (1870–1953), russischer Schriftsteller und Nobelpreisträger, verbrachte mehrere Jahre seines Exils (1939–1945) in Grasse, wo er seine Sammlung von Liebesgeschichten „Dunkle Aleen“ schrieb
  • Augustin Grimaldi (1482–1532), Bischof von Grasse, später Fürst von Monaco
  • Marcus Eli Ravage (1884–1965), Schriftsteller und Journalist, lebte nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit seiner damaligen Frau Denise Montel in Grasse, wo beide verstarben
  • Ferdinand Springer (1907–1998), deutscher Maler und Grafiker, lebte, arbeitete und starb in Grasse
  • Sophie Taeuber-Arp (1889–1943), Schweizer Malerin, Bildhauerin und Tänzerin, verbrachte mit ihrem Mann Hans Arp, auf der Flucht vor den Nazis, in Grasse ihre letzten Lebensjahre
  • H. G. Wells (1866–1946) lebte dort in einem Haus, welches er selbst bauen ließ, bis zum Mai 1933.

Siehe auch

Literatur

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Einzelnachweise

  1. ↑ Frankreich–Algerien: Haß auf Gastarbeiter. In: Die Zeit. Nr. 04/1974, 18. Januar 1974. Auf Zeit.de, abgerufen am 17. Februar 2023.
  2. ↑ La flambée raciste de 1973 en France, auf persee.fr
  3. ↑ Homepage Grasse – Jumelages (Memento des Originals vom 19. Juni 2022 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 13. Juni 2016
  4. ↑ Stephen G. Kellman: Chronology; Introduction. In: M. E. Ravage: An American in the Making. The Life Story of an Immigrant. 4. Auflage. Rutgers University Press, New Brunswick 2009, ISBN 978-0-8135-4537-0, S. IX-XII; XIII-XXXII, JSTOR:j.ctt5hhx2m.5.
  5. ↑ Hind Bouchareb: RAVAGE, Denise. In: Isabelle Antonutti (Hrsg.): Figures de bibliothécaires. Presses de l’enssib, 2020, ISBN 978-2-37546-135-8, S. 207–208, doi:10.4000/books.pressesenssib.13329 (französisch).