Der zivile Doppelsitzer „Blue Diamond“ (XL577), die Maschine ist 2016 in Silber lackiert und trägt jordanische KennzeichenVon Israel erbeutete jordanische HunterJonathon Whaleys private Hunter Miss Demeanour war die J-4104 der Schweizer Luftwaffe16 Hunter der Black Arrows der Royal Air Force im FormationsflugHunter der Patrouille Suisse 1991Cockpit der Trainerversion T 75
Die Hawker Hunter ist ein einstrahligesKampfflugzeug der Zeit des Kalten Krieges aus britischer Produktion. Im Einsatz war der Flugzeugtyp des Herstellers Hawker Siddeley ab 1954 hauptsächlich bei der Royal Air Force. Sie wurde auch in andere Länder exportiert und war mit Erstflug 1951 das älteste noch aktive Kampfflugzeug mit Strahlantrieb der Welt, als die letzten Exemplare 2014 vom Libanon außer Dienst gestellt wurden.
Geschichte
Entwicklung
Die Hawker Hunter wurde in den 1950er-Jahren entwickelt, um sowjetische Bomberverbände vor den britischen Inseln abfangen zu können. Für das Flugzeug war kein eigenes Bordradar vorgesehen, da die Führung durch eine Bodenleitstelle erfolgen sollte. Da zu dieser Zeit in Großbritannien die Entwicklung von Lenkwaffen noch in der Entwicklungsphase war, konzentrierten sich die Entwickler auf Maschinenkanonen als Hauptbewaffnung. Gemäß einer Forderung des britischen Verteidigungsministeriums sollte der neue Abfangjäger schon mit einem kurzen Feuerstoß seiner Maschinenkanonen einen sowjetischen Bomber zum Absturz bringen können. Als Lösung wurde eine schnell austauschbare Wanne mit vier 30-mm-ADEN-Maschinenkanonen (Armament Development Establishment) in den Rumpf eingebaut, die auch bei kurzen Feuerstößen ein großes Geschossgewicht ins Ziel bringen konnte. Zu Beginn waren die Vibrationen und Gase der Maschinenkanonen problematisch; später war die Hawker Hunter für die Erdkampfunterstützung vorgesehen, wobei nur zwei Maschinenkanonen eingebaut wurden.
Der Testpilot und Geschwaderführer (Squadron Leader) Neville Duke führte mit dem von Sydney Camm entworfenen Prototyp Hawker P.1067 Hunter, ausgestattet mit dem Avon-103-Triebwerk einer English Electric Canberra, am 20.Juli 1951 den Erstflug durch. Am 7.September 1953 stellte er mit 1173km/h (753mph) einen offiziellen Geschwindigkeitsweltrekord auf. Der Hunter durchbrach bei Flugshows im Bahnneigungsflug mehrfach die Schallmauer. Die Produktion der Hunter F.1 wurde für die Royal Air Force (RAF) im Jahre 1950 aufgenommen, und im Juli 1954 wurde sie in Dienst gestellt. Kurze Zeit später folgten bereits die Versionen Mk.2 bis 5.
1952 hatte sich die NATO entschieden, die Beschaffung eines neuen europäischen Jagdflugzeuges zu unterstützen. Amerikanische Piloten flogen den Hunter gegen die Supermarine Swift, wobei jene unterlag. Die USA unterstützten in der Folge die Beschaffung von 950 Hunter F4. Ein Teil davon würde der RAF und der dänischen Luftwaffe zugutekommen. Der Großteil der Flugzeuge ging nach Belgien und den Niederlanden.
1955 begann man mit der Herstellung der F6, und bis 1958 waren alle Einsatzstaffeln der RAF mit dieser Maschine ausgestattet. Ab 1958 wandte man sich an den Hersteller mit der Aufgabe, die F6 speziell für den Angriff auf Bodenziele auszulegen. Für die Modifikationen wie einen Behälter für einen im Heck untergebrachten Bremsschirm und Zusatztanks, die rund 1045 Liter (230 britische Gallonen) Treibstoff fassen konnten, mussten Aussparungen an den Landeklappen vorgenommen werden, auch wurde die Klimaanlage verbessert. Von dieser Version wurden 128 Stück produziert und als FGA.9 bezeichnet. Das Muster war mit Rolls-Royce-Avon-203-Triebwerken ausgestattet (Zwischenversion Mk.9); später erhielt sie die verbesserten Avon-207-Triebwerke mit einer Leistung von 45,15kN (10.150lb) Standschub.
