Heinz Butz (* 2. Dezember 1925 in Dillingen an der Donau; † 8. August 2022 in München) war ein deutscher Maler und Zeichner.
Heinz Butz wurde in Dillingen an der Donau geboren und verlebte Kindheit und Jugend in Augsburg. Nach dem Arbeitsdienst wurde er 1944 zum Kriegsdienst eingezogen und als Gebirgssoldat zunächst nach Frankreich und dann an die Ostfront nach Russland verlegt. 1945 geriet er in russische Gefangenschaft. Bei Reparationsarbeiten in einem ukrainischen Stahlwerk erlitt er eine schwere Beinverletzung und wurde deswegen nach Hause entlassen.
Zurückgekehrt nach Augsburg schloss er sich der Botanischen Gesellschaft an. Ab 1948 nahm er ein Kunststudium an der Kunstschule Augsburg auf. Seine Lehrer waren Georg Meyer, Eugen Nerdinger und Hermann Rothballer. 1950 wechselte er an die Akademie der Bildenden Künste nach München und wurde dort von Franz Nagel und Werner Teutsch unterrichtet. Noch vor seinem Abschluss 1956 wurde er ab 1954 als Lehrer an der Kunstschule Augsburg bzw. der später wieder neu errichteten Werkkunstschule angestellt.
1959 heiratete er die Malerin und Dozentin für Baugeschichte Annsi Müller. 1967 wechselte er nach München und begann seine Lehrtätigkeit an der Akademie der Bildenden Künste, wo er bis zu seiner Emeritierung 1991 unterrichtete.
Seit den 1980er Jahren wurde Heinz Butz durch die Galerie Fred Jahn später Jahn und Jahn, München vertreten. In seinen Schaffensjahren sind zahlreiche deutschlandweite und internationale Ausstellungen unter anderem in Augsburg, München, Berlin, Düsseldorf, Rom, Paris, Zürich und Brüssel zu verzeichnen.
Der Sammler Werner Asam, in dessen Besitz zahlreiche Werke von Heinz Butz sind, erbaute 1999 in Aichach ein eigenes Museum für Butz. In wechselnden Ausstellungen werden dort Werke von Heinz Butz gezeigt. Ebenfalls liegt eine ausführliche filmische Dokumentation über das Werk vor: Eremit am leeren Tisch. In der Bildwerkstatt des Zeichners und Malers Heinz Butz, München 2019.
Das gesamte künstlerische und damit das malerische Werk von Heinz Butz ist durch eine ausgesprochene Vielfalt gekennzeichnet. Aus dem künstlerischen Prozess heraus entsteht eine Vielzahl von Werkgruppen, die jedoch nicht eine strikte Chronologie aufweisen, sondern in Parallele sich durch Vor- und Rückgriffe auszeichnen. Heinz Butz ist Seismograph seiner Zeit ganz im Sinne der zahlreichen Entwicklungen im 20. Jahrhundert. Der Wechsel an Stilen, Richtungen und Konzepten, die vor allem die Nachkriegskunst ab 1945 kennzeichnen, tauchen als Analogien auch in seinem Werk auf. So gehört er zu den ersten in Europa und Amerika, die die traditionelle Rechteckform des Bildes hin zu den Bildobjekten verließen, nach eigenem Bekunden ohne Kenntnis der bekannten Namen wie Frank Stella oder Ellsworth Kelly. Dies geschah fast selbstverständlich als logische Entwicklung in Auseinandersetzung mit Kasimir Malewitschs Suprematismus. Zu den auffälligen Merkmalen gehört es, dass in allen Werken die Eigenheit und unverwechselbar Formensprache des Künstlers präsent ist. Heinz Butz ist kein „Nacharbeiter der Moderne“ Zwar fühlte er sich der Moderne verpflichtet, seine Werke blieben immer eigenständig.
Sein Oeuvre umfasst mehrere Werkgruppen, wobei die Zeichnung neben der Malerei und den Bildobjekten den Hauptteil seines Schaffens ausmachen. Hinzu kommen die Kleinskulpturen. Die Werke bilden eine Kette, die aus einer Reihe sich verzweigender und parallel verlaufender Entwicklungen besteht. Zwangsläufig kommt es zu zeitlichen Überschneidungen. Die Zeichnung ist für ihn essentielles Mittel, das nie verlassen wird und zu dem er wieder und wieder zurückkehrte.
Das Frühwerk von Heinz Butz lässt in die Jahre von ca. 1951 bis Ende der 1950er Jahre einordnen. Schon früh offenbart sich sein malerisches Können, ausgewiesen in dem Katalog Heinz Butz. Bilder 1951 bis 1969 (München 1988).
