Harchuf

Harchuf in Hieroglyphen
HHr
r
xwf

Harchuf / Herchuf
(Har-chuf / Her-chuf)
Ḥr.w-ḫwj=f / ḫwj=f-ḥr.w
Horus ist sein Beschützer
HHr
r
xwfA21

Variante mit Personen-Determinativ
HHr
r
xwfA51

Variante mit Personen-Determinativ
Darstellung des Harchuf in seinem Grab in Qubbet el-Hawa

Harchuf (auch Harkhuf, Herchuf, Hirchuf) (um 2300 v. Chr.) war ein ägyptischer Beamter, Expeditionsleiter und Entdecker. Er trug unter anderem die Titel „Vorderster an Aktion“ (ḥ3.tj-ˁ - Hatia), „königlicher Siegler“, „Vorlesepriester“, „Vorsteher der Fremdsprachigen“ und wohl am Ende seiner Karriere „Vorsteher von Oberägypten“. Sein Vater war der „Einzige Freund“ und „Vorlesepriester“ Iri.

Um 2300 v. Chr. unternahm er insgesamt vier Expeditionen zum ersten Nil-Katarakt ins Land Jam (Südliches Nubien). Bei der ersten Expedition erkundete er gemeinsam mit seinem Vater den Reiseweg nach Jam, bei der dritten Expedition bereiste er die westsudanische Wüste. Im zweiten Regierungsjahr des Königs Pepi II., bei seiner vierten Expedition, brachte Harchuf einen Zwerg der Gottestänzer aus dem Lande der „Horizontbewohner“ mit.

Eine Inschrift auf seinem Grabmal auf der Qubbet el-Hawa bei Elephantine (Assuan) berichtet ausführlich von seinen Expeditionen und seinem Leben.

Familie

In Harchufs Grab werden insgesamt drei Familienangehörige genannt. Dies ist zum einen sein Vater Iri, der die Titel eines „Einzigen Freundes“ und eines „Vorlesepriesters“ trug. Harchufs Ehefrau war Tepemnefret, mit schönem Namen Tepi. Sie trug die Titel einer „Bekannten des Königs“ (d. h. Hofdame) und einer „Gottesdienerin der Hathor“. Das einzige Kind des Paares war der Sohn Djemi, mit schönem Namen Mesteni oder Mesni. Dieser trug die Titel eines „Einzigen Freundes“, „Vorlesepriesters“ und „Vorstehers der Fremdsprachigen“, die auch schon sein Vater besaß.

Titel

Hieroglyphen Transkription Übersetzung Anmerkungen
F4
a
Ḥ3tj-ˁ Graf/Gaufürst
m
rA
M26
Jmj-r3 Šmˁw Vorsteher von Oberägypten
L2tS19
Ḫtmw-bjtj Siegelbewahrer des Königs von Unterägypten Dritthöchster Hofrangtitel
sU23Aa17
t Z1
Smr-wˁtj Einziger Freund bereits von seinem Vater getragen
T28Hb
H̱rj-ḥabet Vorlesepriester bereits von seinem Vater getragen
Y1Vm
Jmj-js Der im Palast Befindliche
A48O47
Jrj-nḫn Hüter von Hierakonpolis
M22bHr
tp
Ḥrj-tp-nḫb Oberhaupt von el-Kab
m
rA
S25
Jmj-r3-ˁ3w Vorsteher der Fremdsprachigen/Söldner
Hr
r
sS
t
U30AY2U28d
t
Y2nbn
t
tpM25
Ḥrj-sšt3-n-wḏt-mdw-nbt-nt-tp-rsj Geheimrat aller Befehle des Südens
Z11ib
n
nbG7f
Jmj-jb-nb=f Vertrauter seines Herrn
ir
r
HW14z
z
tn
nb
G7f
Jrj-ḥsst-n-nb=f Der tut, was von seinem Herrn gelobt wird
d
d
n
r
G14E23wHHr
r
G7mN25
N25
N25
t Z1
Rḏj-nrw-Ḥrw-m-ḫ3swt Der den Schrecken des Horus in den Fremdländern verbreitet
W25n
n
x&r&t N25
N25
N25
t Z1
nbnnbG7f
Jnj-ḫrt-ḫ3swt-nb(wt)-n-nb=f Der seinem Herrn alle Erzeugnisse der Fremdländer bringt
W25n
n
W25nw
Y2
nswt
Aa31
(
mN25
N25
N25
t Z1
nb
)
Jnj-jnw-ẖkrt-nsw (m-ḫ3swt-nb(wt)) Der die Tribute des Königsschmucks (aus allen Fremdländern) bringt
m
rA
M26N25
N25
N25
t Z1
nbn
t
tpM25
Jmj-r3-ḫ3swt-nbwt-nt-rst Gouverneur aller Südländer