Truppendienst
Die erste Einsatzstaffel war ab Juli 1954 die 43. Squadron in RAF Leuchars. Anfangs flogen Hunter, insbesondere der Jagdversionen F4 und F6 und andere, bei verschiedenen Staffeln der RAF Germany (siehe im Abschnitt Nutzung weiter unten). Im Jahr 1959 standen Hunter bei 18 RAF-Staffeln im Einsatz. Flugzeuge der weiterentwickelten Mehrzweck-Baureihe FGA.9 für Bodenangriff und Luftkampf wurden später bei den Squadrons No.1, 8, 20, 28, 43, 54 und 208 eingesetzt, dann auch bei den Squadrons No.45 und 58 und den Tactical Weapons Units No.1 und 2 im Vereinigten Königreich als Übungsflugzeug. Als Kampfaufklärer FR10 diente die Hawker Hunter bis Anfang der 1970er-Jahre bei der RAF in Deutschland; bis auf einige Schul- und Testmaschinen wurde sie 1980 bei der RAF außer Dienst gestellt.
In der Schweiz blieb sie deutlich länger– bis ins Jahr 1994– im Dienst; sie wurde mehrmals modifiziert (ausführliche Informationen hierzu siehe im separaten Abschnitt weiter unten).
Aufgrund seiner hervorragenden Handling-Eigenschaften war der Hunter immer auch eine von Kunstflug-Teams bevorzugte Maschine, von den RAF-Teams Black Arrows und Blue Diamonds der frühen 1960er-Jahre bis hin zur Patrouille Suisse.
2014 stand der Hunter nur noch im Libanon im Truppendienst: Drei FGAMk.70A und ein Trainer T.Mk.66C.
Im Ursprungsland wurden Hunter 2012 erneut zu militärischen Zwecken verwendet. Die Firma Hawker Hunter Aviation flog im Frühjahr des Jahres, zunächst versuchsweise, im Auftrag der Royal Navy Flugzieldarstellung von der Royal Naval Air Station Yeovilton aus mit Hunter Mk.58 und T.8.
Kampfeinsätze
Der Hunter hat in zahlreichen Konflikten eine Rolle gespielt:
Die Squadron No. 7 der Indian Air Force (IAF) erhielt im Januar 1958 die ersten Hunter. Sie flogen im zweiten (1965) sowie im Dritten Indisch-Pakistanischen Krieg (1971, auch Bangladesch-Krieg genannt)
Hunter Flugzeuge flogen in mehreren Luftwaffen auch Zieldarstellungsflüge. Bei der Royal Navy erhielten sie zu diesem Zweck die auffälligen und nach dem Hersteller „Harley“ benannten Lichter in der Flugzeugnase. In der Schweizer Flugwaffe kam der Hunter sowohl für Zieldarstellungsflüge als auch zum Zielschlepp für das Luft-Luft-Schiessen zum Einsatz. Für diesen Schlepp eines Zieles konnten einige Hunter mit einer Schleppwinde schwedischer Bauart ausgerüstet werden. Die von der Schweiz verkauften Hunter wurden – einige davon auch nachdem sie zivil betrieben worden waren – wo möglich von der kanadischen Lortie Aviation aufgekauft, welche im Herbst 2025 die Angabe ihrer mit Hunter seit dem Jahr 2002 geleisteten Flugstunden auf 67'000 erhöhte. Bei Huntern von Lortie können auch Zielschleppbehälter montiert werden. Laut NZZ verfügte Lortie im Jahr 2026 nach einem Absturz noch über eine Flotte von 22 Hunter für Trainingsflüge.
