Hans Wintgen (* 18. Mai 1949 in Falkenberg bei Berlin) ist ein deutscher Psychologe und Dokumentarfilmer.
Hans Wintgen studierte Psychologie. 1977 begann er ein Studium an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg. 1980 weigerte er sich, seinen Diplomfilm Johanna Just über eine 69-jährige Frau bis zur Unkenntlichkeit zu kürzen, worauf er zunächst keinen Abschluss erhielt. Erst nachdem dieser bei einer Vorstellung in der Akademie der Künste in Berlin viel Anerkennung erhalten hatte, erhielt er 1982 sein Diplom doch noch, vor allem wegen des Eintretens von Konrad Wolf. Es wurde ihm aber an einer Bushaltestelle übergeben, da er die Hochschule im Grenzgebiet nach seinem Studium nicht mehr betreten durfte.
Danach realisierte Hans Wintgen einige Filme für die Kinderabteilung des DEFA-Studios für Dokumentarfilme, wovon der wichtigste Wenn die Eltern Geld verdienen (1982) auf Grund seiner genauen und ungeschönten Darstellungen ebenfalls nicht gezeigt werden durfte. 1984/1985 drehte er ein einfühlsames Porträt von Sterbenden in einer strahlentherapeutischen Klinik für die Staatliche Filmdokumentation beim Filmarchiv der DDR, die keiner Zensur unterworfen war und ebenfalls unveröffentlicht blieb.
Ab Ende 1989 verbesserten sich seine Möglichkeiten, kritische Filme zu machen. 1990 porträtierte er in Frank einen Strafgefangenen mit seinen Erfahrungen und Enttäuschungen. In seinem letzten Film Der Rote Milan (1991) interviewte er einen Stasi-Offizier für den Deutschen Fernsehfunk.
Die wichtigsten Filme von Hans Wintgen durften nicht gezeigt werden, sie wurden nicht zu Festivals geschickt oder ins Ausland exportiert und auch nicht rezensiert. Daher blieben sie, wie auch ihr Schöpfer, unbekannt.
Die Filmwissenschaftlerin Anne Barnert erkundete und würdigte sein Schicksal und seine Filme in einer ausführlichen Biographie, die 2018 erschien. Sie organisierte auch Werkschauen im Zeughauskino Berlin 2015 und im Filmmuseum Potsdam 2019. Danach wurden einige in weiteren Filmveranstaltungen gezeigt.
Der damalige junge DDR-Kameramann Peter Badel bezeichnete Hans Wintgen 2015 in einem Gespräch als Genius des DDR-Dokumentarfilms. Die Filmhistorikerin Anne Barnert beschrieb sein Werk
„Denn eigentlich sind es stille, zurückhaltende Filme. Sie sind von einem Interesse am DDR-Alltag und an scheinbar gewöhnlichen Biografien geprägt, an Außenseitern, die aus dem Netz des gesellschaftlichen Miteinanders gefallen sind. Ob es sich um nicht-realisierte Filmprojekte zu Themen wie Suizid, Adoption oder Krebserkrankung handelte oder um realisierte Filme über Alkoholismus, Jugendstrafvollzug, die hohen Scheidungszahlen in der DDR, den Umgang mit Sterben und Tod oder die Frage, ob Kinder so reglementiert aufwachsen sollten, wie es in Wintgens Kindergartenfilm zu sehen ist – all das waren unbequeme, ungeliebte oder auch unerwünschte Themen (...) .“
Der Verbrecher-Verlag schrieb:
„Hans Wintgens Filme erkunden existentielle Lebensphasen. (...) Die Behutsamkeit, mit der sich Hans Wintgen diesen Themen nähert, ist eine programmatische ästhetische Haltung. Ihr Charakteristikum ist Reduktion. Sie lenkt den Zuschauer auf Sprache und Zum-Sprechen-Bringen als den inneren Kern seiner dokumentarischen Filmarbeit. Hans Wintgen (...) verweigert sich der Zensur und Selbstzensur und wird zu einem Außenseiter des DDR-Films. (...) Zu entdecken sind Filme, die im Leben des Einzelnen einen wahrhaften Blick auf das Ganze suchen.“
Vollständiges Filmverzeichnis
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wintgen, Hans |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Psychologe und Dokumentarfilmer |
| GEBURTSDATUM | 18. Mai 1949 |
| GEBURTSORT | Falkenberg bei Berlin |