
Hammer Film Productions ist ein britisches Filmunternehmen, das vor allem in den 1930er bis in die frühen 1980er Jahren Filme produzierte. Die Filme spielen meist im Horror- und Thriller-Genre, aber auch Science-Fiction, Fantasy, Historienfilme, Kriegsfilme und Komödien zählen zum Repertoire. Im Zuge von Hammers Erfolg wurden die Filmproduktionsgesellschaften Amicus und Tigon gegründet, die am Trend britischer Horrorfilme teilhaben wollten. Nach über 20 Jahren Pause wurde Hammer 2007 von John de Mol übernommen reanimiert. 2023 wurde Hammer vom Theaterproduzenten John Gore übernommen.
Zahlreiche Klassiker des Horrorfilms sind Hammer-Produktionen. Christopher Lee und Peter Cushing galten als Stammschauspieler des Produktionsunternehmens und waren auch gemeinsam in Filmen wie Dracula zu sehen. Hammer verknüpfte als erste Filmgesellschaft die britische Gothic-Literatur mit den blutigen Grausamkeiten des französischen Théâtre du Grand Guignol.

Mit dieser expliziten Darstellung blutiger Details führte Hammer die erste große Genre-Innovation seit den Horror-Filmen der 1930er Jahre ein, bei denen im Gegensatz zu den Hammer-Filmen nur wenig blutige Details gezeigt wurden. Dennoch lässt man – Im Vergleich zu späteren Horrorfilmen ab den 70er Jahren – dem Zuschauer nach wie vor viel Raum bei der Interpretation der sogenannten Horrorszenen und baut darauf, dass die eigene Vorstellungskraft des Publikums größer ist als das, was man zu zeigen vermag.
Bemerkenswert bei den Hammer-Filmen ist oftmals die Verwendung verschiedener Farbfilter vor der eigentlichen Kameralinse, um die bedrohliche Szenerie noch zu verstärken.
Horrorfilme der Hammer Film Productions waren oft einerseits thematisch beeinflusst durch Motive der Schwarzen Romantik wie Wahnsinn, Schuld, Doppelgänger, wissenschaftliche Hybris und das Übernatürliche und orientierten sich visuell an der Schauerliteratur, z. B. dunkle Schlösser und gotische Architektur. Andererseits ging Hammer stilistisch neue Wege, indem es die verschleierten Andeutungen und unbewussten Begierden, wie man sie von dieser Literatur und darauf aufbauenden älteren Filmen kannte, deutlich sichtbarer machte.
In den 1960er und 1970er Jahren traten Tigon und Amicus Productions als kleinerer Wettbewerber von Hammer auf. Noch heute werden einige Amicus-Filme fälschlicherweise mit Hammer-Filmen verwechselt. Gründe hierfür sind ein ähnlicher visueller Stil der Filme und die oft ähnliche Wahl der Hauptakteure (beispielsweise Peter Cushing oder Christopher Lee) sowie der Regisseure (etwa Freddie Francis und Roy Ward Baker). Im Gegensatz zu den historischen Horrorfilmen von Hammer spielen Amicus-Filme jedoch meist in der Gegenwart.
Die Produktionsgesellschaft wurde 1934 von William Hinds gegründet. Hinds war Inhaber einer Reihe von Juweliergeschäften und trat auch als Bühnenkomiker unter dem Künstlernamen „Will Hammer“ auf – daher der Name des Unternehmens Hammer. Die erste, 1935 entstandene Filmproduktion war die Komödie The Public Life of Henry the Ninth (über die Karriere eines Bühnenentertainers), der Film gilt als verschollen. Im selben Jahr entstand Hammers erster Horrorfilm, die von Regisseur Denison Clift gedrehte Version einer Geschichte um das Geisterschiff „Mary Celeste“ unter dem Titel The Mystery of the Mary Celeste. Unter den Mitwirkenden war Dracula-Darsteller Bela Lugosi, der die Rolle des Anton Lorenzen spielte und dessen Rolle damit anspielt auf das tatsächliche Besatzungsmitglied Volkert Lorenzen. Der Film erhielt miserable Kritiken. Es folgten noch drei weitere Filme (darunter Song of Freedom, 1936, mit Paul Robeson und „Will Hammer“, alias William Hinds, selbst, in einer winzigen Nebenrolle), dann stellte die Firma für die nächsten Jahre ihre Tätigkeit ein. Weiterbetrieben wurde allerdings die von Hinds und Enrique Carreras gegründete Verleihfirma Exclusive Films samt dazugehöriger Kinokette.
