Gustav Boeder

Gustav Karl Rudolf Boeder (* 11. September 1860 in Strasburg (Uckermark); † 18. Oktober 1910 in Dschokadsch auf Ponape, Deutsch-Neuguinea) war ein deutscher Kolonialbeamter. Er war in den deutschen Kolonien Togo, Kamerun, Deutsch-Ostafrika und zuletzt als Bezirksamtmann auf Ponape tätig. Bei Beginn des Sokehs-Aufstands wurde er erschossen.

Leben

Boeder (zweiter von links) mit einer Gruppe deutscher Kolonialbeamter in Daressalam (1907)

Boeder trat im Juni 1889 als Zollbeamter in den Dienst des Schutzgebiets Togo. Während seiner Zeit in Togo lernte er den ebenfalls seit 1889 dort tätigen Kolonialbeamten Richard Küas kennen. Im Mai 1892 wurde er nach Kamerun versetzt, wo er am 22. September 1892 zum Zollsekretär und am 1. Juli 1896 zum Bezirksamtmann befördert wurde. Am 19. März 1901 heiratete Boeder die aus Berlin stammende Ottilie Medding (1877–1925). Im November 1901 wurde er weiter als Bezirksamtmann nach Deutsch-Ostafrika versetzt. 1904 wurde er zum Regierungsrat ernannt.

Im Oktober 1909 wurde er nach Ponape versetzt und übernahm als Nachfolger von Georg Fritz das Bezirksamt Ponape in den Karolinen, die als Teil des Inselgebiets zur Kolonie Deutsch-Neuguinea gehörten. Ein zentrales Konfliktfeld auf Ponape war die Verpflichtung der einheimischen Bevölkerung zu Arbeitsleistungen, insbesondere beim Straßenbau. Unter Boeder wurden Verstöße gegen die Arbeitsanordnungen schärfer geahndet. Am 17. Oktober 1910 ordnete Boeder bei Straßenbauarbeiten auf der Insel Dschokadsch die Bestrafung eines als widerspenstig bezeichneten Arbeiters mit zehn Stockhieben an. Am folgenden Morgen verweigerten die Arbeiter die weitere Arbeit. Boeder begab sich daraufhin selbst nach Dschokadsch, um den Konflikt beizulegen. Dort wurde er von Angehörigen der Sokehs erschossen; mit ihm starben drei weitere Deutsche sowie mehrere einheimische Diener und Bootsleute.

Gedenktafel in St. Marien in Boeders Geburtsstadt Strasburg

Die Tötung Boeders bildete den Auftakt des Sokehs-Aufstands gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Der Aufstand wurde 1911 durch deutsche Marine- und Polizeikräfte niedergeschlagen; zahlreiche Sokehs wurden hingerichtet, zu Zwangsarbeit verurteilt oder deportiert.

Literatur

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Einzelnachweise

  1. ↑ Heiratsurkunde Gustav Karl Rudolf Boeder und Ottilie Medding vom 19. März 1901, Standesamt Berlin IV A, Urkundennummer 86
  2. ↑ Personalien. In: Deutsches Kolonialblatt. Amtsblatt für die Schutzgebiete in Afrika und in der Südsee. 14. Jahrgang, Nr. 16, 1903, S. 418.
  3. ↑ Deutsches Zentrum Kulturgutverluste (Hrsg.): Boeder, Gustav. In: Forschungsdatenbank Proveana (Abgerufen im August 2026)
  4. ↑ Regierungsrat Boeder †. In: Deutsche Kolonialzeitung. 28. Jahrgang, Nr. 3, 21. Januar 1911, S. 42. Der Beitrag gibt einen Nachruf des Staatssekretärs des Reichskolonialamts aus dem Deutschen Kolonialblatt wieder.
  5. ↑ Walther Hubatsch (Hrsg.): Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945. Band 22: Bundes- und Reichsbehörden. Johann-Gottfried-Herder-Institut, Marburg 1983, S. 533.
  6. ↑ Thomas Morlang: Rebellion in der Südsee : Der Aufstand auf Ponape gegen die deutschen Kolonialherren 1910/11. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-604-8.
  7. 1 2 Aufruhr auf Ponape – Widerstand gegen die deutsche Kolonialherrschaft im Pazifik. In: Bundesarchiv (Abgerufen im August 2026)
Personendaten
NAME Boeder, Gustav
ALTERNATIVNAMEN Boeder, Gustav Karl Rudolf (vollständiger Name); Böder, Gustav
KURZBESCHREIBUNG deutscher Kolonialbeamter
GEBURTSDATUM 11. September 1860
GEBURTSORT Strasburg (Uckermark)
STERBEDATUM 18. Oktober 1910
STERBEORT Dschokadsch auf Ponape, Deutsch-Neuguinea