Hans-Ulrich Funk

Hans-Ulrich Funk

Hans-Ulrich Funk (* 9. Dezember 1947 in Glauchau) ist ein deutscher Orgelbauer, Kantor, Organist, Komponist und Orgelsachverständiger sowie Autor.

Leben

1950 übersiedelte die Lehrer-Familie nach Berlin-Schöneberg. Ersten Instrumentalunterricht erhielt Funk in Klavier und Blockflöte, ersten Orgelunterricht ab 1961 bei LKMD Christian Schlicke an der Schmid-Orgel der Heilandskirche in Berlin-Moabit. Im April 1965 begann die Orgelbauerlehre bei Walcker & Cie in Ludwigsburg; zeitgleich nahm Funk weiterführenden Orgelunterricht bei LKMD Rudolf-Günther Läpple an der großen Walcker-Orgel der Stadtkirche in Ludwigsburg. Es folgte die Gesellenzeit in den Werkstätten Walcker (Pfeifenbau für die große Orgel des Ulmer Münsters, Op.5000), Orgelbau Peter Vier in Friesenheim-Oberweier (hier Begegnung mit dem oberrheinisch-barocken Orgelbau der Andreas-Silbermann-Schule), Karl Schuke in Berlin-Zehlendorf und studienbegleitend bei Orgelbauer Andreas Ott in Bensheim/Bergstraße.

Ab dem Wintersemester 1969 nahm Funk ein Studium für das Lehramt in den Fächern Musik (Orgel bei Reinhardt Menger), Kunst- und Werkerziehung am Pädagogik-Seminar der Fachhochschule Darmstadt auf und schloss es im März 1973 mit dem 1. Staatsexamen ab. Zum Wintersemester 1973 schloss sich ein Studium der katholischen Kirchenmusik an den Musikhochschulen in Frankfurt/Main und Mainz (Orgel u. a. bei Peter Alexander Stadtmüller, Dirigieren u. a. bei Helmuth Rilling und Wolfram Wehnert) an, u. a. mit einem weiteren Schwerpunkt in Tonsatz und Komposition bei Armin Schoof in Frankfurt sowie beim Messiaen-Schüler Elmar Seidel in Mainz. Im Dezember 1978 schloss Funk das Studium mit dem A-Examen für katholische Kirchenmusik erfolgreich ab.

Es folgten weitere Studien als aktiver Teilnehmer bei Dirigier-Meisterkursen u. a. bei Wilhelm Ehmann und Felicitas Kukuck sowie ein mehrwöchiges Volontariat beim Windsbacher Knabenchor unter Karl-Friedrich Beringer. Seit 1979 nahm er alljährlich aktiv an zahlreichen Orgel-Meisterkursen u. a. bei Daniel Roth (mehrfach), Jan Willem Jansen, Michael Radulescu (mehrfach), Luigi Ferdinando Tagliavini, Jean-Claude Zehnder, Roman Summereder (mehrfach), Ludger Lohmann (mehrfach), Christoph Bossert (mehrfach) und Wolfgang Zerer (ebenfalls mehrfach) teil.

Wirken

Ab 1974 übernahm Funk studienbegleitend und nebenberuflich die Leitung der neugegründeten Kantorei und das Amt des II. Organisten an der innerstädtischen evangelischen Friedenskirche in Darmstadt. 1978 erfolgte der Übertritt in die ev. Kirche von Hessen und Nassau.

Im Januar 1979 wurde Funk als Kreiskantor für den Kirchenkreis Herzberg an die neugeschaffene B-Kirchenmusikerstelle von St. Nicolai in Herzberg am Harz berufen. Zeitgleich wurde ihm das Amt als Orgelsachverständiger der Ev.-luth. Landeskirche Hannover für das südliche Niedersachsen anvertraut. Funk nahm von Beginn an den Aufbau einer differenzierten Kantoreiarbeit mit bis zu 5 Chören und weiteren Instrumentalkreisen in Angriff, welche sowohl in den Gottesdiensten als auch in häufigen Konzerten musizierten. Es erfolgten die mehrfachen Aufführungen einer Vielzahl von Motetten, Messen und Oratorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart, u. a. der gesamten Geistlichen Chormusik sowie den Passionen von Heinrich Schütz, sämtlichen Motetten sowie einigen Kantaten von Johann Sebastian Bach (und seiner Komponisten-Familie), den Passionen, dem Weihnachsoratorium, dem Oster- und Pfingst-Oratorium und dem Magnifikat bis hin zur H-Moll-Messe. (Im Jahre 1982 wurde die Herzberger Kreiskantorenstelle aufgrund des 1979 begonnenen reichhaltigen kirchenmusikalischen Lebens zur zentralen A-Stelle in der Region angehoben).

