Gustav Wustmann

Gustav Wustmann (vor 1910)

Gustav Moritz Wustmann (* 23. Mai 1844 in Dresden; † 22. Dezember 1910 in Leipzig) war ein deutscher klassischer Philologe, Gymnasiallehrer, Stadthistoriker, Sprachpfleger und Archivar.

Leben

Gustav Wustmann (um 1900)

Gustav Wustmann wurde als erster Sohn des Oberfeuerwerkers August Leberecht Wustmann (1809–1869) und dessen Ehefrau Wilhelmine Auguste, geb. Saupe (1814–1881), geboren. Er besuchte nach der Garnisonfreischule von 1854 bis 1862 die Kreuzschule in Dresden. Anschließend siedelte er nach Leipzig über, wo er an der dortigen Universität bis zum Jahr 1866 klassische Philologie und Archäologie studierte und mit einer Arbeit über den griechischen Maler Apelles promoviert wurde. Unmittelbar nach dem bestandenen Staatsexamen arbeitete Wustmann 1866 zunächst kurzzeitig als Probe- und Hilfslehrer an der Thomasschule, bevor er noch im gleichen Jahr als vollwertiger Gymnasiallehrer an die Nikolaischule versetzt wurde.

1881 verließ er die Nikolaischule als Oberlehrer, um die Leitung des Ratsarchivs, das mit seinem Eintritt in Stadtarchiv Leipzig umbenannt wurde, und der örtlichen städtischen Bibliothek zum 1. Oktober zu übernehmen. In der Stadtbibliothek Leipzig war Wustmann bereits seit 1871 ehrenamtlich als Sekretär tätig; eine erste Bewerbung im Stadtarchiv, in der er eine wissenschaftliche Betreuung des Archivguts anregte, wurde 1876 noch abgelehnt. 1882 übernahm er außerdem für neun Jahre den Vorsitz des Vereins für die Geschichte Leipzigs. 1897 wurde Wustmann vom Königreich Sachsen zum Professor ernannt. Bis zu seinem Tod infolge einer schweren Darmoperation leitete Gustav Wustmann sowohl das Archiv als auch die städtische Bibliothek von Leipzig.

Gustav Wustmann heiratete 1870 Marie Aumüller (1846–1903) und hatte mit ihr vier Söhne und zwei Töchter, darunter den Musikforscher und Kulturhistoriker Rudolf Wustmann (1872–1916). Die Familie bewohnte ab 1902 ein Haus im Gohliser Schillerweg.

Werk

Grabstein Gustav Moritz Wustmanns (ursprünglich auf dem Neuen Johannisfriedhof, jetzt im Lapidarium des Alten Johannisfriedhofs in Leipzig)

Ab den 1870er Jahren schrieb er für Tageszeitungen und Wochenschriften wie die Illustrirte Zeitung, Die Gartenlaube oder Daheim populärwissenschaftliche Beiträge zur Leipziger Stadtgeschichte. Nachdem Wustmann bereits seit 1879 als Mitherausgeber und Autor der Zeitschrift Die Grenzboten. Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst mit Beiträgen in Erscheinung getreten war, in denen er sarkastisch den sprachlichen Stil deutscher Tageszeitungen kritisierte, veröffentlichte er im Jahr 1891 Allerhand Sprachdummheiten. Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen. Bereits die Erstauflage betrug 40.000 Exemplare. Das in zahlreichen Auflagen erschienene Buch wurde weithin bekannt.

In seiner Zeit als Vorsteher des Leipziger Stadtarchivs und der städtischen Bibliothek veröffentlichte Wustmann wissenschaftlich fundierte, aber leicht lesbare Bücher zur Stadtgeschichte. Was die Qualität seiner regional- und stadthistorischen Schriften betrifft, gehören die Veröffentlichungen allgemein anerkannt zu den grundlegenden Quellen zur Geschichte Leipzigs und seiner Umgebung.

Schriften (Auswahl)

Literatur

Commons: Gustav Wustmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Gustav Wustmann – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. ↑ Anett Müller: Die Gründung des Stadtarchivariats und statistischen Bureaus der Stadt Leipzig. In: Archive – Netzwerke der Gegenwart, Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft. Kolloquium zum Jubiläum 125 Jahre Stadtarchiv Leipzig. Universitätsverlag, Leipzig 2007, S. 131.
  2. ↑ Walter Fellmann: Die Schriften des Vereins. In: 125 Jahre Leipziger Geschichtsverein 1867–1992 (= Schriften des Leipziger Geschichtsvereins. NF 1). Sax-Verlag, Beucha 1992, S. 14.
  3. ↑ Siegfried Hoyer: Wustmann, Gustav Moritz. In: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (Hrsg.): Sächsische Biografie.
  4. ↑ Andreas Höhn: Autor, Buchnarr, Archivar – Zum 100. Todestag von Gustav Wustmann. In: Leipziger Blätter, Nr. 57, 2010, S. 62–63.
  5. ↑ Gottfried Fischer: Sprachpfleger Gustav Wustmann (1844–1910). Der Genaue. In: Wiener Sprachblätter. Zeitschrift für gutes Deutsch, 3. Jg., 2002, S. 76 ff. (online (Memento vom 4. April 2008 im Internet Archive)).
Personendaten
NAME Wustmann, Gustav
ALTERNATIVNAMEN Wustmann, Gustav Moritz (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Stadthistoriker, Sprachpfleger, Gymnasiallehrer und Archivar
GEBURTSDATUM 23. Mai 1844
GEBURTSORT Dresden
STERBEDATUM 22. Dezember 1910
STERBEORT Leipzig