Hans Hoske

Hans Hoske (* 29. April 1900 in Berlin; † 1970) war ein deutscher Sportmediziner und Sozialhygieniker.

Leben

Hans Hoske wurde als Sohn des Ciseleurs Hugo Hoske und der Hausfrau Emma geb. Hesse geboren. Nachdem er von Mai bis November 1918 seinen Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg geleistet hatte, bestand er im Dezember 1919 die Reifeprüfung am Kaiser-Wilhelm-Gymnasium Berlin.

Am 15. Mai 1920 nahm Hoske an der Gründungsfeier der Deutschen Hochschule für Leibesübungen (DHfL) in Berlin teil, bei der er in Anwesenheit von Reichspräsident Friedrich Ebert durch August Bier immatrikuliert (Matrikelnummer 2) wurde. An der Chirurgischen Universitätsklinik Berlin bestand er im August 1922 sein Examen als Heilgymnast und Orthopädischer Turnlehrer. An der DHfL studierte er bis 1923. Ab 1922 war als nebenamtlicher Dozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der DHfL tätig. Im Oktober 1923 machte er sein Examen als Turn- und Sportlehrer an der Preußischen Hochschule für Leibesübungen in Spandau. Nebenbei studierte er von 1920 bis 1925 Medizin an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Seine Zeit als Medizinalpraktikant leiste er am Kaiser-Wilhelm-Institut für Arbeitsphysiologie unter Edgar Atzler. Hoske erhielt seine Approbation 1926 und wurde zum Dr. med. promoviert. Seit 1926 war er bei der Krankenkasse des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes tätig, wo er Reihenuntersuchungen bei Jugendlichen durchführte. Nach Abschluss seines Medizinstudiums war er zwischen 1926 und 1929 auch hauptamtlich als Sportarzt an der DHfL tätig, 1930 als Dozent für sportärztliche Praxis. Im Band zum zehnjährigen Jubiläum der DHfL verfasste er 1930 das Kapitel Die Leibesübungen in der sozialen Medizin.

