Gunther Philipp

Gunther Philipp bei den Salzburger Festspielen, 1948

Gunther Philipp (eigentlich: Gunther Placheta; * 8. Juni 1918 in Töplitz (heute: Toplița, Rumänien) Österreich-Ungarn; † 2. Oktober 2003 in Bad Godesberg) war ein österreichischer Schauspieler, Sportler und Arzt.

Leben

Gunther Philipp wurde als Sohn des späteren Tierarztes und Komponisten Hugo Placheta (1892–1971) und dessen Ehefrau Therese, geb. Raninger, in Töplitz (heute: Toplița, Rumänien) geboren, wo sein Vater im Ersten Weltkrieg stationiert war. Bald nach der Geburt kehrte die Familie in ihren Heimatort Wien zurück. Seine Schulbildung erhielt Philipp in Wien und in Innsbruck (bei späteren Besuchen in Hötting in Innsbruck bezeichnete er sich gerne selber als halben Höttinger). Philipp war ein erfolgreicher Schwimmer: Er hielt 14 Jahre lang den österreichischen Rekord im 100-Meter-Brustschwimmen. Er war auch im Kader der österreichischen Olympiamannschaft 1936 in Berlin, wurde allerdings aus politischen Gründen nicht nominiert, weil er dem nationalsozialistisch dominierten „Ersten Wiener Amateur Sport Club“ nicht beitreten wollte.

Nach der Matura 1937 studierte Philipp an der Universität Wien zunächst Philosophie und anschließend Medizin. In den letzten Semestern inskribierte er auch Psychologie. Während des Zweiten Weltkriegs erfolgte die Ausbildung in Innerer Medizin, mit Schwerpunkt Kardiologie bei Karl Fellinger, parallel dazu studierte er am Max Reinhardt Seminar Schauspiel. Als Gunther Placheta versah er tagsüber Spitaldienst an der Psychiatrischen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses. Mit diesem, seinem eigentlichen Namen, wollte er nicht abends auf der Bühne auftreten. Außerdem war er durch das Medizinstudium vom Kriegsdienst suspendiert. Die Aufdeckung seiner Bühnentätigkeit konnte die Exmatrikulation und zugleich einen Marschbefehl an die Front nach sich ziehen. Eine Sekretärin am Max Reinhardt Seminar erteilte ihm den wohlmeinenden Rat sich einen Künstlernamen zuzulegen, der „so klingt wie der eines Hausmeisters“. Nachdem sein Hausmeister – im Einklang mit seinen Initialen – Philipp hieß, entschied er sich für diesen Namen. Am 11. März 1940 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Juni desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 7.685.137). 1943 promovierte Philipp und leistete seinen Kriegsdienst in einem Feldlazarett. Nach dem Krieg betrieb er kurzzeitig eine Landarztpraxis in Eberstalzell in Oberösterreich und war dann bis 1950 an der Wiener Universitätsklinik für Neurologie und Psychiatrie tätig. Als Assistent von Hans Hoff durchlief er die Facharztausbildung in der Neurologie. Eine seiner Patientinnen war 1946 die nervenkranke Schauspielerin Paula Wessely.

Im Jahr 1946 gründete er gemeinsam mit Peter Wehle und Fred Kraus die Kabarettgruppe „Die kleinen Vier“. Ende 1949 gab Philipp seinen bürgerlichen Beruf weitgehend auf und arbeitete überwiegend als Schauspieler oder Moderator, behielt jedoch zeitlebens ein starkes Interesse an medizinischen Themen bei und las entsprechende Fachzeitschriften. Nebenher schrieb er auch unzählige Programme für das Radio und Drehbücher für den Film. Erfolge feierte er auch am Theater als Boulevard-Schauspieler. Bekannt wurden seine Filme mit Peter Alexander und Hans Moser, die er durch seine spezifische Komik bereicherte.

In den 1950er-Jahren gründete Philipp einen eigenen Motorsport-Rennstall Ecurie Vienne und startete in der Gran-Turismo-Klasse. Er wurde in den 1960er-Jahren mehrmaliger österreichischer Staatsmeister. Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn moderierte er zusammen mit Jochen Rindt (nach dessen Tod allein) die ORF-Sendung Motorama.

Gunther Philipp gehörte vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren zu den beliebtesten und meistbeschäftigten deutschsprachigen Schauspielern. Er wirkte in 165 Film- und Fernsehrollen mit.

Als Autor verfasste Philipp 21 Drehbücher.

Er war viermal verheiratet, zuletzt mit der wesentlich jüngeren Arzttochter Gisela Kirchberg aus Köln, und war Vater von drei Söhnen.

Am 2. Oktober 2003 starb Gunther Philipp nach langjähriger Krankheit im Alter von 85 Jahren in einer Klinik in Bonn-Bad Godesberg. Sein Grab befindet sich auf dem Melaten-Friedhof in Köln in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Schauspielerkollegen Willy Birgel, René Deltgen sowie Gisela Uhlen, deren Ehemann er in der Serie Forsthaus Falkenau bis zu seinem Tod gespielt hatte.

Nachdem er oft in der Wachau Filme gedreht hatte, wurde ihm dort ein Museum eingerichtet – im Hotel Mariandl, dem Drehort des Films Der Hofrat Geiger in Spitz an der Donau in Niederösterreich.

Filmografie (Auswahl)

Fernsehserien

Theaterstücke und Rollen

Erfolge als Sportler

Auszeichnungen

Grabstätte von Gunther Philipp in Köln (2014)

* Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst

Der auf seinem Grabstein angegebene Professorentitel ist bislang nicht belegt.

Literatur

Commons: Gunther Philipp – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Uwe Harten: Placheta, Hugo. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5 (begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits, letzte inhaltliche Änderung: 22.10.2018, abgerufen am 16.1.2025).
  2. ↑ Gunther Philipp auf den Webseiten des Österreichischen Kabarettarchivs, abgerufen am 4. Oktober 2021.
  3. ↑ Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/15800211.
  4. ↑ PressReader.com - Zeitungen aus der ganzen Welt. Abgerufen am 27. Januar 2024.
  5. ↑ Georg Markus: Alles nur Zufall?: Schicksalsstunden großer Österreicher. Amalthea Signum Verlag, 2014, ISBN 978-3-902862-98-3 (google.de [abgerufen am 27. Januar 2024]).
  6. ↑ Flugplatzrennen Wien-Aspern 1965 Siegerbild mit Gunther Philipp.
  7. ↑ Franz-Josef Knöchel: Grabstätte des Schauspielers, Mediziners und Rennfahrers Gunther Philipp auf dem Melatenfriedhof. (Grab von Dr. Gunther Placheta). Eintrag in der Datenbank „KuLaDig“ des Landschaftsverbands Rheinland, 2020. Abgerufen am 22. März 2026.
  8. ↑ hotel-mariandl.at (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im November 2025. Suche im Internet Archive) Hotel Mariandl (abgerufen am 1. März 2010).
  9. ↑ Gunther Philipp schwimmt Europarekord über 100m Brust. Abgerufen am 18. Juni 2024.
  10. ↑ Filmstars am Beckenrand, Mannheimer Morgen, 9.9.2016.
Personendaten
NAME Philipp, Gunther
ALTERNATIVNAMEN Gunther Placheta
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Schauspieler
GEBURTSDATUM 8. Juni 1918
GEBURTSORT Töplitz, Österreich-Ungarn
STERBEDATUM 2. Oktober 2003
STERBEORT Bad Godesberg