Heidi Harsieber

Adelheid „Heide“ Harsieber (geboren 1948 in Gloggnitz) ist eine österreichische Fotokünstlerin.

Leben und Werk

Heidi Harsieber machte 1963–1966 eine Fotografenlehre und 1968/69 die Meisterklasse Fotografie an der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. 1970 war sie die jüngste selbständige, gewerbliche Fotografin in Österreich, seit den 1960er Jahren fotografiert sie künstlerisch. An der Universität für angewandte Kunst Wien leitete sie von 1977 bis 1985 die Fotozentralwerkstätte und von 1991 bis 2001 unterrichtete sie Dokumentarfotografie für Restauratoren. Harsieber wurde von Ernst Hartmann, der Lehrer an der Graphischen war, beeinflusst. Als Hommage an dessen Persönlichkeit gab sie in Zusammenarbeit mit Maren Gröning, die wissenschaftlich sein Leben und wirken aufarbeitete, eine Monografie heraus – dieses enthält außerdem einen Teil über Josef Matthias Hauer und Beiträge von ehemaligen Schülern.

1973 fotografierte sie im Auftrag von Friedensreich Hundertwasser selbstgebaute Schrebergartenhäuschen in Wien. Aus dem geplanten Buchprojekt wurde nichts, die Fotografien dazu wurden 2014 unter dem Titel „Peripheres Wohnen“ in der Galerie Ortner 2 gezeigt.

An Heidi Harsiebers Fotografie bemerken Kritiker besonders, sie sei eine »große Porträtistin, die sich mit dem Körper, mit Sexualität, Schmerz und Tod beschäftigt«, ihr »Auge für das 'Unpassende' in einer vordergründig geordneten Welt«, sie nehme es wahr und halte es mit der Kamera fest, aber man müsse mehrfach hinsehen, bis man das Beunruhigende daran präzise ausmachen könne und ein »Faible für Ränder jeglicher Art« und ein Arbeiten in »thematischen Schleifen«, wie Menschen- und Landschaftsstudien, Künstlerporträts, Material- und Objektstudien, Selbstporträts, Körperstudien und Performances und Orte und Räume.

Astrid Peterle in der Publikation ÖsterreichBilder: »Heidi Harsiebers Fotografie zeichnet eine neugierige, sinnliche und psychologisch motivierte Annäherung an Menschen aus. Die Fotografin tritt denjenigen, die sie abbildet, mit großer Zärtlichkeit entgegen«. Manisha Jothady schreibt über die Fotografien des Buchs Immer schön brav, dass in ihnen »das Nachdenken über Krankheit, Schmerz und Vergänglichkeit im Widerstreit mit dem Wunsch nach Vitalität, Jugend und Schönheit eindringlich zum Ausdruck« komme. Jothady sieht Harsiebers Fotografie im Kontext feministischer Künstlerinnen der 1970er Jahre, einerseits aufgrund ihrer »fragmentarischen Darstellung des Selbst, das sich in einem ständigen Übergangszustand zu befinden scheint« und andererseits da Harsieber durch die Einschreibungsversuche des eigenen Körpers in den Umraum einen Dialog mit sich selbst zu initiieren sucht, der der Selbstwahrnehmung und Selbstpositionierung dient. »Oft sind auf [ihren] Fotos verschwommene Körper zu sehen, oder nur einzelne Körperteile, manchmal mit Requisiten – so unscharf wie die Grenzen zwischen Erotik, Schmerz, Krankheit und Vergänglichkeit in Heidi Harsiebers Werk«, so Anna Soucek in einem Ö1 Radiobeitrag.

Werke von Heidi Harsieber befinden sich in diesen öffentlichen Sammlungen: Albertina, Fotosammlung des Bundes, Wien; Landesmuseum Niederösterreich, St. Pölten; OÖ Landes-Kultur GmbH (Francisco Carolinum), Linz; Wien Museum, Wien; Kunstsammlung der Kulturabteilung der Stadt Wien, MUSA, Wien; Österreichische Galerie Belvedere, Wien. Umfangreiche Dauerleihgaben der Künstlerin befinden sich im FOTOHOF>ARCHIV.

