Haus Hinkel

Haus Hinkel mit Marktplatz (2009)
Haus Hinkel (2006)

Das Haus Hinkel ist ein zwischen 1742/1743 errichteter barocker Bau mit Mansardwalmdach im rheinhessischen Flonheim (Marktplatz 3). Zu dem großen Patrizierhaus mit Portal und zwei Torbögen gehört noch ein Wirtschaftsgebäude aus Klinker und Fachwerk von 1902.

Der für die Wildgrafenzeit ortstypische Repräsentativbau als östliche Raumkante des Marktplatzes ist städtebaulich von besonderer Bedeutung. Daher steht er sowohl als Einzeldenkmal in der staatlichen Liste der denkmalgeschützten Bauten Flonheims als auch zusammen mit weiteren Nachbargebäuden unter der Gesamtbezeichnung „Denkmalzone Ortskern“.

Architektur

Portal in der Langgasse vom Haus Hinkel

Das Hauptgebäude ist ein stattlicher spätbarocker Putzbau mit zwei Geschossen und einem gaubenbesetzten Mansardwalmdach, das einen winkelförmigen Grundriss aufweist. Er wurde 1742/1743 errichtet. Die Fenster sind mit geohrten und profilierten Sandsteingewänden versehen. Nachdem die benachbarte barocke Kirche 1880 abgerissen wurde, ist das Gebäude im Stil der ursprünglichen Erbauungszeit nach Norden hin erweitert worden. Von 1993 bis 1995 wurden die Werksteine erneuert und Ladendurchbrüche rückgebaut.

Die westliche Fassade zum Marktplatz hin ist neun Fensterachsen breit; leicht links der Mitte befindet sich dort die Tordurchfahrt. Deren profilierter Korbbogen ruht auf Pilastern und mündet oben in einem Scheitelstein mit der Aufschrift »1742 IHZ« (= Johannes Zimmer). Links (nördlich) der Hofeinfahrt ist über eine Freitreppe mit Wangenmäuerchen ein Hauseingang erreichbar, der als Ohrenportal gestaltet ist und ein altes Oberlichtfenster besitzt. Die Kellerfenster sind mit Steinschiebern versehen. Das Traufgesims ist ebenfalls profiliert. An der kürzeren Seite des Hauptgebäudes zur Langgasse befinden sich zum Teil noch die Fenstergewände der Erbauungszeit. Dort befindet sich der zweite Hauseingang, der ebenfalls über eine Freitreppe zu erreichen ist und als prächtiges Pilasterportal mit profiliertem Volutenkorbbogen, Scheitelstein und Zwickelblüten erbaut wurde. Dieses Portal zur Langgasse hin ähnelt stark dem des Gebäudes Alzeyer Straße 1 im gleichen Ort. Der eingezogene Segmentgiebel des Portals ist mit einem Lorbeerkranz verziert, in dem und um den folgende Inschrift angebracht ist:

Tafel mit dem Landeswappen von Rheinland-Pfalz und der Inschrift: „Ehrengabe der Minister des Inneren und für Sport Rheinland-Pfalz Walter Zuber“

DIESES HAVSZ
HAT ERBAVT IOHANNES
ZIMMER MIT ANNA CADRI
NA ZIMMERIN : GOTT SEGNE
DIESES HAVS DIE DAR
INEN GEHEN
EIN VND AVS 1743

Dieses Haus hat erbaut Johannes Zimmer mit Anna Katrina Zimmerin. Gott segne dieses Haus die darin gehen ein und aus.

Johannes Zimmer (1703–1781) betrieb zusammen mit seiner Frau in dem Haus den Gasthof „Zum Engel“ des Weiteren ließ er 1756 auf dem Schneeberg von Flonheim einen Trullo errichten.

Nutzung

Das Haus bot Gästezimmer und Pferdestallungen. Auch die Leinenreiter vom Rhein übernachteten hier mit ihren Pferden, auf dem Rückweg von Worms nach Bingen, rheinabwärts, auf dem kürzeren Weg über Land und nicht dem Rhein entlang. Die Pferde dieser Leinenreiter zogen die Frachtschiffe rheinaufwärts von Bingen nach Worms.

1891 sowie 1902 wurde es erweitert, modernisiert und 1909 zum Kulturdenkmal des Großherzogtums Hessen ernannt. Dass Anwesen blieb bis in die 1980er Jahre im Besitz der Familie, das letzte Besitzerehepaar blieb ohne Nachkommen. Seinen heutigen Namen „Haus Hinkel“ erhielt es 1980, genannt nach den Erben der letzten Frau Zimmer. Das Haus stand längere Zeit leer. Die Ortsgemeinde Flonheim erwarb die inzwischen marode Immobilie. Ein Hotel sollte errichtet werden, hohe Kosten brachten den Plan allerdings zum Scheitern.

Ab 1992 wurde das Anwesen, unterstützt durch Mittel der „Strukturplanung Rheinland-Pfalz“, durch das Ehepaar Edda und John Birchall umfassend und fachgerecht saniert (unter Leitung des Architekturbüros Dada Mascheck, Frankfurt am Main, Bauleitung Nicolas Hess). 1995 eröffnete Innenminister Walter Zuber im Beisein von Ortsbürgermeister Ernst-Ludwig Elbert das „Haus Hinkel“. Seit 1999 werden hier wechselnde Ausstellungen präsentiert. Im Erdgeschoss des Hauses eröffnete 2012 ein Restaurant. Seit Mai 2014 finden Kunstausstellungen mit verschiedenen Werken aus Sammlungen und Arbeiten zeitgenössischer Künstler statt.

Literatur

Commons: Haus Hinkel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Dehio; S. 236
  2. 1 2 Michael Huyer, Dieter Krienke: Kreis Alzey-Worms: Verbandsgemeinde Alzey-Land (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 20,1). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2013, ISBN 978-3-88462-327-5, S. 176.
  3. ↑ Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler – Kreis Alzey-Worms. Mainz 2025, S. 36 (PDF; 6,5 MB).
  4. ↑ Restaurant: Zum Goldenen Engel (Memento des Originals vom 5. September 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. im Haus Hinkel.
  5. ↑ Galerie: ARTist by BIRCHALL (Memento vom 24. August 2014 im Internet Archive) im Haus Hinkel

Koordinaten: 49° 47′ 9″ N, 8° 2′ 12,9″ O