Des Weiteren wurden aufgeführt: Thomas Tallis (The Lamentations of Jeremia), William Byrd (lat. Motetten), Leonhard Lechner (Deutsche Sprüche von Leben und Tod sowie Christ, der du bist der helle Tag), Sethus Calvisius (Unser Leben währet siebzig Jahr) Dieterich Buxtehude (Magnificat anima mea und alle Kantaten), Reinhard Keiser (Markus-Passion), Johann Kuhnau (Tristes est anima mea), Georg-Friedrich Händel (Messias), Antonio Vivaidi (Gloria), Giovanni Battista Pergolesi (Stabat mater), von Wolfgang Amadeus Mozart die Große c-Moll-Messe, weitere Messen und Vespern, die Sinfonie in g-Moll, Nr. 40, KV 550 und das Requiem, sowie die Requien von Josef Gabriel Rheinberger, Johannes Brahms, Gabriel Fauré und Maurice Duruflé. Weitere Messen und Motetten kamen zur Aufführung, von Giovanni Pierluigi da Palestrina (Missa papae Marcelli), Messen von Joseph und Michael Haydn, Franz Schubert (u. a. Messen in As-Dur und G-Dur), Anton Bruckner (Te deum, e-Moll-Messe sowie alle Motetten), von Johannes Brahms (zahlreiche Motetten und Lieder sowie die Fest-und Gedenksprüche), Felix Mendelssohn-Bartholdy (Lauda Sion, Wie der Hirsch schreit, Psalm 42, sowie weitere Kantaten und zahlreiche Motetten), Franz Liszt, (Via crucis), César Franck (Sinfonie in d-Moll und 150. Psalm), Antonín Dvořák (Messe in D-Dur), Paul Gläser (Großenhainer Weihnachts-Oratorium), Joseph Rheinberger (Es-Dur-Messe und weitere Messen), Camille Saint-Saëns (Oratorio de Noel op.12), Claude Debussy (Trois Chansons de Charles D' Orleans), von Max Reger (8 Geistliche Gesänge op.138 und Motetten op. 110), Louis Vierne (Messe solennelle), Hugo Distler (Fürwahr, er trug unsere Krankheit op.12, Nr.9, Totentanz sowie Motetten aus dem Jahrkreis und weitere Motetten aus der Geistlichen Chormusik op.12), Heinrich Kaminski (Aus der Tiefe rufe ich,Herr, zu dir, Psalm 130), Benjamin Britten (A ceremony of Carols), Anton Heiller (Advents- und Passionsmusik), Jean Langlais, (Missa in simplicitate), Kurt Hessenberg (O Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens), Zoltán Kodály (Motetten, Missa Brevis und Laudes organi), Olivier Messiaen (O Sacrum convivium), Maurice Duruflé (Messe op.11 und Motetten Op. 10), Peter Eben (Prager Te Deum von 1989), John Rutter (Motetten und Gloria), Günter Bialas (Tenebrae factae sunt), Christof Penderecki (Agnus Dei aus dem Polnischen Requiem), Józef Świder (Cantus tristes und Cantus gloriosus), Stefan Kammerer (Missa brevis) und Hans-Ulrich Funk (Lieder, Motetten und Sonnengesang nach Franz von Assisi, auszugsweise).

Hans-Ulrich Funk war konzertierend als Organist in Dänemark, in Frankreich, in der damaligen DDR, in Österreich, in Italien, in Lima (Peru) und darüber hinaus in ganz Deutschland tätig. Mit der Herzberger Kantorei, dem Herzberger Kammerchor, der Mädchenkantorei und der Jugendkantorei konzertierte er auf nahezu alljährlich durchgeführten Konzertreisen u. a. in Polen, Österreich, den Niederlanden und in Deutschland. Er bildete eine große Anzahl von Orgel- und Klavierschülern und Schülerinnen sowie Chorleitern und Chorleiterinnen aus. Zusätzlich oblag ihm als Kreiskantor über drei Jahrzehnte lang die Ausbildung zahlreicher nebenberuflicher Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker in den landeskirchlich- regionalen C-Kursen im Südwestharz.