Auch noch in der Nachkriegszeit war die Lehre überwiegend von einer akademischen Tradition bestimmt. Tägliches Aktzeichnen und Studien nach der Natur bestimmten die Abläufe. Zunehmend wurden nun auch die Ideen des Bauhauses aufgegriffen. Heinz Butz gehörte zu jener Generation, die noch Gelegenheit hatte, den Meistern des Bauhauses persönlich zu begegnen, wie etwa den Bauhauslehrer Hannes Neuner oder den Charismatiker Johannes Itten. Letzterer bot wiederholt Kurse an der Münchner Kunstakademie an. Beide Lehren, die akademische Tradition und die des Bauhauses, vereinte Heinz Butz. Sie begründeten fortan seine Suche nach einer eigenständigen Bildsprache. Im Mittelpunkt steht nicht die illusionistische Wiedergabe eines Gegenstandes, sondern eine auf Farben und Formen ausgerichtete autonome Bildwirklichkeit. Ganz bewusst wählte Heinz Butz Motive, an denen dieses Unterfangen verwirklicht werden kann: Architekturansichten mit überwiegend konstruktiv-geometrisierenden Formelementen oder Stillleben mit einfachsten alltäglichen Gegenständen. Wolfgang Wunderlich bezeichnet die Stillleben des Frühwerks als „kontemplativ stimmende Anschauungsobjekte“.
Auf der Basis der Ansätze im Frühwerk verdichtet sich ab den 1960er Jahren die Suche nach dem konkreten Bild: Prozesse, die in ihrem radikalen Anspruch die wiederholte Bezugnahme auf die Grundlagen des Naturstudiums und eine Hinwendung zu den Phänomenen selbst erfordern. Heinz Butz geht diesen Weg schon deshalb, um der Gefahr eines inhaltslosen Formalismus zu entgehen. Die zahlreichen Studien in den Skizzenbüchern dienen der Vorbereitung und sind aufschlussreicher Beleg dafür. Für Butz stellt sich daher nicht die Frage nach Abstraktion oder Figuration in ihrer Gegensätzlichkeit, sondern die in den Phänomenen verborgene Wirklichkeit, die durch Kunst offen zu legen sind. Der Kunsthistoriker Gottfried Boehm bringt es auf den Punkt, indem er feststellt: „In unseren Köpfen hat sich eine fatale Alternative zwischen gegenständlich-referenzierter und abstrakt-selbstbezogener Kunst festgelegt. (…) Es gibt gute Gründe, diese begriffliche Kluft für obsolet zu halten. Jedenfalls schert sich Heinz Butz nicht darum. Vielmehr spaziert er über diesen angeblichen Abgrund heiteren Sinnes hinweg.“ Die Suche nach einer für ihn gültigen Bildsprache führt ihn zwangsläufig zu einem Prozess der Abkehr weg von einem repräsentativen Abbild, hin zur „Anschauung einer Gesamtordnung, eines Kosmos, der die Schönheit des Ursprungs“ zu evozieren in der Lage ist. „Darstellbar scheint ihm das Absolute nur durch unbenutzte freie Zeichensysteme (…)“. So lässt sich feststellen: Seine Kunst ist der bildliche Beitrag auf die in Theologie und Philosophie wiederholt gestellte Seinsfrage, nach den Bestimmungen einer kosmischen Ordnung und dem Horizont des Spirituellen. Der ruhig kontemplative und konzentrierte Arbeitsstil mag heute manchen Zeitgenossen überraschen, für Heinz Butz jedenfalls ist es der einzig gangbare Weg, die überzeugende Selbstverständlichkeit seiner Zeichensetzung zu erreichen.
Die Bildobjekte, die ab 1964 bis ca. Mitte der 1970er Jahre entstehen, sind ohne die malerische Vorwegnahme kaum denkbar. Im Schaffen von Heinz Butz tauchen diese gleichsam wie emanzipierte Wesen auf, die dem rechteckigen Bildfeld entsprungen sind und nun eine selbständige Bildsprache entwickeln. Die Bildobjekte markieren eine Wende im Werkprozess und markieren den Schritt ins Dreidimensionale. Die Malgründe sind nun Spanplatten, die farbig gefasst werden. Mit unter bestehen die Objekte aus mehreren Teilen, die beweglich mittels Verknotungen mit Schnüren oder auch mit Scharnierbändern verbunden werden. So mutieren die Objekte zu autonomen Architekturen, die in Funktion, Form, Farbe Materialwahl, Proportion, Volumen und Raum eine radikal schlüssige Evidenz zum Ausdruck bringen. Besonders deutlich wird dies in Ausstellungen, die im Raum auf großflächigen Wänden eine korrespondierend gegenseitige Bezugnahme ermöglichen. Die einzelne Form geht dann über sich hinaus und spielt mit Formerfahrungen, die ein breites Spektrum an Assoziationen und Inhalten aufschließen.
