| Hededet in Hieroglyphen | ||||||
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| Neues Reich |
Ḥdd.t | |||||
Hededet (ägyptisch Ḥdd.t) ist eine Skorpiongöttin der ägyptischen Mythologie. Ihr Name bezeichnete ursprünglich eine Skorpionart, und als Göttin ist sie seit den Sargtexten des Mittleren Reiches (um 2000 v. Chr.) belegt. Ihr wichtigster Kultort war Edfu in Oberägypten, wo sie seit dem Neuen Reich mit Isis verbunden wurde, die als Isis-Hededet ihren Namen übernahm. Als Schutzgöttin sollte sie vor Skorpionen, Schlangen und anderen Gifttieren bewahren und im Mythos Horus, den König und Osiris beschützen. In ptolemäischer Zeit (332–30 v. Chr.) wurde sie in Edfu und Dendera auch an Hathor angeglichen, und in der späten Theologie galt sie zunehmend als „Herrin des Lichts“, wozu der Anklang ihres Namens an das ägyptische Wort für „weiß, hell sein“ beitrug.
Dargestellt wird sie als Frau mit einem Skorpion auf dem Kopf, später auch als Mischwesen aus Skorpion und Frau. Ähnliche Figuren finden sich auf vielen späten Statuetten und Amuletten, die vor Gifttieren schützen sollten, doch ob sie Hededet oder die Skorpiongöttin Selket darstellen und wie eng beide Göttinnen verbunden waren, ist umstritten.
Der Name, ägyptisch Ḥdd.t, demotisch Ḥtt, bezeichnete sicher eine Skorpionart, doch Herkunft und genaue Bedeutung des Wortes sind ungeklärt, weil es nur aus religiösen Texten bekannt ist. Es wurde früh zum Namen einer Göttin, der später auf Isis überging. Jean-Claude Goyon hält eine Verbindung mit der ähnlich lautenden Wurzel ḥḏ „weiß sein“ für denkbar, sodass der Name eine helle, gelbliche Skorpionart bezeichnet haben könnte. In der Literatur wird der Name auch Hededyt oder Heddjet umschrieben.
In den Pyramidentexten des Alten Reiches fehlt Hededet noch. Die Sargtexte des Mittleren Reiches (etwa 2040–1780 v. Chr.), in denen sie zuerst genannt wird, und später das Totenbuch verbinden sie noch nicht mit Isis, sondern spielen vor allem auf den knotig gegliederten Schwanz des Skorpions an. So gilt die Haarflechte des Verstorbenen als die der Hededet, wohl weil der Schwanz mit seinen Gliedern und dem gekrümmten Ende an eine Flechte erinnert, und in einer Fassung auch ein Tau der Himmelsbarke. Im Totenbuchspruch 39, der die Schlange Apophis, den Feind des Re, abwehren soll, legt sie ihm Fesseln an und greift ihn als Skorpion an, der sticht und Gift einspritzt.
In manchen Fassungen von Totenbuchspruch 86, mit dem sich der Verstorbene in eine Schwalbe verwandelt, sagt er, er sei Hededet, die Tochter des Re. Ob schon die ältere Fassung in den Sargtexten die Skorpiongöttin meint, ist umstritten, denn der Name ist dort teils nur mit einem Vogel als Deutzeichen geschrieben und könnte auch einen ähnlich benannten Vogel bezeichnen.

Hededet wurde vor allem in Edfu verehrt, und dort ging ihr Name auch auf Isis über, die als Isis-Hededet zur Skorpiongöttin und zur Isis von Edfu wurde. Belegt ist Hededet in Edfu seit der 18. Dynastie (um 1550–1290 v. Chr.). Auf einer Stele dieser Zeit nennt ein Barbier aus dem Tempelgut des Horus sie im Opfergebet zusammen mit Horus Behdeti, dem Horus von Edfu, und bezeichnet sie als seine Herrin. Ein Skorpionstein derselben Dynastie, dessen Stifter vermutlich aus Edfu stammten, ruft schon „Isis-Hededet, die Mutter des Gottes“ an, und auch im Felsentempel von Gebel es-Silsila nördlich von Assuan ist Hededet im Neuen Reich als Name der Isis belegt. Häufiger fassbar wird die Verbindung mit Isis aber erst in der Spätzeit (664–332 v. Chr.). Seit dem Beginn der 26. Dynastie (um 660 v. Chr.) hatte Isis-Hededet in Edfu eigene Priester, was auf einen regelmäßigen Kult im Tempel hindeutet.
Im ptolemäischen Tempel von Edfu hatte sie ihren Platz im Umgang, dem Gang mit Kapellen rings um das Sanktuar, wo sie zusammen mit den Ahnengöttern und den unmittelbaren Nachbarn des Tempelherrn Horus Opfer empfing. Ihr Fest feierte man am zweiten Tag des vierten Monats der Jahreszeit Schemu mit einer Prozession. In den Inschriften heißt sie meist „Isis, Hededet von Behdet“, nach dem alten Namen von Edfu, und als Göttin der Stadt wird sie sogar mit dieser gleichgesetzt.
Auch im Tempel des weiter nördlich gelegenen Dendera gehörte sie zu den Gottheiten des Umgangs, und nach einer Inschrift hat der König ihr dort einen Raum gebaut. In beiden Tempeln wurde sie als Isis an Hathor angeglichen, die dort ihrerseits Isis-Hededet heißen kann. In Esna wird mit ihrem Namen auch die dort verehrte Löwengöttin Menhit bezeichnet. Außerhalb Oberägyptens hatte Hededet einen Kult in Sais im westlichen Nildelta, wo sie mit Neith verbunden war und als „Hededet, die im tiefen Ort ist“ die Tempelmagazine schützte.
Hededet war vor allem eine Schutzgöttin. Im Alltag sollte sie vor Skorpionen, Schlangen und anderen Gifttieren bewahren, und diesem Zweck dienten schon der Skorpionstein aus der 18. Dynastie und später wohl auch kleine Statuetten und Amulette, deren Zuordnung zu ihr oder zu Selket allerdings umstritten ist.
In den ptolemäischen Tempeltexten gehört sie als Isis zur Götterfamilie von Heliopolis, als Tochter von Geb und Nut, Gattin des Osiris und Mutter des Horus. Ihr Schutz galt daher Horus, dem König als dessen irdischem Nachfolger und Osiris. Zugleich lebt ihr alter Beiname „Tochter des Re“ aus dem Sonnenmythos weiter, unter dem sie als Skorpion die Feinde des Sonnengottes und des Horus vernichtet und besonders die Schlangen vertreibt. Im Tempel selbst hielt sie die Feinde fern und wachte vor allem über den Umgang.
In der späten Theologie drängte eine andere Vorstellung das Bild des Skorpions zurück, nämlich die einer „Herrin des Lichts“. Dazu trug bei, dass ihr Name an das ägyptische Wort für „weiß, hell sein“ anklingt, womit die Priester bewusst spielten. Ausgangspunkt war wohl vor allem Isis als Sothis, deren Aufgang die Nilschwemme ankündigte, und als Isis-Hededet-Sothis galt sie als Göttin, die Strahlen aussendet, um die Dunkelheit zu vertreiben. Dimitri Meeks unterscheidet von Hededet allerdings eine eigene Göttin Ḥḏdt „die Strahlende“, die in den Tempeltexten von Dendera mit ihr verschmolzen sei, und rechnet dazu auch die Isis im Tempel von Behbeit el-Hagar im Nildelta, deren Namen andere als „Hededet, die Große“ lesen.