Als Orgelsachverständiger wirkte er bei zahlreichen überregionalen und namhaften Restaurierungs- und Neubauprojekten in ganz Deutschland und Österreich (zum Teil in Leitungsfunktion) mit, u. a. beim Neubau der großen Metzler-Orgel von Marl, St. Georg (1997); dem Neubau der großen Janke-Orgel in der Stadtkirche zu Bückeburg (1997); bei den Paul Ott-Orgeln in Göttingen St. Johannis (2000) und St. Jakobi (2007) sowie der Furtwängler & Hammer-Mahrenholz-Orgel in Göttingen, St. Marien (2003); dem Neubau der großen Eule-Orgel von St. Johannis in Lüchow (2006); den 3 Orgeln der Marktkirche St. Georg in Hannover, u. a. der großen Goll-Orgel (2007–2009); bei den Arp Schnitger-Orgeln in Steinkirchen (2012), in Hollern (2011) und jener in Oederquart (2015); der größten erhaltenen Schaper-Orgel in der Stadtkirche zu Alfeld (2015); der Zika-Orgel in der Stadtpfarrkirche zu Tulln / Donau in Österreich (2015), dem Neubau der großen Rensch-Orgel in der Stadtpfarrkirche Vilshofen / Donau (2017), dem Neubau der Bente-Orgel im Kapitelsaal des Klosters Walkenried (2017) und dem Neubau der großen Ahrend-Orgel in der Dreieinigkeitskirche zu Regensburg (2020).

Hinzu kam die Leitung der Restaurierungsarbeiten an den Engelhardt-Orgeln, u. a. in Bad Lauterberg (Engelhardt-Janke 1988), Scharzfeld (1989), Barbis (Joh. Tobias Hansen-Engelhardt 1991), Herzberg / Nicolai (1992), Osterode St.Jakobi (1993), Gladebeck (1996), Osterhagen (1999), Wollershausen (2000), Steina (2004), Wettmar (2006), Bockenem (2008), Schloss Herzberg (Engelhardt-Krawinkel 2012), Schwiegershausen (2015) und Lerbach (2017).

Seit 2010 ist Funk als Ruheständler wieder im Orgelbau intonierend tätig (seit 2015 in eigener Werkstatt). Er beschäftigt sich vor allem als Restaurator von Orgelpfeifen aller Art und Stilistik, bei der Erstellung von Klangkonzeptionen und als Intonateur deutschlandweit bei diversen Orgelbauprojekten, teils im Auftrag für verschiedene deutsche Werkstätten.

Schriften (auszugsweise)

Kompositionen für Orgel (bislang im Selbstverlag erschienen)

Kompositionen für Chor (bislang im Selbstverlag erschienen)

Kompositionen (Klavier und Sonstiges)

CD-Orgelaufnahmen (u. a. erhältlich bei Hans-Ulrich Funk)