Tagjagdflugzeug mit Wright-J65-Triebwerk, 45 gebaut
Hunter F.Mk.3
Rekordflugzeug, 1 umgebauter Prototyp
Hunter F.Mk.4
Tagjagdflugzeug, gegenüber dem F.Mk.1 weiter verbesserte Tagjagd-Variante mit Avon-Mk-115/121-Triebwerk und Flügeltanks und Unterflügelstationen für abwerfbare Tanks, Mitte der 1950er für kürzere Zeit bei vier Geschwadern der 2. Tactical Air Force der RAF in Deutschland eingesetzt, 349 gebaut, zuzüglich 97 Lizenzbauten für die Koninklijke Luchtmacht (Klu) und 113 für die Belgische Luftmacht
Hunter F.Mk.5
Tagjagdflugzeug, entsprechende Version mit Sapphire-Mk-101-Triebwerk, 105 gebaut
Hunter F.Mk.6
nochmals verbesserte Variante des Tagjägers mit Avon-Mk-203-Triebwerk, nochmals größerer Kraftstoffkapazität durch einen geänderten Flügel (Kennzeichen: Versatz der Vorderkante) und vier Flügelstationen. Der Erstflug war am 25. März 1955, Einsatz unter anderem bei der 2.Tactical Air Force/RAF Germany, 384 gebaut zuzüglich 97 Lizenzbauten für die Niederlande und 144 für Belgien
Hunter F.Mk.6A
wie der F.Mk.6, jedoch mit schubstärkeren Mk-207-Triebwerk, 24 umgerüstete F.Mk.6
P.1181
Prototyp des zweisitzigen Trainers, 2 gebaut
Hunter T.Mk.7
zweisitziger Trainer, der aus dem F.Mk.4 entwickelt wurde, inklusive F.Mk.6-Tragflächen mit dem Versatz der Vorderkante. Der Erstflug war am 11. Oktober 1957, 45 neu gebaut, 6 umgerüstet, zuzüglich 20 für die Niederlande
Hunter T.Mk.7A(B)
Trainer für den nur als Einsitzer gebauten Buccaneer, 5 umgerüstet
Hunter T.Mk.8
Version des T.Mk.7 für die Royal Navy (RN), die mit einem Fanghaken ausgerüstet wurde, 10 neu gebaut, 18 umgerüstet,
Hunter T.Mk.8B/C
mit TACAN ausgerüstet, die Sub-Variante B auch mit EFIS, dafür aber ohne Bordkanone, 3/10 umgerüstet
Hunter T.Mk.8M
mit dem Blue-Fox-Radar der Sea-Harrier, 3 umgerüstet
Hunter FGA.Mk.9
einsitziges Erdkampfflugzeug, das aus dem F.Mk.6 entwickelt wurde. Es besitzt das Avon-Mk-207-Triebwerk, eine verstärkte Zelle und eine höhere Waffenzuladung. Von dieser Baureihe gibt es zahlreiche Exportversionen, 128 umgerüstete F.Mk.6.
Hunter FR.Mk.10
einsitziger Aufklärer, der aus dem F.Mk.6 entwickelt wurde, fast alle eingesetzt bei der RAF Germany, 33 umgerüstete F.Mk.6
Hunter GA.Mk.11
einsitzige Bodenangriffsversion des F.(G.A.)Mk.9, der für die RN entwickelt wurde
Die in den Niederlanden und Belgien in Lizenz gebauten Hunter für die Königliche bzw. die Belgische Luftmacht führten die gleichen Baureihenbezeichnungen wie die britischen Exemplare.
