
Heinrich Johann Frauberger (* 18. Juli 1845 in Oberndorf an der Melk; † 15. Juli 1920 in Hinterstein im Allgäu) war ein deutsch-österreichischer Kunsthistoriker, Kunstgewerbe-Funktionär, Kurator und Museumsleiter in Düsseldorf. Mit Julius von Schlosser, David Heinrich Müller, beide Vertreter der Wiener Schule der Kunstgeschichte, und vor allem mit David Kaufmann gilt er als ein Pionier jüdischer Kunst- und Kulturgeschichte.
Heinrich Frauberger wurde am 18. Juli 1845 als Sohn von Joseph Frauberger und dessen Ehefrau in Oberndorf an der Melk geboren und am selben Tag auf den Namen Heinrich Johann getauft.


Frauberger war unter dem Direktorat von Rudolf Eitelberger Eleve des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie in Wien, ehe er unter Wilhelm von Schwarz-Senborn Beamter der Wiener Weltausstellung 1873 wurde. Außerdem wirkte er als Eigentümer und Redakteur einer Illustrierten zur Weltausstellung. Anschließend wurde er Kustos des Mährischen Gewerbe-Museums in Brünn und ab 1882 Gründungsdirektor des Düsseldorfer Central-Gewerbe-Vereins und des am 9. Mai 1883 eröffneten Kunstgewerbemuseums Düsseldorf, welches unter seiner Leitung am 30. Oktober 1896 für seine beachtliche Sammlung ein eigenes Gebäude am Friedrichsplatz eröffnete. Nach dem Konzept des Historismus wurden darin beispielhafte Räume aus verschiedenen Epochen kunsthandwerklichen Schaffens präsentiert. Bedeutung hatte das Museum auch als Fachbibliothek sowie als Vorbilder- und Mustersammlung, insbesondere für historische Textilien.
Als Sammler, Kurator und Museumsleiter unternahm Frauberger etliche Reisen. 1890 startete er zu einer Sammlerreise in den Orient, die ihn über Ägypten führte. Nach der Reise inspirierte er Kulturinteressierte in Düsseldorf durch Vorträge und mitgebrachte Gegenstände.
In Düsseldorf fungierte Frauberger gleichzeitig als Direktor des Central-Gewerbe-Vereins für Rheinland, Westfalen und benachbarte Bezirke. Dieser Verein, dem der Industrielle, Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete Heinrich Lueg bis zu seinem Tod vorstand, war aus der Gewerbe-Ausstellung für Rheinland, Westfalen und benachbarte Bezirke des Jahres 1880 hervorgegangen und hatte die Aufgabe, die kunsthandwerkliche Qualität der gewerblichen Produktion im westdeutschen Raum zu fördern und darüber zu informieren.
In seiner Funktion als Direktor des Central-Gewerbe-Vereins verantwortete Frauberger 1904 zusammen mit dem reformerischen Architekten Peter Behrens als künstlerischem Leiter einen Düsseldorfer Beitrag zur Ausstellung des Kunsthandwerks (Wohnungskunst) auf der Louisiana Purchase Exposition in St. Louis. Als Beitrag des Central-Gewerbe-Vereins für diese Weltausstellung entwarf Behrens einen Lesesaal für die Stadtbibliothek Düsseldorf, der nach der Ausstellung in die Landes- und Stadtbibliothek, welche bis 1906 als Erweiterungsbau am Kunstgewerbemuseum errichtet worden war, eingebaut wurde.
Als nicht-jüdischer Kunsthistoriker nahm Frauberger großen Einfluss auf die frühe Beschäftigung mit jüdischer Kultur im deutschen Museumswesen. Im Jahr 1897 gründete er mit Charles Hallgarten in Frankfurt am Main die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler, die ab 1900 ihre Mittheilungen und ab 1902 ihr Notizblatt herausgab. Auf eigene Kosten sammelte Frauberger Kleinkunst und Handschriften aus aufgelassenen Synagogen und jüdischem Familienerbe. 1903 schrieb er die erste Zusammenfassung zu jüdischem Kultgerät. 1908 kuratierte er eine Ausstellung über jüdische Bauten und Kultusgegenstände im Kunstgewerbemuseum Düsseldorf. Dies war die erste Ausstellung eines öffentlichen Museums Deutschlands zur jüdischen Kunst.
Am 10. Februar 1892 heiratete er in Düsseldorf die Kunsthandwerkerin und Stickerei-Lehrerin Philippina Christine Lauterbach (4. November 1861 in Mainz; † 1937 in Stuttgart), die sich unter dem Namen Tina Frauberger einen Ruf als Scherenschneiderin, Textilkünstlerin, Stickerin und Fachbuchautorin für Spitzenkunde erwarb. Aus der Ehe ging als Tochter die Opernsängerin Irene Frauberger (Wirkungsdaten 1908–1923) hervor.
Für seine geschäftsführende Mitwirkung an der Internationalen Gartenbauausstellung Düsseldorf 1904, die mit einer kunsthistorischen Ausstellung und einer Kunstausstellung verbunden war, wurde Frauberger am 19. Dezember 1904 mit dem Roten Adlerorden 4. Klasse geehrt, ferner mit dem Ehrenkreuz III. Klasse des Lippischen Hausordens. Nachfolger im Direktorat von Central-Gewerbe-Verein und Kunstgewerbemuseum wurde der Architekt Wilhelm Zaiser (1867–1959), der 1898 sein Assistent geworden war.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Frauberger, Heinrich |
| ALTERNATIVNAMEN | Frauberger, Heinrich Johann (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-österreichischer Kunsthistoriker, Kunstgewerbe-Funktionär, Kurator und Museumsleiter |
| GEBURTSDATUM | 18. Juli 1845 |
| GEBURTSORT | Oberndorf an der Melk, Kaisertum Österreich |
| STERBEDATUM | 15. Juli 1920 |
| STERBEORT | Hinterstein, Deutschland |