Titel CD-Orgelporträt Interpreten Komponisten Label
Die Herzberger Engelhardt-Orgel von 1845 in St. Nicolai Orgelporträt Axel Fischer und Hans-Ulrich Funk Joh. Seb. Bach, Joh. Christian Kittel, Christian Heinrich Rinck und Felix Mendelssohn-Bartholdy Aufnahmen von Thomas Stiehler, am 17. und 18. Juli 1995 im eigenen Label, Leipzig 1995
Die Herzberger Engelhardt-Orgel in St. Nicolai, Orgelporträt Hans-Ulrich Funk Georg Böhm, Joh. Seb. Bach, Johann Ludwig Krebs, Christian Heinrich Rinck, Franz Liszt, Otto Scherzer, Josef G. Rheinberger und Hans-Ulrich Funk Aufnahmen von Toms Spogis am 19. und 20. August 2002, bei Ambiente Musikproduktion Algermissen 2004
Die Egedacher-Orgel von 1732 in der ehem. Klosterkirche zu Vornbach / Inn Orgelporträt Stefan Baier, Hans-Ulrich Funk, Karl Maureen, Michael Radulescu, Kunibert Schäfer und Wolfgang Zerer spielen Werke von Georg Muffat, Joh. Pachelbel, Heinrich Scheidemann, Wolfgang A. Mozart, Hans-Ulrich Funk und Michael Radulescu (Madrigali) Aufnahmen von Toms Spogis am 16. 17. und 25. September 2010 bei Ambiente Musikproduktion Algermissen
Die Krebs-Schmerbach-Orgel von 1728 / 1815 in der Michaeliskirche zu Groß Schneen Orgelporträt Hans-Ulrich Funk, Ulrich Kohlrusch und Heike Reimers (u. a. die sogenannten Acht kleinen Präludien und Fugen von J. S. Bach ?) Samuel Scheidt, Georg Muffat, Georg Böhm, Joh. Sebastian Bach, Joh. Ludwig Krebs, Christian Heinrich Rinck, Francoise Benoist und Hans-Ulrich Funk Aufnahmen von Klaus Kemner im Auftrag von Orgelbau Bosch, Kassel, produziert beim Label Praestant 2011
Die Johann Kuhlmann-Orgel von 1829 in der Markuskirche zu Scheden Orgelporträt Hans-Ulrich Funk Dietrich Buxtehude, Joh.Pachelbel, Joh. Seb. Bach (u. a. aus den Leipziger Chorälen), Wolfgang A. Mozart, Max Reger und Hans-Ulrich Funk Aufnahmen von Toms Spogis am 22.–24. August 2012 im Auftrag von Orgelbau Krawinkel bei Ambiente Musikproduktion Algermissen
Die Engelhardt-Orgel von 1857 in der Michaeliskirche zu Osterode-Schwiegershausen Orgelporträt Hans-Ulrich Funk Joh. Seb. Bach, Johann Ludwig Krebs, Christian Heinrich Rinck, Josef Gabriel Rheinberger, Cesar Franck, Max Reger und Hans-Ulrich Funk Amateur-Live-Konzertmitschnitt vom August 2016, Bearbeitung durch Toms Spogis bei Ambiente Musikproduktion Algermissen
Die Treutmann-Orgel von 1737 in der ehem. Augustiner Chorherren-Stiftskirche in Goslar-Grauhof Konzert im Rahmen des Orgelsommers 2011 Hans-Ulrich Funk Georg Muffat, Georg Böhm, Dietrich Buxtehude, Joh. Seb. Bach (Triosonate in e) und Hans-Ulrich Funk Konzertmitschnitt durch Tonmeister Klaus Kemmner
An den Orgeln in Lüchow, St. Johannis (Hermann Eule 2006), Stiftskirche zu Goslar-Grauhof, Nicolaikirche in Herzberg am Harz und Osterhagen (Andreas Engelhardt 1854) Komponistenporträt Theo Jellema Kompositionen von Hans-Ulrich Funk, u. a. 12 Choräle, 6 kleine Trios in verschiedenen Stilen, Passacaglia, Choralpartiten Aufnahmen von Christoph Schönbeck 2024 (Nomine), Produktion durch Toms Spogis bei Ambiente Musikproduktion 2025
Die Engelhardt-Orgel in St. Thomas zu Scharzfeld am Harz von 1855 Orgelporträt,

historische Aufnahmen vom September 1989

Hans-Ulrich Funk Georg Böhm, Joh. Seb. Bach, Joseph Haydn (Flötenuhr-Stücke), Robert Schumann (canonische Studien) und Felix Mendelssohn-Bartholdy (Sonate II in c-Moll, op.65) Ursprünglich Aufnahmen für die Schallplatte durch Tonstudio Thomas Funk / Tontechnik in Berlin-Kreuzberg 1989,

Bearbeitung als CD durch Toms Spogis bei Ambiente Musikproduktion Algermissen 2018

Engelhardt-Orgel der Nicolaikirche in Herzberg am Harz Uraufführung Herzberger Kantorei mit Gästen, Solisten: Annegret Schönbeck S., A. Katrin Bick, T. Andre Wenauer, B. Ralf Grobe, Orgel:

Christoph Grohmann

Hans-Ulrich Funk, Missa in G (Missa tota) für Soli, großen und kleinen Chor, Pauken und Orgel, sowie Zoltán Kodály

Laudes Organi

CD-Mitschnitt vom 13. Juni 2013 durch Christoph Schönbeck, Produktion durch Toms Spogis bei Ambiente Musikproduktion Algermissen 2013

Besprechungen

Commons: Hans-Ulrich Funk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Hans-Ulrich Funk - BBKL. Abgerufen am 20. Mai 2025.
Personendaten
NAME Funk, Hans-Ulrich
KURZBESCHREIBUNG deutscher Orgelbauer, Kantor, Organist, Komponist und Orgelsachverständiger sowie Autor
GEBURTSDATUM 9. Dezember 1947
GEBURTSORT Glauchau