1947 nahm Hammer Films dann wieder seine Produktionstätigkeit auf, zunächst vor allem, um nach dem Krieg, als die britische Filmproduktion erst langsam wieder anlief, genug Material für die eigenen Kinos zur Verfügung zu haben. Die Söhne der Firmengründer, Anthony Hinds und James Carreras, stiegen als Produzenten bei Hammer ein und sollten die Geschicke der Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten maßgeblich mitbestimmen. Die erste Hammer-Produktion nach der Wiederaufnahme der Tätigkeit war 1947 der Krimi Death in High Heels, gefolgt 1948 unter anderem von River Patrol, einem Krimi über eine Bande von Nylon-Schmugglern (beide Filme waren jeweils nur eine gute Dreiviertelstunde lang). Relativ erfolgreich war dann eine Reihe von Spionagefilmen um den Geheimagenten „Dick Barton“ (nach einer erfolgreichen BBC-Radioserie), beginnend mit Dick Barton – Geheimagent (1948, Originaltitel Dick Barton – Special Agent) – nach drei Filmen (als zweiter und bester erschien 1949 Geheimwelle 505, Originaltitel Dick Barton Strikes Back, als dritter Dick Barton at the Bay) war allerdings, aufgrund des Todes von Hauptdarsteller Don Stannard durch einen Autounfall, schon wieder Schluss mit der Dick-Barton-Reihe.
Terence Fisher, der sich später zum wohl wichtigsten Regisseur bei Hammer entwickeln sollte, führte erstmals 1952 Regie, bei dem Film noir The Last Page. Fisher inszenierte kurz darauf auch die beiden ersten, äußerst kostengünstig hergestellten, Science-Fiction-Filme der Gesellschaft: Four Sided Triangle (1953), der schon einige Frankenstein-Motive vorwegnimmt, und Spaceways (1953), eine Mischung aus Whodunit und Science-Thriller (es geht um den Versuch, den weltweit ersten Satelliten ins All zu befördern).
In den folgenden Jahren erschienen zwei weitere erfolgreiche Filme, die Science-Fiction- mit Horrorelementen verbanden: Schock (1955, Regie: Val Guest, die Filmversion der ersten britischen Science-Fiction-TV-Serie The Quatermass Experiment, die noch zwei Nachfolger verbuchen konnte) und XX unbekannt (1956, Regie: Leslie Norman).

Ihren Ruf als Spezialist für Horror-Filme begründeten Hammer Films 1957 mit der farbigen Neuverfilmung des Frankenstein-Stoffes nach Mary Shelley. Auf der Suche nach neuen Stoffen bemerkte das Unternehmen, dass seit fast 15 Jahren keine klassische Horrorverfilmung mehr erfolgt war und dass alle bisherigen Horrorfilme nur in Schwarzweiß vorlagen. Man verlegte die Frankenstein-Handlung in das Viktorianische Zeitalter, verpflichtete den damals noch relativ unbekannten Christopher Lee für die Darstellung von Frankensteins Monster, der aus rechtlichen Gründen das Aussehen von Boris Karloff in der bekanntesten Frankenstein-Verfilmung aus dem Jahr 1931 nicht übernehmen durfte (mit seiner neuen Maske jedoch der Buchvorlage mehr entsprach als Karloff) und konzentrierte sich in der Handlung mehr auf die Person des „verrückten Wissenschaftlers“ Frankenstein, gespielt von Peter Cushing. Das Konzept von Frankensteins Fluch (The Curse of Frankenstein, 1957, Regie: Terence Fisher) war erfolgreich, sodass schon ein Jahr später Frankensteins Rache (The Revenge of Frankenstein, 1958) in die Kinos gebracht wurde und über die Jahre fünf weitere Nachfolger erhielt. Bekannt jedoch wurde Lee durch die Rolle des Grafen Dracula (in dem Film Dracula von 1958, Regie: Terence Fisher), dem er ein völlig neues Profil gab. Alleine durch seine Körpergröße, die stechenden Augen und seine gespenstische Mimik wurde er zum Symbol und Aushängeschild der Hammer-Produktionen. Auch hier war wiederum, wie bei Hammers erstem Frankenstein-Film, Peter Cushing, in der Rolle des Vampirjägers Van Helsing, Lees Gegenspieler auf der Leinwand. Die erfolgreiche Paarung wurde noch in einigen weiteren Filmen eingesetzt – zweimal trafen Cushing und Lee noch als Dracula und Van Helsing aufeinander (in Dracula jagt Minimädchen von 1972 und Dracula braucht frisches Blut von 1973), einmal als Ägyptologe und Mumie (in Die Rache der Pharaonen von 1959), manchmal standen sie auch auf derselben Seite (als Sherlock Holmes und Henry Baskerville in Der Hund von Baskerville von 1959, als Wissenschaftler-Kollegen in Die brennenden Augen von Schloss Bartimore von 1964 und Herrscherin der Wüste, ebenfalls von 1964).
