
Haggis ist eine Spezialität aus der schottischen Küche und besteht aus dem Magen eines Schafes, paunch genannt, der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Hafermehl, Zwiebeln und manchmal auch Graupen gefüllt wird. Haggis ist mit Pfeffer und Piment scharf gewürzt, und das Hafermehl verleiht ihm eine etwas schwerere Konsistenz als Wurst.
Ähnliche Gerichte sind Pfälzer Saumagen, Grützwurst oder die aschkenasische Kischke.

Obwohl Haggis als typisch schottisches Gericht gilt, wurden nachweislich bereits in der Antike Tiermägen oder Tierdärme gefüllt mit Innereien auch von den Römern verzehrt. Vergleichbare Gerichte gibt es auch heute in anderen Ländern, zum Beispiel in England hog puddings, die ähnlich auch in Wales und in Irland zubereitet werden. In Deutschland gibt es mit dem nordhessischen Weckewerk, dem Pfälzer Saumagen, dem niedersächsischen Calenberger Pfannenschlag, dem Bremer Knipp, der westfälischen Stippgrütze ähnliche Rezepturen. In Rumänien wird das als Drob bekannte Gericht vor allem zu Ostern serviert.
Haggis und ähnliche Gerichte eignen sich, um nach einer Schlachtung die schnell verderblichen Innereien des Tieres, im Allgemeinen vom Schwein, für einige Zeit haltbar zu machen. Daher wurden sie klein gehackt, gewürzt, gekocht und in einen Magen oder Darm als geeignete Hülle gefüllt.
Traditionell werden zum Haggis Kohlrüben und Kartoffeln („neeps and tatties“) oder Clapshot gereicht. Als Fast Food wird das Gericht auch in schottischen Chip-Shops mit Pommes frites serviert. Haggis wird inzwischen zunehmend als Bestandteil anderer Gerichte verwendet, etwa bei Balmoral Chicken, mit Haggis gefüllter und mit Schinkenspeck umwickelter Hühnerbrust.

Der schottische Kochbuchautor Paul Harris schreibt in einem seiner Kochbücher als Einleitung zum Rezept für Haggis:
„The following recipe is not for the weak of constitution!“
„Das folgende Rezept ist nichts für schwache Nerven!“

Die Zubereitung eines Haggis dauert vier bis fünf Stunden. Der Magen muss in kaltem Wasser sorgfältig ausgewaschen werden. Dann muss man ihn von innen nach außen wenden und die letzten Reste der Magensäure und die festen Reste der Magenschleimhaut mit einem Messer sorgfältig durch Abschaben entfernen. Um die Magenwand nicht zu verletzen, wird dazu die ungeschliffene Seite der Messerklinge verwendet. Das Herz, die Leber und die Lunge werden in einer leichten Fleischbrühe gar gekocht. Dabei ist darauf zu achten, dass das Ende der Luftröhre, das sich noch an der Lunge befindet, über den Rand des Kochtopfs gehängt wird und in eine Schüssel abtropfen kann. Wenn diese Innereien gar sind, werden sie in kleine Stücke geschnitten und mit Salz und Pfeffer gewürzt, sowie mit Muskatnuss, etwas Muskatblüte, gehackten Zwiebeln, dem Nierenfett und dem Hafermehl vermischt.
Die Mischung wird in den erneut gewendeten Magen gefüllt, der jedoch nicht ganz gefüllt werden darf, da das Hafermehl beim Kochen aufquillt und dafür Raum benötigt. Nach dem Füllen wird er mit Küchengarn zugenäht und mit einer Gabel rundherum eingestochen. Das verhindert das Platzen beim Kochen, da er mindestens drei Stunden in kochendem Wasser gar werden muss. Anschließend legt man ihn auf eine Servierplatte und entfernt das Küchengarn. Aufgeschnitten wird der Haggis erst bei Tisch. Der paunch (Magen) selbst ist Hülle und wird nicht verzehrt.
Beim Burns Supper, dem jährlichen Gedenkfest am 25. Januar zu Ehren des schottischen Nationaldichters Robert Burns, wird vor dem Servieren bei Kerzenlicht zunächst mit dem Dudelsack ein Reel gespielt. Dann trägt das Familienoberhaupt (oder der Wirt des Restaurants, in dem man die Burns Night feiert) – vor einer schottischen Flagge stehend – das Gedicht Address to a Haggis von Robert Burns vor. Mitten in der dritten Strophe („cut ye up wi ready slight“) wird der kochend heiße Haggis mit einem Schwert oder einem Dolch aufgeschnitten, so dass die Innereien auslaufen und sich über die ganze Servierplatte verteilen. Die Burns Night mit dem Haggis-Essen ist auch ein wichtiges Ereignis, bei dem die schottischen Männer ihren vollständigen Clan-Tartan tragen.

