| Bystrzyca Kłodzka | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Woiwodschaft: | Niederschlesien | |
| Powiat: | Kłodzki | |
| Gmina: | Bystrzyca Kłodzka | |
| Fläche: | 10,7 km² | |
| Geographische Lage: | 50° 18′ N, 16° 39′ O | |
| Höhe: | 330 m n.p.m. | |
| Einwohner: | 8939 (1. Januar 2024) | |
| Postleitzahl: | 57-500 bis 57.501 | |
| Telefonvorwahl: | (+48) 74 | |
| Kfz-Kennzeichen: | DKL | |
| Wirtschaft und Verkehr | ||
| Straße: | Breslau–Olmütz | |
| Eisenbahn: | Bahnstrecke Wrocław–Międzylesie | |
| Nächster int. Flughafen: | Breslau | |
Bystrzyca Kłodzka [] (deutsch Habelschwerdt) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Sie ist zugleich Sitz der Stadt- und Landgemeinde Bystrzyca Kłodzka mit 17.207 Einwohnern (Stand 1. Januar 2024).
Die Stadt liegt im Glatzer Kessel, am Fuß des Habelschwerdter Gebirges, am linken Ufer der Glatzer Neiße (polnisch Nysa Kłodzka) bei der Einmündung der Weistritz (Bystrzyca). Die Entfernung zu der nördlich gelegenen Kreisstadt Kłodzko (Glatz) beträgt 20 Kilometer.
Das Gründungsjahr von Habelschwerdt ist nicht bekannt, wird jedoch in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts gelegt, da angenommen wird, dass der Name Habelschwerdt (im Sinne von „Habels Werd“) von Gallus von Lemberg (tschechisch Havel z Lemberka) abgeleitet ist, dem das Glatzer Land um die Mitte des Jahrhunderts gehörte und der mit der 1995 heiliggesprochenen Zdislava verheiratet war. Gegründet wurde es durch deutsche Siedler neben dem slawischen Dorf Bystritz (tschechisch Bystřice). Die politischen und kirchlichen Herrschaftsverhältnisse von Habelschwerdt sind bis in die Neuzeit weitgehend identisch mit der Geschichte der ehemals böhmischen Grafschaft Glatz, zu der es von Anfang an gehörte.
Nachdem unter Vogt Jakob Rücker eine Stadtmauer errichtet worden war, verlieh König Johann von Böhmen 1319 „Hawelswerd“ den Rang einer Königlichen Stadt. Das Privileg wurde durch Johanns Sohn Karl IV. 1348 erneuert. Im selben Jahr erwarb dieser in seiner Eigenschaft als König von Böhmen die Erbvogtei, wodurch die späteren Vögte königliche Beamte waren. Der seit dieser Zeit bestehende „District Habelschwerdt“ umfasste den Süden des Glatzer Landes.
Durch seine Lage an der alten Handelsstraße von Breslau über Glatz, Mittelwalde und Brünn nach Wien, die schräg über den Habelschwerdter Ring führte, erlangte Habelschwerdt bald eine wirtschaftliche Bedeutung. Es entwickelte sich zu einer Handwerkerstadt, vor allem der Tuchmacher und Leinenweber. Für 1319 ist eine Walkmühle nachgewiesen, für 1397 die Zunft der Tuchmacher. 1381 wurde vor dem Niedertor das Antonius-Hospital mit einer Kirche gegründet, 1399 vor dem Glatzer Tor ein Aussätzigenhospital.
