Gut Stellichte

Stellichte
Das Gutshaus von Stellichte

Das Gutshaus von Stellichte

Staat Deutschland
Ort Stellichte
Entstehungszeit 14. Jahrhundert
Burgentyp Niederungsburg
Erhaltungszustand Neuzeitliches Gutshaus
Ständische Stellung Niederadel
Geographische Lage 52° 56′ N, 9° 32′ OKoordinaten: 52° 56′ 21,7″ N, 9° 32′ 1,4″ O
Gut Stellichte (Niedersachsen)
Gut Stellichte (Niedersachsen)

Das Gut Stellichte ist ein Rittergut und ehemalige Burganlage im Ortsteil Stellichte der Gemeinde Walsrode im niedersächsischen Landkreis Heidekreis.

Geschichte

Schloss Stellichte im Merianstich von 1650

Die Burg Stellichte wurde vermutlich zu Beginn des 14. Jahrhunderts errichtet. Nach dem Amtsbuch des Klosters Walsrode war sie Eigentum der Herren von Schlepegrell, bis sie zu Beginn des 15. Jahrhunderts an das Herzogtum Lüneburg pfandweise abgetreten worden sein soll. Danach scheint die Burg erweitert oder neu errichtet worden zu sein, denn 1405 beklagte sich die Stadt Lüneburg über das neu erbaute Schloss. 1427 verpfändeten die Herzöge die Burg an das Bistum Verden, das sie ausbaute. Bis 1470 saß ein Amtmann des Bistums auf der Burg. 1470 übertrug Herzog Otto V. von Braunschweig-Lüneburg das Schloss dem Ritter Heinrich Behr. Zugleich erlaubte er, das Haus in Holz- und Mauerwerk auszubauen und mit Graben und Planken zu umgeben. Stellichte entwickelte sich zum Hauptsitz des hannoverschen Zweigs der Familie und gehört den Behr bis heute.

1479 wurde auf der gegenüber liegenden Seite der Lehrde eine Burgkapelle errichtet, auf der Dietrich von Behr der Jüngere (1575–1632), Geheimer Rat des Lüneburger Herzogs Christian der Ältere und Großvogt von Celle, 1608–1614 als Grablege für seine 1607 früh verstorbene Ehefrau Elise Magdalene, geb. von Bothmer nach dem Vorbild der Ende des 15. Jahrhunderts erbauten Celler Schlosskapelle die St.-Georg-Christophorus-Jodokus-Kirche errichten ließ, die 1754 zur Dorfkirche für Stellichte wurde. Im Laufe des 16. und frühen 17. Jahrhundert wurde die Burg zum Renaissanceschloss umgebaut. 1703/04 entstand anstelle des baufällig gewordenen Schlosses ein Neubau im Barockstil. 1902/03 wurde ein kreuzförmiges Mausoleum mit oktogonalem Überbau aus Sandsteinquadern für die Familie im Stil der Neuromanik errichtet. 1931 wurde im Osten des Herrenhauses ein an den Baubestand stilistisch angepasster Flügel hinzugefügt.

Beschreibung

Über die Gestalt der hochmittelalterlichen Burg sind keine Details bekannt. Der Stich von Matthäus Merian von 1650 zeigt ein gotisches Backsteinhaus mit Staffelgiebel, Fachwerkflügel und Treppenturm, das von einem breiten Wassergraben umgeben ist. Der Zugang wird durch zwei Torhäuser geschützt. Von der Vorburg mit dem Wirtschaftshof führt eine romantische Brücke aus Granitquadern mit hölzernem Zugband und Brüstung aus Feldsteinen von 1860 zur Hauptburg. Die heute noch vorhandenen Schlossgräben umfassen ein ca. 74 × 67 m großes Areal. Der barocke Neubau von 1703/04 nutzte die alten Kellergewölbe weiter. Er besteht aus einem breitgelagerten symmetrischen neunachsigen zweigeschossigen Fachwerkbau mit quaderimitierender Verschalung mit leicht vorkragendem Obergeschoss über einem profilierten hölzernem Gesimsband und hohem Walmdach in Ziegeleindeckung. 1903 erfolgte ein kleiner Anbau nach Westen und 1910 ein massiver angepasster Winkelanbau im Osten nach Süden, wohl gleichzeitig mit dem sechssäuligen offenen Verandavorbau der Gartenseite und dem halbrund geöffnetem Teepavillon, dessen Glockenförmiges Dach von zwei Säulen getragen wird. Auf dem nördlich der Hauptburg gelegenen Wirtschaftshof befindet sich an der Lehrde das Gerichtsgebäude aus dem 17. Jahrhundert, ein zweistöckiger Fachwerkspeicher. Südlich grenzen Fischteiche an den Garten. In der flachen Wiesenlandschaft im Osten steht der veränderte Nachfolgebau eines Nelkenhauses aus dem 18. Jahrhundert.

Gerichtsbarkeit

Das Gut Stellichte war auch Patrimonialgericht. Diesem war die Justizkanzlei Celle als Appellationsinstanz übergeordnet. Nach der Revolution von 1848 wurden im Königreich Hannover die Rechtsprechung von der Verwaltung getrennt und die Patrimonialgerichtsbarkeit abgeschafft. Von Behr einigte sich mit der Regierung auf eine vorzeitige Übertragung der Gerichtsrechte an den Staat. Die Gerichtsfunktion des Patrimonialgerichts Stellichte ging damit auf das Amt Rethem über.

Literatur

Commons: Gut Stellichte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Gesetz über die Gerichtsverfassung vom 8. November 1850 (Gesetz-Sammlung für das Königreich Hannover, S. 207)
  2. ↑ Sammlung der Gesetze, Verordnungen und Ausschreiben für das Königreich Hannover, 1852, S. 1, Digitalisat.