Hoske war Propagator der Leistungsmedizin. 1933 wurde er Mitglied der NSDAP und der SS. Hoske war Adjutant beim Reichsarzt SS. Er wurde 1934 Voluntärassistent am Hygieneinstitut der Friedrich-Wilhelms-Universität und habilitierte sich 1935 für Hygiene, wobei er eine biologistisch orientierte Sozialhygiene vertrat, die sich am Leistungsgedanken orientierte. 1936 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Hauptamt für Volksgesundheit der NSDAP-Reichsleitung in Berlin-Lichterfelde. Als Referent des Hauptamtes für Volksgesundheit war er 1936 Redner beim II. Internationalen Sportärztekongress in Berlin und redete auf der 5. Sitzung über Leibesübungen in der Betriebshygiene und Freizeitgestaltung. In den Jahren 1938 und 1939 wurde ihm ein Stipendium bewilligt für Untersuchungen über staatliche Maßnahmen, die vorbeugende Medizin der Balkanstaaten und der dort noch vorhandenen Volksmedizin sowie den Gesundheitszustand der deutschen Volksgruppen im Donauraum. Er war beratender Arzt im Jugendamt der Deutschen Arbeitsfront (DAF).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Hoske leitender Arzt in einem Ohlstedter Krankenhaus. Im Wintersemester 1945/46 war er als Berater am Institut für Leibesübungen der Universität Hamburg tätig, im WS 1946/47 hatte er dort einen Lehrauftrag und hielt eine Vorlesung über Die biologischen Grundlagen der Leibeserziehung. In seinem Entnazifizierungsverfahren wurde er 1948 als unbelastet eingestuft, nach Ansicht von Gerhard Baader hat er dabei unter Verdrehungen und Lügen seine Biographie umgeschrieben. Vom Sommersemester 1948 bis zum Wintersemester 1950/51 war er als Dozent an der Sporthochschule Köln tätig, dann war er Leiter des Ausschusses für Jugendfragen sowie Mitglied des Sportbeirates des Deutschen Sportbundes, Sachbearbeiter für Jugendfragen des Nordrheinischen Sportärztebundes und Mitglied der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung. Er war Initiator für die Gründung des Deutschen Jugendgesundheitsdienstes und gehörte dem Fachausschuß Jugendgesundheit in der Arbeitsgemeinschaft für Jugendpflege und Jugendfürsorge sowie dem Ausschuß für Jugendfragen des Deutschen Sportärztebundes an.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 Herta Beck: Leistung und Volksgemeinschaft, der Sportarzt und Sozialhygieniker Hans Hoske (1900–1970). Husum 1991, S. 9.
  2. ↑ Herta Beck: Leistung und Volksgemeinschaft, der Sportarzt und Sozialhygieniker Hans Hoske (1900–1970). Husum 1991, S. 16.
  3. 1 2 Herta Beck: Leistung und Volksgemeinschaft, der Sportarzt und Sozialhygieniker Hans Hoske (1900–1970). Husum 1991, S. 14.
  4. ↑ Gerhard Baader: Von der Sozialen Medizin und Hygiene über die Rassenhygiene zur Sozialmedizin (BRD) / Sozialhygiene (DDR). In: Udo Schagen und Sabine Schleiermacher (Hrsg.): 100 Jahre Sozialhygiene, Sozialmedizin und Public Health in Deutschland. CD-ROM, Berlin 2005, S. 24. (Online, abgerufen am 31. Oktober 2026)
  5. 1 2 Jörn-Arne Ristau: Sport und Sportmedizin im nationalsozialistischen Deutschland. Dissertation Universität Berlin 2013, S. 206.
  6. 1 2 3 Gerhard Baader: Von der Sozialen Medizin und Hygiene über die Rassenhygiene zur Sozialmedizin (BRD) / Sozialhygiene (DDR). In: Udo Schagen und Sabine Schleiermacher (Hrsg.): 100 Jahre Sozialhygiene, Sozialmedizin und Public Health in Deutschland. CD-ROM, Berlin 2005, S. 25. (Online, abgerufen am 31. Oktober 2026)
  7. ↑ Alfred Schiff (Hrsg.): Die Deutsche Hochschule für Leibesübungen 1920–1930. Berlin 1931, S. 130.
  8. ↑ Kapitel VIII.: Die Leibesübungen in der sozialen Medizin. In: Alfred Schiff (Hrsg.): Die Deutsche Hochschule für Leibesübungen 1920–1930. Berlin 1930, S. 44–48.
  9. ↑ Gerhard Baader: Von der Sozialen Medizin und Hygiene über die Rassenhygiene zur Sozialmedizin (BRD) / Sozialhygiene (DDR). In: Udo Schagen und Sabine Schleiermacher (Hrsg.): 100 Jahre Sozialhygiene, Sozialmedizin und Public Health in Deutschland. CD-ROM, Berlin 2005, S. 21–22. (Online, abgerufen am 31. Oktober 2026)
  10. ↑ Ulrike Thoms: Einbruch, Aufbruch, Durchbruch? Ernährungsforschung in Deutschland. In: Rüdiger vom Bruch, Uta Gerhardt, Aleksandra Pawliczek (Hrsg.): Kontinuitäten und Diskontinuitäten in der Wissenschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Stuttgart 2006, S. 113.
  11. ↑ Gerhard Baader: Militarisierung des Gesundheitswesens im Nationalsozialismus und heute. In: Jahrbuch für kritische Medizin Band 9: Arbeit, Frauen, Gesundheit, Berlin 1983, S. 89.
  12. ↑ Hoske, Hans bei GEPRIS Historisch.
  13. ↑ Pter Reeg: Deine Ehre ist die Leistung... Auslese und Ausmerze durch Arbeits- und Leistungs-Medizin im Nationalsozialismus. In: Deutsches Ärzteblatt. 85, Heft 51/52 vom 26. Dezember 1988 (23) A-3655. (Online, abgerufen am 31. Oktober 2026)
  14. 1 2 3 4 5 Gerhard Baader: Von der Sozialen Medizin und Hygiene über die Rassenhygiene zur Sozialmedizin (BRD) / Sozialhygiene (DDR). In: Udo Schagen und Sabine Schleiermacher (Hrsg.): 100 Jahre Sozialhygiene, Sozialmedizin und Public Health in Deutschland. CD-ROM, Berlin 2005, S. 29. (Online, abgerufen am 31. Oktober 2026)