Grover Carr Furr III (* 3. April 1944 in Washington, D.C.) ist ein US-amerikanischer Literaturwissenschaftler und Publizist, der durch geschichtsrevisionistische Schriften zur Sowjetunion in der Stalin-Ära hervortritt.
Grover Furr studierte Anglistik an der McGill University in Montreal und schloss sein Studium 1965 mit dem Bachelor of Arts ab. Seit Februar 1970 ist er Professor an der Montclair State University in New Jersey. 1978 wurde er in Vergleichenden Literaturwissenschaften an der Princeton University, an der er auch seinen Master erlangte, promoviert. Furr unterrichtet an der Montclair State University in Montclair (New Jersey) zur englischen Literatur des Mittelalters.
In seinen historischen Schriften verteidigt Grover Furr das Wirken Stalins und vertritt die Meinung, dass dieser kein einziges Verbrechen begangen habe und alle Anschuldigungen diesbezüglich unwahr seien.
Dabei meint Furr unter anderem nachweisen zu können, dass die Geständnisse, die während der Moskauer Prozesse abgegeben wurden, legitim und wahrheitsgetreu seien, ferner, dass Trotzki den Sturz Stalins in Zusammenarbeit mit den Regierungen Deutschlands und Japans tatsächlich geplant habe, dass der Holodomor eine „Erfindung ukrainischer Nazis“ und Jeschow der wahre Urheber des Großen Terrors gewesen sei. Weiter unterstellt er Chruschtschow, in seiner Geheimrede auf dem XX. Parteitag der KPdSU mehrere Dutzend Male bezüglich Stalin gelogen zu haben und leugnet die Schuld der sowjetischen Regierung am Massaker von Katyn.
Als Stimme aus dem akademischen Bereich bezeichnete der US-Historiker Anthony Gronowicz Furrs „Feststellungen“ als „revolutionär“ und meinte, dass es nun an denjenigen, die Furr widersprächen, liege, eine „gleichwertige sorgfältige Forschung“ vorzulegen.
Jürgen W. Schmidt urteilte 2023, dass Furr seit Jahrzehnten bestrebt sei, „Stalin und den Stalinismus von den von ihm verübten Verbrechen reinzuwaschen“. Es beeindrucke ihn dabei, dass „ein intelligenter Mensch wie Furr sich derart in absurde Theorien verrennen“ könne.
Der US-amerikanische Ost-Asienforscher Gregory Elich schrieb 2014 in Science & Society, dass Furr „in den meisten Fällen“ in der „Logik seiner Argumente“ versage, jedoch das von ihm gelieferte Quellenmaterial „faszinierend“ und die von ihm zitierten Archivquellen „wertvoll“ seien.
Die US-amerikanischen Kommunismushistoriker John Earl Haynes und Harvey Klehr kritisierten Furr 2003 als Geschichtsrevisionisten im Bereich der sowjetischen Geschichte. Für John O’Sullivan, der Furr 2015 auf den ersten Blick für eine erfundene Witzfigur hielt, handelt es sich bei dessen Schriften „weniger um Revisionismus als vielmehr um eine völlige Leugnung der historischen Realität“.
Grover Furr publizierte auf Englisch und Russisch, wobei seine Bücher u. a. in den Zeitschriften Literaturnaja Rossija, Russki Westnik und Socialism and Democracy sowie in weiteren wissenschaftlichen Fachzeitschriften wie Das Historisch-Politische Buch besprochen wurden.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Furr, Grover |
| ALTERNATIVNAMEN | Furr, Grover Carr III (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Literaturwissenschaftler |
| GEBURTSDATUM | 3. April 1944 |
| GEBURTSORT | Washington, D.C. |