Die folgenden Versionen waren Bezeichnungen für den Export:
F.Mk.50: Exportmodell auf Basis des F.Mk.4 für die schwedische Flygvapnet, dort als J34 bezeichnet, 120 gebaut
F.Mk.51: Exportmodell auf Basis des F.Mk.4 für die dänische Flyvevåbnet, 30 gebaut
F.Mk.52: Exportmodell auf Basis des F.Mk.4 für Peru
T.Mk.53: Exportmodell auf Basis des F.Mk.4 (Tragflächen ohne Vorderkantenversatz) und des zweisitzigen Trainers T.Mk.7, für die dänische Flyvevåbnet, 2 gebaut
F.Mk.56: Exportmodell des F.Mk.6 mit kleineren Modifikationen für die Indian Air Force (IAF), 144 neu gebaut, 16 umgerüstete F.Mk.6
FGA.Mk.56A: Exportmodell des FGA.Mk.9 für die IAF, 53 umgerüstet
FR.74A/74B: Exportmodell des FR.Mk.10 für die RSAF, 4/22 umgerüstet
T.Mk.75/75A: zweisitziger Trainer für die RSAF, 4/5 umgerüstete T.Mk.66 (ein 75A ging bereits vor seiner Auslieferung verloren)
FGA.Mk.76: Exportmodell des F.(G.A.)Mk.9 für Abu Dhabi, 7 umgerüstet
FR.Mk.76A: Exportmodell des F.R.Mk.10 für Abu Dhabi, 3 umgerüstet
T.Mk.77: zweisitziger Trainer für Abu Dhabi, 2 umgerüstete T.Mk.7
FGA.Mk.78: Exportmodell des F.(G.A.)Mk.9 für Katar, 3 umgerüstet
T.Mk.79: zweisitziger Trainer für Katar, 1 umgerüsteter T.Mk.7
FGA.Mk.80: Exportmodell von F.(G.A.)Mk.9 für Kenia, 4 umgerüstet
T.Mk.81: zweisitziger Trainer für Kenia, 2 umgerüstete T.Mk.7
Insgesamt wurden in Großbritannien 1972 Flugzeuge gebaut. Dazu kamen noch 455 Lizenzbauten, die von Avions Fairey in Belgien und von Fokker in den Niederlanden gebaut wurden. Für den Exportmarkt wurden zahlreiche Umbauten vorgenommen.
Daten des F.(G.A.)Mk.9
Hawker Hunter F5 – ohne Flügelvorderkanten-Versatz („Sägezahn“)
SingapurSingapur (RSAF): 12 FGA.Mk.74, 4 FR.Mk.74A, 22 FR.Mk.74B, 4 T.Mk.75 und 4 T.Mk.75A, einige später vor Ort verschiedentlich umgebaut, diese erhielten den Baureihen-Zusatz „S“
RAF Brüggen, Januar 1956 bis Mai 1957, Hunter F4 (67., 71., 112. und 130. Squadron)
RAF Geilenkirchen, Mai 1956 bis Juli 1957, Hunter F4 (3. und 234. Squadron)
RAF Gütersloh, August 1958 bis Mai 1970, Hunter F6/T7/FR10 (2., 4., 14., 20. und 26. Squadron, die ersten beiden mit FR10, im Jahr 1961 verlegten aufgrund von Problemen mit der Landebahn alle Maschinen für einige Monate nach Jever)
RAF Jever, April 1955 bis Dezember 1960, Hunter F4/F6 und März bis September 1961, Hunter FR10 (2., 4., 14., 93., 98. und 118. Squadron)
RAF Oldenburg, Mai 1955 bis September 1958, Hunter F4 (14., 20. und 26. Squadron)
Die Hunter in der Schweizer Flugwaffe
In den späten 1950er-Jahren galt es, die ersten Serien der DH.100 Vampire und DH.112 Venom durch moderne Kampfflugzeuge abzulösen. Noch vor der Stornierung des in der Schweiz entwickelten FFA P-16 fiel die Wahl in der Endausscheidung gegen die US-amerikanische F-86 Sabre auf den britischen Hunter Mk6. Dieser Flugzeugtyp galt in der damaligen Fachwelt als Spitzenprodukt. Am 29.Januar 1958 beschlossen die Eidgenössischen Räte die Beschaffung von 100 dieser Kampfflugzeuge (inkl. Reservematerial und Munition) direkt vom Herstellerwerk und im Kostenumfang von 313 Millionen Schweizer Franken. Bereits im April begann die Auslieferung und Überführung der neuen Maschinen von England in die Schweiz. Dies ermöglichte eine rasche Umschulung der Piloten und des technischen Personals und bereits ein Jahr später waren fünf Fliegerstaffeln auf dem Hunter einsatzbereit. Die Flugzeuge mit der Bezeichnung Hunter Mk.58 wurden eigentlich für den Luftkampf beschafft, doch hatte sich schon bei der Erprobung eine gute Eignung für Erdkampfaufgaben gezeigt. Dafür erhielten ab 1980 viele dieser Hunter weitere Verbesserungen, zu denen Empfänger für feindliche Radarerfassung gehörten und verlängerte Sammelbehälter für verbrauchte Teile des Munitionsgurtes, die auch gleich die Düppel- und Leuchtbombenwerfer integrierten, außerdem zusätzliche Unterflügelpylone innen für Luft-Boden-Raketen und neue UHF-/VHF-Antennen. In den 1970er-Jahren waren größere Zusatztanks beschafft worden, welche Anpassungen der Landeklappen erforderlich gemacht hatten. Das Flugzeug erwies sich als einsatzsicher, wirkungsvoll und voll miliztauglich.