Gemessen an der Zahl der Arbeiten, nimmt das zeichnerische Werk im OEuvre von Heinz Butz den größten Raum ein. Es umfasst mehrere tausend Blätter, darunter großformatige Farbstiftzeichnungen, die Gruppe der Landschafts- und Gebirgszeichnungen sowie die große Anzahl an Skizzenbücher, die ab 1955 bis 2017 entstehen. Die Zeichnung begleitet Heinz Butz ein Leben lang. Sie bildet gleichsam den Kern seines Schaffens und ist für ihn die unerlässliche Praxis der bildnerischen Suche ein tragendes Fundament zu geben. Die Natur ist unbestritten die Lehrmeisterin. Hier findet er die notwendige Freiheit, neues Terrain zu entdecken und sich auf unbekannte Wege zu begeben. Seine Prämisse des „genauen Hinsehens“ im Sinne des Naturstudiums findet vor allem in der Zeichnung seine kongeniale Entsprechung. Zeichnend eignet er sich die Welt an. So ist für Heinz Butz die Zeichnung jenes Mittel, das die Sinnsuche zwischen Auge und Hand und das Verstehenwollen im bildnerischen Erkenntnisweg in höchster Direktheit zum Ausdruck bringt. Analytische und synthetische Ansätze finden hier ihren unmittelbaren Niederschlag. Die Gebirgszeichnungen, die in den Jahren 1994 bis 1999 bei Ausflügen in die Lechtaler Alpen entstehen, sind dazu eindrucksvolle Beispiele. Es sind abstrahierende Linienzeichnungen, die meist sich an den Formen der Höhenlinien orientieren. Aus der Fülle der landschaftlichen Details arbeitet er „einige wenige vielsagende Linien heraus (…), Kraftlinien“, wie Gottfried Boehm (2018) es nennt, die den Kern des Geschehens in höchster Präzision erfassen.
Neben den Zeichnungen und der Malerei bilden die Kleinskulpturen eine eigene Werkgruppe. Die Arbeiten entstehen ab den 1960er Jahren bis ca. 1992. Sie bestehen im Wesentlichen aus Fundstücken, Korken, Fläschchen, Drahtstücke, Dosen etc., auch Lötarbeiten aus Draht und geschnittene und gebogene Blechstücke mit figürlichen Assoziationen sind darunter. Es sind überwiegend Fundstücke aus dem Alltag, jeder kennt sie, die in den Kreislauf der Dinge und der Natur eingegangen sind, und nun durch den Künstler wieder hervorgeholt werden. Nichts wirkt zufällig, als hätten die Dinge schon immer so zusammen gehört. Die Arbeiten sind, wenn man so will ein Lehrbeispiel, wie man das Schöne im Herkömmlichen und Alltäglichen entdecken kann. Durch ihre „gewitzte Kombination“ beeindrucken sie durch die Selbstverständlichkeit in ihrer Erscheinung, ohne dass eine zweifellos aufscheinende Ironie und erkennbarer Parallelen zu den großen Plastikern des 20. Jahrhunderts diesen zu nahe tritt. „Grundsätzlich ist es überraschend, welche Monumentalität diesen Dingen innewohnt“. Die Stücke werden zu „Wesen, denen man das Adjektiv ‚beseelt‘ beistellen möchte“.
Von 2004 bis 2005 entsteht eine erste Folge von 62 Zeichnungen im Format 15,0 × 14,6 cm, die in einem Katalog mit einer vom Künstler festgelegten Reihenfolge publiziert werden. Es folgten ab 2012 bis zu seinem Tod 2022 weitere Serien von Farbstiftzeichnungen, nun im Format 20 × 17,8 cm, die Heinz Butz bewusst als ein konzeptionell angelegtes Projekt versteht. Ausschließlich in dieser Formatgröße entstehen Hunderte von Blättern, die er in chronologischer Reihenfolge, entsprechend der Datierung zu Konvoluten bis zu 39 Blättern zusammenfasst. Die tägliche Zeichnung ist Ausgangspunkt und Ziel zugleich, konsequent, ohne erkennbare Korrekturen, geht ein Blatt aus dem anderen hervor. Die abstrakte Formensprache, die Freiheit des Wurfs und der über die Jahre erarbeitete Formenreichtum zeichnet jedes einzelne Blatt aus. In seiner Wertigkeit erfüllt jedes für sich genommen den gewohnt qualitativen Anspruch, doch nun begleitet die Arbeiten eine weitere, von einem konzeptionellen Anliegen getragene Vorgehensweise, nämlich die Serie als Visualisierung des unabdingbaren künstlerischen Schaffens in seiner Obsession und existenziellen Dimension.
Werke von Heinz Butz befinden sich im Besitz öffentlicher Einrichtungen: Pinakothek der Moderne, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München, Städtische Galerie im Lenbachhaus, Staatliche Graphische Sammlung sowie in zahlreichen renommierten Privatsammlungen: Sammlung Herzog Franz von Bayern, Sammlung Walter Bareis, Sammlung Kurt und Regine Schäfer, Sammlung Werner Asam, Sammlung Monika Giedion Risch, Galerie Haas, Berlin, Zürich, KiCo Stiftung, Sammlung Markus Michalke.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Butz, Heinz |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Maler und Zeichner |
| GEBURTSDATUM | 2. Dezember 1925 |
| GEBURTSORT | Dillingen an der Donau |
| STERBEDATUM | 8. August 2022 |
| STERBEORT | München |