Harchufs Reisen

Erste Reise

Der Bericht über die erste Reise ist äußerst knapp gehalten. Harchuf und sein Vater Iri wurden von König Merenre damit beauftragt, den Weg in das Land Jam zu erkunden. Die Reise dauerte insgesamt sieben Monate. Harchuf brachte viele Güter aus Jam nach Ägypten und wurde dafür sehr gelobt.

Zweite Reise

Bei der zweiten Reise führte Harchuf das alleinige Kommando. In seinem Bericht nennt er zahlreiche Ortsnamen: Er reiste auf dem Elephantine-Weg und kam auf seinem Weg nach Jam durch die Länder Irtjet, Mecher und Tereres, die wohl Teil einer politischen Einheit namens Irtjet waren. Auf dem Rückweg kam er an den Hof des Herrschers von Setju und Irtjet. Die Reise dauerte insgesamt acht Monate und zahlreiche Güter wurden nach Ägypten gebracht. In seinem Bericht nimmt Harchuf den Ruhm in Anspruch, dass kein Expeditionsleiter vor ihm ähnliche Leistungen vollbracht hätte.

Dritte Reise

Am ausführlichsten wird die dritte Reise beschrieben: Ausgangspunkt ist der 8. oberägyptische Gau. Von dort aus zog Harchuf über den Oasenweg nach Südwesten, wo er auf den Herrscher von Jam traf, der gerade einen Kriegszug gegen Libyer führte. Dieses Ereignis verzögerte den Zeitplan der Expedition offenbar deutlich, denn Harchuf sandte einen seiner Leute gemeinsam mit einem Untergebenen des Herrschers von Jam an den ägyptischen Königshof, um über die Verzögerung zu berichten. Es folgte ein Tauschhandel zwischen Harchuf und dem Herrscher von Jam und Harchuf gelangte auf dem Heimweg in die Gegend des südlichen Irtjet und des nördlichen Setju. Er durchquerte die Gegend mit einer Karawane bestehend aus 300 Eseln, die beladen waren mit Weihrauch, Ebenholz, hknw-Öl und anderen Dingen. Er traf wieder auf den Herrscher von Irtjet und Setju, der in der Zwischenzeit auch das Land Wawat unter seine Kontrolle gebracht hatte. Da Harchuf ein starkes Heer mit sich führte, dem auch Truppen aus Jam angehörten, kam es nicht zu feindseligen Auseinandersetzungen. Stattdessen gab der Herrscher Harchuf Rinder und sicheres Geleit durch sein Reich. Auf dem Weg zur Residenz kam Harchuf der Beamte Chuni mit mehreren Schiffen entgegen.