Zuerst 30 Flugzeuge und nach dem Nullentscheid bei einer Flugzeug-Neubeschaffung in den 1970er-Jahren weitere 30 Flugzeuge wurden als zweite und dritte Serie ausgeliefert und bezeichnet als Typ Mk. 58A, mit Triebwerken Avon Mk. 207 anstelle der originalen Mk. 203.
Einsatzaufgaben und Flugleistungen
Während der 36-jährigen Verwendungsdauer wurden die Hunter-Kampfflugzeuge mehrmals modifiziert und mit neuen Systemen und Waffenanlagen nachgerüstet. In der Zeit von 1975 bis 1991 waren insgesamt neun Frontstaffeln und eine Sonderstaffel mit dem Hunter ausgerüstet. Mit der Inbetriebnahme der Tiger-Raumschutzjäger wurden die Hunter dann weitgehend von der Luftkampfaufgabe entbunden; ihre Hauptdomäne blieb der Jagdbombereinsatz. Zu diesem Zweck wurde der Hunter zum Tragen von 300-kg-StreubombenFliegerbombe 79 (BL755) nachgerüstet. Mit der Rüstungsbotschaft 1982 wurden optisch gesteuerte AGM-65-Maverick-Lenkwaffen beschafft, diese wurden 1986 an die Truppe ausgeliefert. Die Hunter-Flotte erbrachte eine Flugleistung von etwa 310.000 Flugstunden bei rund 483.000 Einsätzen. Von insgesamt 160 Maschinen gingen 28 durch Unfälle verloren.
Ende der Hunter-Ära
Ein ehemaliger Schweizer Hunter mit F-18E im Jahr 2023 über dem Atlantik und dem Flugzeugträger USS Dwight D. Eisenhower (CVN-69)
Ende 1994 wurden die Hunter-Kampfflugzeuge im Rahmen der Organisation Armee 95 der Schweizer Armee außer Dienst gestellt und die damit ausgerüsteten fliegenden Verbände aufgelöst. Nach über 36 Einsatzjahren galten die Jagdbomber als technisch überaltert; ihre Kampfkraft wäre für ein künftiges Konfliktszenario ungenügend und ihr Unterhalt unverhältnismäßig teuer geworden. Dabei landete der erste seinerzeit in der Schweiz eingesetzte Hunter mit dem LuftfahrzeugkennzeichenJ4001 symbolisch auf dem Militärflugplatz Dübendorf und wurde dem dortigen Flieger-Flab-Museum übergeben.
Die letzten militärischen Einsätze fanden am 16. Dezember 1994 statt. Die J-4066 erhielt nochmals militärische Kennzeichen und flog als ZZ190 in Großbritannien. Auch die ZZ191 (J-4058) flog dort bis mindestens Juni 2013. Die J-4021 bekam das Kennzeichen ZZ194.