Ausstellungen (Auswahl)

Gruppenausstellungen (Auswahl)

Preise

Publikationen

Als Herausgeberin

Einzelnachweise

  1. 1 2 BMWKMS: Österreichischer Kunstpreis und Hans-Hollein-Kunstpreis 2026 vergeben. In: ots.at. 21. September 2026, abgerufen am 21. September 2026.
  2. ↑ Bio Heidi Harsieber. In: Sammlung Belvedere. Abgerufen am 16. Oktober 2023.
  3. ↑ Heidi Harsieber – Sport. In: ÖsterreichBilder. Abgerufen am 16. Oktober 2023.
  4. 1 2 Michaela Seiser: HAND.KAMERA. In: Francisco Carolinum. 14. Dezember 2022, abgerufen am 24. Oktober 2023.
  5. 1 2 Roman Gerold: Kubelka und Harsieber: Der Tod, das Mädchen und die Kamera. In: derstandard.at. 25. Februar 2018, abgerufen am 16. Oktober 2023.
  6. ↑ Heidi Harsieber: Das ist – Über die Jahre. Fotografie als Abbild und Konstruktion. Hrsg.: Lia Wolf. Schlebrügge.Editor, Wien 2021, ISBN 978-3-903172-76-0.
  7. ↑ Bio Heidi Harsieber. In: noeart.at. Abgerufen am 16. Oktober 2023.
  8. 1 2 Anna Soucek: "Die Fotografie hat mich sehen gelehrt – und manchmal auch ermutigt." Die Künstlerin und Fotografin Heidi Harsieber im Gespräch. In: oe1.orf.at. 16. Januar 2022, abgerufen am 21. Oktober 2023.
  9. ↑ eyes on. Monat der Fotografie Wien 2014. FOTOHOF, Salzburg 2014, ISBN 978-3-902993-03-8, S. 166.
  10. ↑ Matthias Dusini: Leuchtkasten Ausgabe: 1-2/2022. In: Falter. Wien 2022, S. 10.
  11. 1 2 Michaela Lindinger: Heidi Harsieber – und immer warten sie. In: Fotogalerie Wien. 2021, abgerufen am 16. Oktober 2023.
  12. ↑ Anton Holzer: Schwarz&Weiß: Heidi Harsiebers „Dreischnitt“. In: Wiener Zeitung, 26+27.2.2022. Wien 2022, S. 38.
  13. ↑ Astrid Peterle: Heidi Harsieber – Sport. In: ÖsterreichBilder. FOTOHOF>EDITION, Salzburg 2021, ISBN 978-3-902993-50-2, S. 23.
  14. ↑ Manisha Jothady: Heidi Harsieber – Immer schön brav. In: Camera Austria. Band 109. Verein Camera Austria, Graz, ISBN 978-3-900508-81-4, S. 81 f.
  15. ↑ Heidi Harsieber: Einblicke. Künstler und ihre Partner. FOTOHOF>EDITION, Salzburg 2014, ISBN 978-3-902993-02-1, S. 130.
  16. ↑ Kunstmeile Krems: Heidi Harsieber. Abgerufen am 14. Mai 2025.
  17. ↑ Love has changed, not so desire. In: Galerie Charim. 5. März 2020, abgerufen am 24. Oktober 2023.
  18. ↑ Heidi Harsieber: Künstlerpaare. In: Ö1. 8. April 2017, abgerufen am 24. Oktober 2023.
  19. ↑ NÖ Kulturpreise 2023: 23 Preise und jede Menge Frauen. In: noen.at. 23. November 2023, abgerufen am 4. November 2023.
Personendaten
NAME Harsieber, Heidi
ALTERNATIVNAMEN Harsieber, Adelheid
KURZBESCHREIBUNG österreichische Fotokünstlerin
GEBURTSDATUM 1948
GEBURTSORT Gloggnitz