Motiviert durch den Erfolg der ersten Frankenstein- und Dracula-Neuverfilmung, machte man sich bei Hammer daran, im Lauf der Zeit auch andere, ursprünglich unter anderem durch Universal populär gemachte Horrorgestalten zurück auf die Leinwand zu bringen. 1959 hatte die Mumie ihr Comeback (Der Fluch der Mumie – mit drei Fortsetzungen), gefolgt 1960 von Dr. Jekyll (Schlag 12 in London – mit einer Fortsetzung), dem Wolfsmenschen 1961 (Der Fluch von Siniestro – dies sollte Hammers einziger Werwolf-Film fürs Kino bleiben), dem Phantom der Oper 1962 (Das Rätsel der unheimlichen Maske – keine Fortsetzung). All diesen Filmen drückte Terence Fisher als Regisseur seinen Stempel auf. 1966 kam dann noch Hammers einziger Zombie-Film Nächte des Grauens heraus, diesmal in der Regie von John Gilling.
Neben den Dracula-Filmen produzierte Hammer noch eine Anzahl weiterer Vampirfilme, darunter die „Karnstein“-Trilogie (nach Joseph Sheridan LeFanus Carmilla, beginnend mit Gruft der Vampire von 1970). Im Horror-Genre beschäftigte man sich außerdem mit Themen wie Tiermenschen (Das schwarze Reptil, 1965) sowie Hexerei und Satanismus (Der Teufel tanzt um Mitternacht, 1966, Die Braut des Teufels, 1967, und andere). Einen großen Stellenwert bei Hammer hatten außerdem zahlreiche Psycho-Thriller.
Neben Peter Cushing und Christopher Lee zählten noch eine Reihe weiterer Schauspieler und Schauspielerinnen zum Stamm-Ensemble der Hammer-Filme, darunter Ingrid Pitt, Barbara Shelley, Ralph Bates, Thorley Walters, André Morell, Oliver Reed und Michael Ripper. Wesentliche Regisseure waren vor allem Terence Fisher, Freddie Francis, Roy Ward Baker, John Gilling, Peter Sasdy, Don Sharp und Alan Gibson, sowie Val Guest, der nach Terence Fisher die zweitmeisten Filme für Hammer inszenierte. Hervorzuheben sind hier auch noch Jimmy Sangster, der für Hammer nicht nur als Regisseur mehrere Filme gedreht, sondern als Autor auch über 20 Drehbücher verfasst hat, sowie der künstlerisch prägende Produktionsleiter und Drehbuchautor Anthony Hinds, der Sohn von Firmengründer William Hinds. Auch Michael Carreras, Sohn von James und Enkel von Enrique Carreras, war als Produzent und Regisseur eine zentrale Figur bei Hammer. Stilbildend wirkten außerdem der Komponist James Bernard, Kameramann Jack Asher, Production-Designer Bernard Robinson und Maskenbildner Roy Ashton.
Das Unternehmen wird oft fälschlicherweise als Hammer-Studios bezeichnet, doch Hammer ist nur der Name des Produktionsunternehmens. Die kleine, bis 1970 Hammer-eigene Atelieranlage, in der die meisten Filme aus der Zeit entstanden sind, heißt Bray Studios und befindet sich in London in der Nähe des Themse-Ufers, bei Windsor. Gedreht wird aber auch in den größeren Elstree- und Pinewood Studios.
1979 erschien mit dem Thriller Tödliche Botschaft der vorerst letzte Kinofilm der Hammer Film Productions. Der finanzielle Misserfolg des Films führte zum Konkurs des Unternehmens, das daraufhin unter Zwangsverwaltung geriet. 1980 und 1984 wurden dann noch zwei TV-Serien herausgebracht, Hammer House of Horror (Gefrier-Schocker) und Hammer House of Mystery and Suspense (Vorsicht, Hochspannung!), die den endgültigen Niedergang von Hammer aber auch nicht mehr verhindern konnten.