Auch 30 Jahre nach ihrer Ausmusterung in der Schweiz flogen mehrere von der Firma Lortie instand gehaltene Schweizer Hunter Zielflüge für die Airborne Tactical Advantage Company zum Beispiel in Japan und in den USA.
Erhaltene Maschinen
Sechs Hunter im Juli 2011 in Fairford; der getigerte Hunter aus Altenrhein hinten. Das führende Flugzeug WV372/G-BXFI stürzte im Sommer 2015 in Shoreham ab, die auf dem Bild noch farbige “Miss Demeanour” (J-4104) rechts hinten in der Formation im September 2026
Die letzten regelmäßigen operativen Einsätze einer Luftwaffe fanden in Indien als Zielflugzeuge statt. Die Luftwaffe von Simbabwe hielt aber bis mindestens 2022 eine kleine Zahl von Hunter Einsitzern und Zweisitzern flugtauglich „für den Fall, dass die gebraucht würden“. Im Libanon waren 2015 noch drei Exemplare und ein Trainer im Einsatz.
In Großbritannien, Kanada und den USA gibt es noch flugfähige Exemplare, bis 2010 auch bei Thundercity in Kapstadt, Südafrika. Die einsitzige niederländische Maschine wurde 2022 stillgelegt und der aus der Schweiz zugekaufte Doppelsitzer, der in Großbritannien hätte registriert werden sollen, hatte den Flugbetrieb nach dem Überflug von Altenrhein nach St. Athan nie aufgenommen.
In der Schweiz gab es mehrere Vereine von ehemaligen Piloten und Mechanikern der Schweizer Luftwaffe, die mehrere Hunter bis 2021/2022 flugtauglich hielten und in zwei zweisitzigen Trainern Flüge für Passagiere anboten. Schweizer Hunter fliegen in Kanada weiter und stehen bei der Airborne Tactical Advantage Company (ATAC) weltweit im Einsatz. Nach einem Absturz im September 2026 erhielten die laut NZZ immer noch 22 vorhandenen Hunter Flugzeuge ein Flugverbot.
Am 4. Dezember 1956 explodierte in einer Hawker Hunter F.6 der britischen Royal Air Force (LuftfahrzeugkennzeichenXE669) das Triebwerk kurz nach dem Start. Die Maschine stürzte 1,6 Kilometer südlich des Flugplatzes Jever (Niedersachsen) (4,3 Kilometer westsüdwestlich von Schortens) ab. Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz herausschießen, wurde aber getötet, als der Schleudersitz versagte. Ursache des Versagens war, dass die barostatische Zeitverzögerungseinheit versagte. Die Sicherheitsplatte über dem Auslösekolben der ersten Stufe war falsch herum eingebaut und kalibriert worden und verhinderte so die korrekte Funktion des Sitzes. Nachdem alle Hunter in Jever gegroundet worden waren, wurde festgestellt, dass zwei weitere falsch montiert waren.
Am 5. April 1968 nutzte Flight Lieutenant Alan Pollock auf einem Routineflug zum Militärflugplatz West Raynham in Norfolk die Gelegenheit zu einer eigenmächtigen Demonstration über London. Mit seiner Hawker Hunter FGA. 9 (XF442) umrundete er dreimal das britische Parlamentsgebäude, grüßte mit dem typischen „Flügelwippen“ über dem Royal Air Force Memorial und durchflog die Londoner Tower Bridge zwischen den oberen Fußgänger- und den unteren klappbaren Fahrbahnstegen. Mit dieser Aktion wollte er, vier Tage nach dem 50. Jubiläum der Gründung, die Leistungsfähigkeit der Royal Air Force unter Beweis stellen und gleichzeitig gegen die Regierung unter Premierminister Harold Wilson protestieren.