In den Hussitenkriegen wurde die Stadt 1429 weitgehend zerstört und 1469 von den gegen den böhmischen König Georg von Podiebrad kämpfenden Schlesiern, die auf Seiten des ungarischen Königs Matthias Corvinus standen, gebrandschatzt. Nach einem Stadtbrand 1475 wurde die Stadt wiederaufgebaut. Während der Reformation wandte sich die Bevölkerung vor allem den radikal-reformatorischen Schwenckfeldern und Täufern (zum Teil als Gabrieler) zu, nach deren Verbot 1548 dem Luthertum. Von 1563 bis 1576 wirkte der lutherische Prediger Caspar Elogius an der Stadtpfarrkirche. 1586 erwarb die Stadt die königliche Mühle und den landesherrlichen Zoll, um 1600 weitere Ländereien. In den Jahren 1604 bis 1617 besaß sie die Vogteirechte und 1617 die Obergerichtsbarkeit.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt von den Schweden geplündert. Im Zuge der Gegenreformation musste die Bevölkerung 1628/1629 zum katholischen Glauben zurückkehren oder auswandern. 1646 brannten große Teile der Stadt ab, ein weiterer Brand 1703 vernichtete fast zwei Drittel der Häuser innerhalb der Stadtmauer.
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Habelschwerdt zusammen mit der Grafschaft Glatz an Preußen. Im Zweiten Schlesischen Krieg brandschatzten ungarische Truppen und Trenck’sche Panduren die Stadt. Im Gefecht bei Habelschwerdt vor der Stadt siegte am 14. Februar 1745 die Preußische Armee unter Johann von Lehwaldt über die Kaiserlichen unter General Franz Wenzel Graf von Wallis. Nach dem Hubertusburger Frieden fiel Habelschwerdt 1763 zusammen mit der Grafschaft Glatz endgültig an Preußen.
Während des Bayerischen Erbfolgekrieges besiegte am 18. Januar 1779 ein österreichisches Korps unter Dagobert Sigmund von Wurmser in einem weiteren Gefecht bei Habelschwerdt die Preußen und machte viele Gefangene.
Ab 1818 war Habelschwerdt Sitz des Landkreises Habelschwerdt, der aus den vormaligen Distrikten Habelschwerdt und Landeck gebildet worden war. Nachdem im 19. Jahrhundert die Tuchmacherei und die Leinenweberei an Bedeutung verlor, entwickelte sich ab 1860 die Holzindustrie, die zur Gründung von drei Zündholzfabriken führte. Bedeutung erlangte Habelschwerdt auch als Schulstadt. Von 1766 bis 1776 und von 1871 bis 1925 beherbergte es das katholische Lehrerseminar, für das 1872 ein Neurenaissancebau errichtet wurde. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung wurde ab 1875 mit dem Eisenbahnanschluss der Strecke Glatz–Habelschwerdt–Mittelwalde günstig beeinflusst. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Habelschwerdt zwei katholische Kirchen und ein Amtsgericht. 1930 erwarb Habelschwerdt die Herrschaft Grafenort mit umfangreichem Waldbesitz.
Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Habelschwerdt 1945 mit dem größten Teil Schlesiens unter polnische Verwaltung und wurde in Bystrzyca Kłodzka umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war. 1975–1998 gehörte Bystrzyca Kłodzka zur Woiwodschaft Wałbrzych (Waldenburg).
Zur Stadt- und Landgemeinde Bystrzyca Kłodzka gehören die Stadt selbst und eine Reihe von Dörfern mit insgesamt 32 Schulzenämtern.
Die Stadt diente dem polnischen Regisseur Kazimierz Kutz als Drehort, unter anderem für seinen Film Nikt nie woła, deutsch Niemand ruft (1960).
in chronologischer Reihenfolge ihrer Geburtsdaten:
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1787 | 1674 | ohne die Garnison |
| 1803 | 2711 | |
| 1810 | 2425 | |
| 1816 | 1845 | davon 22 Evangelische und 1.823 Katholiken (keine Juden) |
| 1821 | 1945 | |
| 1825 | 1968 | darunter 52 Evangelische und acht Juden |
| 1840 | 2729 | davon 2.525 Katholiken, 192 Evangelische und zwölf Juden |
| 1852 | 3495 | |
| 1871 | 4378 | darunter 300 Evangelische |
| 1890 | 5586 | davon 328 Evangelische und 23 Juden |
| 1900 | 6041 | meist katholische Einwohner |
| 1933 | 6549 | |
| 1939 | 7077 |