In den 2000er Jahren wurde mehrmals eine Reaktivierung von Hammer Films angekündigt. Im Jahr 2007 übernahm der niederländische Produzent John de Mol das Unternehmen und kündigte die Produktion eines neuen Horrorfilms an. Im April 2008 wurde Beyond the Rave veröffentlicht. Der Film The Resident, mit dem auch Christopher Lee sein (einmaliges) Comeback als Hammer-Darsteller feierte, erschien 2011. Mittlerweile sind 9 neue Hammer-Filme entstanden, besonders erfolgreich waren bisher Die Frau in Schwarz und Let Me In, das Remake des schwedischen Vampirfilms So finster die Nacht. 2017 erschien die Hörspielfassung eines unrealisierten Drehbuchs von Anthony Hinds, The Unquenchable Thirst of Dracula, in der Regie von Mark Gatiss, eine Filmversion ist für die Zukunft angedacht. Der letzte bislang veröffentlichte Film war der Kurzfilm The Monkey’s Paw (2022) nach der Erzählung Die Affenpfote von W. W. Jacobs.
Zahlreiche Hammer-Filme liegen auf VHS und DVD vor. So veröffentlichten die Labels Warner und Anolis zwischen 2002 und 2004 eine Reihe von Hammer-Filmen erstmals auf DVD. Seit 2007 werden unveröffentlichte Filme und Neuauflagen von Koch Media auf den Markt gebracht.
Einige Filmmusiken der Hammer-Filme sind auch auf CD erschienen:
| Jahr | Titel | Label | Inhalt / Bemerkungen | Interpret |
|---|---|---|---|---|
| 1989 | Music from the Hammer Films | Silva Screen Records | Originalmusik aus u. a. Dracula, Hands of the Ripper, Vampire Circus | James Bernard, Christopher Gunning, David Whitaker |
| 1998 | The Hammer Film Music Collection – Volume One | GDI Records | Musik aus u. a. The Devil Rides Out, Twins of Evil, Dracula, Frankenstein Must Be Destroyed | Verschiedene |
| 1999 | The Hammer Film Music Collection – Volume Two | GDI Records | Musik aus u. a. The Satanic Rites of Dracula, The Mummy’s Shroud, Frankenstein and the Monster from Hell | Verschiedene |
| 2009 | Dracula A.D. 1972 – Original Motion Picture Soundtrack | BSX Records | Originalmusik von Mike Vickers, limitierte CD (1500 Stück) | Mike Vickers |
| 2017 | Hammer Horror: Classic Themes 1958–1974 | Silva Screen Records | Neuaufnahmen klassischer Themen, u. a. aus Captain Kronos, Quatermass and the Pit, Dracula AD 1972 | Verschiedene |
Am 21. März 2012 veröffentlichte Hammer Films die Hammer Scream Board App für das iPhone.
(Doppelnennungen sind möglich)
Auch wenn Hammer heute in erster Linie mit Horrorfilmen assoziiert wird, hat sich die Firma auch mit anderen Genres beschäftigt. Das Horrorgenre macht nur etwa ein Drittel von Hammers Produktionsvolumen aus. Auch Psychothriller haben einen hohen Stellenwert. In der Anfangszeit, vor Beginn der Horror-Welle mit Frankensteins Fluch von 1957, wurden bei Hammer fast ausschließlich Krimis hergestellt, ergänzt durch Komödien sowie einige SF-Filme mit Gruselelementen.
Auffallend ist die Tendenz, erfolgreichen Filmen logisch aufeinander aufbauende Fortsetzungen folgen zu lassen, sodass teilweise längere Filmreihen entstanden. Besonders zu erwähnen sind hierbei die Dracula- und die Frankenstein-Reihe. Dies entspricht einer ähnlichen Praxis wie bei den Universal-Horrorfilmen, deren Erbe Hammer in gewisser Weise antrat. So wurde etwa zu Beginn jedes Dracula-Films dargestellt, wie der im vorangegangenen Film vernichtete Dracula nun erneut ins Dasein zurückkehrt. Anders als bei Universal, wo in der Endphase durch das Zusammenführen verschiedener Filmmonster die Sub-Genres miteinander verschmolzen, blieben sie bei Hammer bis zuletzt voneinander getrennt.
Abgesehen vom Vorbild Universal gab es einen weiteren Grund für Hammers Vorliebe für serielle Filmproduktion: etliche ihrer Filmreihen und einige Einzelfilme basierten auf erfolgreichen Radio- und Fernsehserien der BBC, vor allem die Dick Barton-, die Quatermass- und die Busdepot-Reihe. Hammers eigene TV-Serien (Journey to the Unknown, Gefrier-Schocker und Vorsicht, Hochspannung!) verzichteten allerdings auf Kontinuität; jede Episode erzählte eine komplett unabhängige Geschichte.