Am 18. Mai 2012 stürzte eine Hawker Hunter Mk. 58 der Airborne Tactical Advantage Company (ATAC) (N329AX) etwa 2 Kilometer vor dem U.S.-Navy-Stützpunkt Point Mugu ab. Nachdem der Pilot unmittelbar beim Start ein Treibstoff-Ungleichgewicht festgestellt hatte sowie die zwei Tage zuvor gewechselte linke Baugruppe der Treibstoffzufuhr vermutlich nicht ordnungsgemäß funktionierte, entschied sich der Pilot trotz Ratschlag vom Boden und trotz Kenntnis des Wechsels der Baugruppe nicht zur sofortigen Rückkehr. Als der Flug nach dem späteren Umkehrentscheid im Landeanflug unkontrollierbar wurde (möglicherweise durch eine weitere Verschlimmerung durch das Ausfahren der Landeklappen), wartete der Pilot zu lange mit dem Ausstieg und wurde getötet.
Am 29. Oktober 2014 verunfallte eine Hawker Hunter Mk. 58 der ATAC (N332AX) beim Anflug auf den U.S.-Navy-Stützpunkt Point Mugu. Das Flugzeug flog gegen Ende der Umkehrkurve mit einer Geschwindigkeit, welche unter der Mindestgeschwindigkeit lag, worauf ein auf einer Flughöhe von unter 100 Metern fataler Strömungsabriss eintrat. Es gab keine Anzeichen dafür, dass der Pilot einen Ausstiegsversuch unternahm.
Am 22. August 2015 stürzte eine private Hawker Hunter T.7 (G-BXFI) während der Shoreham Airshow auf die Schnellstraße A27 und explodierte. Dabei kamen elf Menschen in ihren Fahrzeugen ums Leben. Der Pilot überlebte schwer verletzt.
Am 22. August 2017 geriet eine vom U.S.-Navy-Stützpunkt Point Mugu gestartete Hawker Hunter Mk. 58 der ATAC (N338AX) während einer militärischen Übung über dem Pazifik in die Wirbelschleppe einer F-35. Nachdem das Flugzeug ins Trudeln geraten war, stieg der Pilot aus. Die Ursache der Unsteuerbarkeit konnte nicht ermittelt werden, da das Flugzeug nicht vom Meeresgrund gehoben wurde.
Am 12. Dezember 2018 verlor eine vom Daniel K. Inouye International Airport in Honolulu gestartete Hawker Hunter Mk. 58 der ATAC (N323AX) kurz nach dem Start die Triebwerksleistung. Nach einem Versuch eines Triebwerksstarts musste der Pilot wegen der geringen Flughöhe aussteigen. Der Grund für den Leistungsabfall konnte nicht eruiert werden.
Am 20. Juni 2022 verlor eine vom Newport News/Williamsburg International Airport gestartete Hawker Hunter Mk. 58 der ATAC (N337AX) während einer militärischen Übung 40 Kilometer südöstlich von Wilmington über dem Atlantik Triebwerksleistung; das Triebwerk fiel auf 5000 Umdrehungen, was nicht ausreicht, um die Höhe zu halten. Auf etwa 1000 Metern Höhe stieg der Pilot aus. Die Ursache war ein defektes Lager der Hochdruckpumpe.
Am 15. Oktober 2025 erlitt eine Hawker Hunter Mk. 58 der ATAC (N335AX) während einer militärischen Übung einen Triebwerksausfall. Trotz mehrerer Versuche gelang es dem Piloten nicht das Triebwerk neu zu starten, woraufhin er sich für den Ausstieg mit dem Schleudersitz entschied. Der Pilot konnte nach dem Ausstieg aus dem Wasser gerettet werden, die Maschine stürzte vor Big Sur in Kalifornien (USA) in den Pazifik. Das Flugzeug wurde nicht geborgen, womit auch der Grund für den Triebwerksausfall nicht ermittelt werden konnte.
Am 22. September 2026 erlitt eine Hawker Hunter Mk. 58A der ATAC (N345AX) während einer militärischen Übung über dem Pazifik einen Triebwerksausfall. Der Pilot verließ das Flugzeug daraufhin mit dem Schleudersitz und konnte gerettet werden, die Maschine selbst stürzte etwa neun Kilometer vor Morro Bay in Kalifornien (USA) in den Ozean, über 70 Jahre nach ihrem Bau und ihrer Auslieferung an die RAF als XF947 am 20. April 1956.