Hedwig Fleischhacker

Hedwig Fleischhacker, verheiratete Hedwig Uebersberger, (geboren 19. Juni 1906 in Wien, Österreich-Ungarn; gestorben 28. September 1978 in München) war eine deutsche Osteuropahistorikerin und Romanautorin.

Leben und Wirken

Die Tochter eines Wiener Hofrats im Finanzministerium besuchte das Realgymnasium. Anschließend begann sie ein Schauspielstudium am Reinhardt-Seminar und studierte gleichzeitig Geschichte, Kunstgeschichte und Sprachwissenschaft (Russisch) an der Universität Wien. Im Studienjahr 1926/27 war Fleischhacker an Hans Uebersbergers Seminar für Osteuropäische Geschichte als Bibliothekarin tätig. 1930 wurde sie in Wien zum Dr. phil. promoviert. Von 1931 bis 1934 arbeitete sie als wissenschaftliche Hilfskraft. Zum 1. Juni 1933 trat sie in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 1.619.913). Dann folgte sie Uebersberger 1934 nach Breslau und 1935 nach Berlin. An der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin schloss sie 1938 als eine von nur zwei Frauen während der Zeit des Nationalsozialismus (neben Wilhelmine Hagen) und als dritte Frau in Deutschland überhaupt ihre Habilitation in Geschichtswissenschaft ab. Ihre Habilitationsschrift Die staats- und völkerrechtlichen Grundlagen der moskauischen Außenpolitik erlebte nach dem Krieg 1959 eine zweite Auflage. Fleischhacker erhielt 1938 eine Assistentinnenstelle, ab 1939 war sie auch als Universitätsdozentin für osteuropäische und russische Geschichte tätig. 1940 heiratete sie Uebersberger, nachdem dieser sich von seiner ersten Frau getrennt hatte. Ende 1944 floh sie mit ihrem Mann und dem dreijährigen Sohn Alexander zu Verwandten nach Geinberg ins Innviertel. Nach dem Krieg musste sie aufgrund ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit ihre Universitätskarriere beenden, siedelte 1952 nach München über und publizierte frei arbeitend weiterhin wissenschaftliche Arbeiten; unter anderem mehrere Werke zu Kaiserin Katharina II. von Russland.

1960 erschien überraschend Fleischhackers vielbeachteter Roman „Die drei Jahrhunderte des Kassian Timofejev“, der die Geschichte Russlands exemplarisch anhand des fiktiven, im Jahr 1660 geborenen und dreihundert Jahre lebenden Timojevs spiegelt.

Fleischhacker war alt-katholischer Konfession.

Schriften (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Fleischhacker Hedwig. Historikerin. In: biografiA. Abgerufen am 1. Oktober 2023.
  2. 1 2 3 4 Hedwig Fleischhacker im Munzinger-Archiv, abgerufen am 19. September 2023 (Artikelanfang frei abrufbar)
  3. ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/45371461
  4. ↑ Karen Hagemann: Chapter 7. Contested Progress: Women and Women’s Studies in the East and West German Historical Profession. In: Jennifer V. Evans, Shelley E. Rose (Hrsg.): Gender in Germany and Beyond: Exploring the Legacy of Jean Quataert. Berghahn Books, New York, Oxford 2023, ISBN 978-1-80073-953-6, S. 162–163.
  5. ↑ Ilse Costas, Bettina Roß: Pionierinnen gegen die immer noch bestehende Geschlechterhierarchie – die ersten Frauen an der Universität Göttingen. In: Feministische Studien. Band 20, Nr. 1, 2002, S. 32.
  6. ↑ Heike Anke Berger: Deutsche Historikerinnen 1920–1970. Geschichte zwischen Wissenschaft und Politik. Campus, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-593-38443-6, S. 277.
Personendaten
NAME Fleischhacker, Hedwig
ALTERNATIVNAMEN Uebersberger, Hedwig (Ehename)
KURZBESCHREIBUNG deutsche Osteuropahistorikerin und Romanautorin
GEBURTSDATUM 19. Juni 1906
GEBURTSORT Wien
STERBEDATUM 28. September 1978
STERBEORT München