Hans Praetterhoffer (eigentlich Hans Prätterhoffer; * 11. September 1943 in Wien; † 29. Juni 2014 ebenda) war ein österreichischer Maler, Zeichner und Grafiker. Bekannt wurde er in der österreichischen Kunstszene der frühen 1970er Jahre durch seine Lichtzeichnungen – fotografische Langzeitbelichtungen, die die Bahn einer im dunklen Raum oder Gelände bewegten punktförmigen Lichtquelle festhalten. Ab 1970 entstanden auch stereoskopische Fassungen im Anaglyphenverfahren. 1982 gewann er den ersten Preis des zweiten Römerquelle-Kunstwettbewerbs. Seine Arbeiten befinden sich unter anderem in den Sammlungen der Albertina in Wien, des Museums der Moderne Salzburg und des Lentos Kunstmuseums Linz.
Hans Prätterhoffer wurde am 11. September 1943 in Wien geboren; sein Vater fiel im folgenden Jahr im Zweiten Weltkrieg. Nach privatem Unterricht bei dem Maler Gerhard Swoboda und einem Studienjahr an der Akademie für angewandte Kunst (1964–1965) studierte er von 1965 bis 1969 an der Akademie der bildenden Künste Wien in der Meisterklasse von Sergius Pauser und schloss das Studium 1969 mit dem Diplom ab. 1970 war er Gaststudent für Siebdruck und Reprotechniken an der Wiener Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt.
1969 nahm er gemeinsam mit Wolfgang Böhm, Johann Jascha, Heinz Günther Leitner, Reimo Wukounig und Günther Sponheuer an einem selbstorganisierten Symposium für Malerei im oberösterreichischen Mettmach teil. Fünf von ihnen – Sponheuer war inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt – stellten im Sommer 1970 in Linz (Collection 70) und im Oktober in der Wiener Galerie Seilerstätte aus; Dieter Schrage schrieb im Katalog, die fünf bildeten „keine Gruppe“ und verzichteten „auf einen verbindenden Titel“. 1971 änderte Praetterhoffer die Schreibweise seiner Signatur von „Prätterhoffer“ in „Praetterhoffer“.
Aufgrund einer Erkrankung gab er die künstlerische Arbeit 2009 auf. Er starb am 29. Juni 2014 in Wien und wurde auf dem Ottakringer Friedhof bestattet.
Der Chronologie im Gruppenkatalog Arbeiten 1969–1979 (1980) zufolge entstanden Praetterhoffers erste Lichtzeichnungen 1969. Bei Dunkelheit oder Dämmerung, im Atelier oder im Freien, führte er eine punktförmige Lichtquelle durch den Raum, während Kameras mit geöffnetem Verschluss die Bahn des Lichts festhielten; eine zweite Aufnahme derselben Szene bei Tageslicht fügte der Zeichnung ein Abbild des Ortes hinzu. Ab 1970 entstanden stereoskopische Fassungen im Anaglyphenverfahren, gesammelt in der Mappe Waldviertel und mit Rot-Grün-Brille dreidimensional zu betrachten.
Im Katalog der Gruppenausstellung Aspekte der Landschaft (1974) beschrieb der Kunsthistoriker Werner Fenz ein Triptychon von Lichtzeichnungen, die in der Nacht vom 21. zum 22. Oktober 1972 im Garten eines Hauses in Wien-Ottakring entstanden und von im gleichseitigen Dreieck angeordneten Kameras aufgenommen worden waren: „Nicht die nachträgliche Übermalung eines Fotos wird zum Ausgangspunkt grafischer Betätigung, sondern der konkrete Raum selbst ist es, in dem sich der Künstler bewegt.“ Praetterhoffer selbst schrieb 1981, der Fotoapparat habe ihm die Perspektive abgenommen; so befreit, habe er „direkt räumlich in den Raum“ gezeichnet. „Eigentlich“, so Praetterhoffer, „müßte man Lichtplastik sagen.“
Seine ersten Einzelausstellungen unter dem Titel Stereo-3D-Graphik fanden 1971 in der Galerie Kaiser in Wien und in der Galerie Spony in Essen statt. Weitere Einzelausstellungen folgten 1972 in der Galerie in der Passage der Ersten Österreichischen Spar-Casse sowie – unter dem Titel Raumzeichnungen, Farbfindungen – in der Künstlerhaus-Galerie in Wien. 1976 entstand bei Nacht im Freien eine Serie großformatiger figuraler Lichtzeichnungen, die er im November desselben Jahres in seinem Wiener Atelier präsentierte.