Hededet erscheint als Frau mit einem Skorpion auf dem Kopf, in später Zeit auch als Mischwesen aus Skorpion und Frau. Gesichert ist diese Bildform durch zwei Stelen aus der 18. Dynastie, die Stele des Barbiers aus Edfu und eine Stele im Museum der Bildenden Künste in Budapest, die beide Hededet mit diesem Kopfschmuck hinter Horus von Edfu zeigen und sie ausdrücklich beim Namen nennen.
Goyon ordnet ihr auch Bilder einer Göttin seit der 18. Dynastie zu, die sich vor allem in nubischen Tempeln südlich von Assuan wie Ellesija, Amada und Bet el-Wali, aber auch in Gebel es-Silsila finden und in den Beischriften Isis die Große heißen. Auf ihrer langen Perücke sitzt vorn ein Skorpion, der teils zur Stirn hinabzusteigen scheint, während er bei Selket fast immer flach und unbewegt auf dem Kopf liegt.
Nach Goyon wurde ihr Bild in den ptolemäischen Tempeln vereinheitlicht und verlor die Merkmale des Skorpions, während die alte Bildform in kleinen Statuetten aus Stein und Bronze und in Amuletten weiterlebte, die vor Gifttieren schützen sollten und meist aus Unter- und Mittelägypten stammen, also nicht aus der Gegend ihres Hauptkults. Teils zeigen sie Isis mit dem Skorpion auf dem Kopf, teils ein Mischwesen aus Skorpion und Frauenkopf, zuerst als Kopfschmuck und später als ganze Figur. Zur ersten Gruppe gehört eine kniende Isis aus dem Serapeum von Sakkara im Ägyptischen Museum Kairo, die als Wächterin des Osiris einen kleinen mumienförmigen Osiris auf den Knien hält, ebenso eine thronende Isis aus der 25. Dynastie (um 750–655 v. Chr.), die mit zwei Skorpionen auf dem Kopf den Horusknaben stillt. Am Ende der Entwicklung steht, zumindest in Unterägypten, ein Skorpion mit Armen und einem Frauenkopf, der die Krone der Isis-Hathor trägt.

Wie eng Hededet mit der Skorpiongöttin Selket verbunden war, wird unterschiedlich beurteilt. Hans Bonnet sah 1952 Isis häufig mit Selket verschmolzen, sodass sie geradezu deren Gestalt annahm und dann oft Hededet hieß. Belegt ist, dass Hededet als Skorpiongöttin bisweilen mit Selket gleichgesetzt wurde, etwa in Sais, wo sie das Gegenstück zur dortigen Selket bildete. Goyon trennte beide dagegen scharf und sah in Isis-Hededet eine von Selket völlig verschiedene Form der Isis als Skorpiongöttin, denn wo die Verbindung beider gemeint sei, heiße die Göttin in den Inschriften ausdrücklich Isis-Selket.
Strittig ist vor allem die Zuordnung der späten Statuetten und Amulette, die eine Frau mit Skorpion auf dem Kopf oder ein Mischwesen aus Skorpion und Frau zeigen. Lange galten sie fast durchweg als Selket oder Isis-Selket. Goyon hielt das größtenteils für fragwürdig und sah in den meisten von ihnen Isis, die sich in einem Skorpion verkörpert, um über die Reptilien zu herrschen. Carol Andrews deutete dagegen 1994 Amulette einer schreitenden Frau mit Skorpion auf der Perücke, die seit der Dritten Zwischenzeit (um 1070–660 v. Chr.) vorkommen, als Selket und spätzeitliche Skorpione mit Frauenkopf, Kuhgehörn und Sonnenscheibe als Selket mit den Attributen der Isis.