Vierte Reise

Die vierte Reise fand nach dem Tod Merenres, in der frühen Regierungszeit seines Nachfolgers Pepi II. statt. Hierüber existiert kein direkter Bericht. Harchuf ließ stattdessen einen Brief des jungen Königs an seiner Grabfassade kopieren. Dieser Brief ist datiert auf das 2. Regierungsjahr, 3. Monat der Achet-Jahreszeit, Tag 15. Es handelt sich um eine Antwort auf einen Bericht, den Harchuf dem König gesandt hatte. Pepi drückt darin seine große Freude darüber aus, dass Harchuf einen „Zwerg der Gottestänze“ an den Hof bringt, wie es bereits der Expeditionsleiter Bawerdjed während der Regierungszeit von Djedkare bei einer Reise nach Punt getan hatte. Er mahnt Harchuf zur Eile und weist ihn an, ständig Wachen für den Zwerg aufzustellen, damit er während der Fahrt auf dem Nil auf keinen Fall ins Wasser fällt.

Das Grab des Harchuf

Harchuf ist Besitzer des Grabes Q34n auf der Qubbet el-Hawa.

Literatur

Zum Grab

Zu den Inschriften

Zur Geografie

Sonstiges

Commons: Harchuf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. ↑ Inschriften des ḫwj=f-ḥr.w an seinem Grabe gegenüber von Elephantine. In: Kurt Sethe (Hrsg.): Urkunden des alten Reiches. (Urkunden des ägyptischen Altertums, Band 1) Hinrichs, Leipzig 1933, S. 120–131.
  2. ↑ Hermann Ranke: Die Ägyptischen Personennamen. Band I: Verzeichnis der Namen. Augustin, Glückstadt 1935, S. 250.
  3. ↑ Ernesto Schiaparelli: Una tomba egiziana inedita della VIa dinastia. Rom 1892, S. 10.
  4. ↑ Ernesto Schiaparelli: Una tomba egiziana inedita della VIa dinastia. Rom 1892, S. 9.
  5. ↑ vermutlich einen kleingewachsenen Nubier oder einen Mann vom Volk der Akka aus dem Sudan. Ein Pygmäe kann ausgeschlossen werden, da die Expeditionen nie so weit in das Innere Afrikas gingen, um solche Stämme zu erreichen. Gabriele Höber-Kamel: Abydos - Religiöses Zentrum der Auferstehung. In: Kemet. Heft 2, Berlin 2000, S. 4–9.
  6. ↑ Ernesto Schiaparelli: Una tomba egiziana inedita della VIa dinastia. Rom 1892, S. 17, 18; dort als „Ara“ transliteriert.
  7. ↑ Ernesto Schiaparelli: Una tomba egiziana inedita della VIa dinastia. Rom 1892, S. 11–12, 17; Dort als „Tepemnofrit“ bzw. „Tepa“ transliteriert.
  8. ↑ Ernesto Schiaparelli: Una tomba egiziana inedita della VIa dinastia. Rom 1892, S. 10, 17; dort als „Tjama“, bzw. „Mesitna“/„Mesina“ transliteriert.
  9. ↑ nach Rainer Hannig: Die Sprache der Pharaonen. Band 1. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.). 3. Auflage, von Zabern, Main 2001, ISBN 3-8053-1771-9.
  10. ↑ Das Wort ḥbt stammt von ḥ(3)b „Fest“ ab. Die Lesung ḥ3b mit 3 gilt inzwischen aufgrund einer Stelle in den Pyramidentexten als gesichert. „... sollte die korrekte Transkription demnach ẖrj-ḥ3bt lauten, auch wenn diese Schreibung nie vorkommt und archaischer Gepflogenheit entsprechend zumal die Femininendung t unterdrückt wird.“ (Elmar Edel: Altägyptische Grammatik. Band I–II. (= Analecta Orientalia. Band 34 / 39). Pontificium Institutum Biblicum, Rom 1955–1964, S. 45 (§ 104).) So ist die Schreibung inzwischen auch in das Thesaurus Linguae Aegyptiae eingegangen (Lemma-Nr. 124340).
Personendaten
NAME Harchuf
ALTERNATIVNAMEN Harkhuf; Herchuf; Hirchuf
KURZBESCHREIBUNG ägyptischer Entdecker
GEBURTSDATUM um 2300 v. Chr.
STERBEDATUM um 2300 v. Chr.