1977 löste ein Zyklus von rund sechzig Radierungen die Lichtzeichnungen ab; eine zeitgenössische Chronologie wie auch eine Besprechung in der Presse von 1986 brachten sie mit dem Free Jazz in Verbindung; mehrere Blätter tragen Titel nach dessen Musikern, darunter John Coltrane und Cecil Taylor. Auf der Kupferplatte, schrieb Praetterhoffer 1981, habe er den großen Raum der Lichtzeichnungen wiedergefunden und sei mit der Radiernadel darauf umhergewandert „wie im Gelände“. Ab 1978 entstanden Figurenbilder in Tempera, zunächst auf der Grundlage von Schablonenzeichnungen. Gezeigt wurden die Figurenbilder 1979 in der Galerie G. Armstorfer in Salzburg; sie bildeten auch Praetterhoffers Beitrag zur Gruppenausstellung in der Wiener Secession 1980, zu dem ein eigener Katalog erschien.
1982 erhielt er für das Aquarell Biomorphes unter der Oberfläche den mit 30.000 Schilling dotierten ersten Preis des zweiten Römerquelle-Kunstwettbewerbs; die prämierten Arbeiten wurden in Wien und Klagenfurt sowie in der Neuen Galerie der Stadt Linz gezeigt.
2002 entstanden die Paradiesparaphrasen, ein Zyklus von Aquarellen und Gemälden nach Werken alter Meister, darunter die Paradies-Modelli von Veronese und Tintoretto. In einem Begleittext verband er die geschwungenen Wolkenbögen dieser Kompositionen mit den Armbewegungen seiner früheren Lichtzeichnungen. Zwischen 2007 und 2009 kehrte er zur Lichtzeichnung zurück, nun mit zwei Digitalkameras und Lichtquellen wie LEDs und Kerzenflammen; die Ergebnisse präsentierte er als stereoskopische Bildpaare.
Praetterhoffer veröffentlichte auch kurze Prosa: Sein satirischer Text Zum Leben des Leonardo erschien 1970 in der St. Pöltner Literaturzeitschrift das pult, im selben Jahr der Aufsatz Räumliche Graphik als imaginäre Architektur in Planen – Bauen – Wohnen.
Zeitgenössische Texte zu seinem Werk erschienen vor allem in österreichischen Ausstellungskatalogen und Tageszeitungen. Das Künstlerporträt im Katalog des Römerquelle-Kunstwettbewerbs 1982 hielt fest, Praetterhoffer habe sich „in den frühen 70er-Jahren mit sogenannten Lichtzeichnungen etabliert“ und verzichte auch in den neuen Aquarellen nicht auf sein „phantasievolles Liniengeflecht, das den Betrachter zu mancherlei Assoziationen anregen soll“. Anlässlich seiner Ausstellung Beseelte Landschaft in der Wiener Galerie Contact schrieb ein mit K. S. zeichnender Kritiker 1986 in der Presse: „Hans Praetterhoffer (Jahrgang 1943) ist ein beweglicher, experimentier- und risikofreudiger, beharrlicher und zugleich offener Maler und Graphiker. In seinem Werk verbinden sich barocke und expressiv-informelle Komponenten.“ Der Rezensent erkannte in den neuen Bildern Spuren der früheren Lichtzeichnungen wieder. Zur Ausstellung in der Österreichischen Postsparkasse (1983) verfasste Peter Baum den Katalogessay Kraftfelder persönlicher Imagination. Ein Bericht der Regionalzeitung Tips über eine Braunauer Ausstellung von Werken aus einer Privatsammlung beschrieb 2022 seine Figuren als expressionistisch und sah in seinen Landschaften Auseinandersetzungen mit Sagenstoffen wie dem Untersberg-Mythos um Barbarossa.
Die Albertina in Wien besitzt dreizehn seiner Zeichnungen und Druckgrafiken, überwiegend aus den Jahren 1969 bis 1982, darunter die sechsteilige Serie Space Tug (1969). Das Museum der Moderne Salzburg verwahrt zwölf Arbeiten aus den Jahren 1973 bis 1986, erworben durch Ankäufe 1982 und 1986 sowie Schenkungen 1987. Das Lentos Kunstmuseum Linz besitzt mehrere Arbeiten auf Papier aus dem Bestand seiner Vorgängerinstitution, der Neuen Galerie der Stadt Linz, darunter einen Farbsiebdruck von 1971 aus der stereoskopischen Serie Waldviertel. 1975 kaufte das Bundesministerium für Unterricht und Kunst im Rahmen seiner jährlichen Kunstankäufe die Mischtechnik-Arbeit Konzert an. 2011 zählte er zu den Künstlern der Ausstellung Die sechziger Jahre. Eine phantastische Moderne aus der Sammlung der Stadt Wien im MUSA.
Einzelausstellungen
Gruppenausstellungen
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Praetterhoffer, Hans |
| ALTERNATIVNAMEN | Prätterhoffer, Hans (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Maler, Zeichner und Grafiker |
| GEBURTSDATUM | 11. September 1943 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 29. Juni 2014 |
| STERBEORT | Wien |