Heinz Eschen

Grabstein Heinz Eschen, Friedhof unbekannt.
Grabstein Heinz Eschen, Friedhof in München.

Heinz Eschen (geboren 3. Mai 1909 in Filehne in der preußischen Provinz Posen im heutigen Polen; gestorben 30. Januar 1938 im Konzentrationslager Dachau) war ein deutscher Widerstandskämpfer.

Leben

Heinz Eschen entstammte einer jüdischen Familie. Sein Vater Isidor Eschen betrieb eine Gaststätte, in der Heinz und seine fast drei Jahre ältere Schwester Hilde aufwuchsen. Nach dem frühen Tod seines Vaters kümmerte sich seine Mutter Bianka Eschen darum, dass er trotzdem bis zum Abitur die Schule besuchen konnte. Anschließend studierte er Medizin an der Universität München.

Schon während seines Studiums engagierte sich Eschen als Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und übernahm den Vorsitz des Roten Studentenbundes zum Widerstand gegen den aufstrebenden Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB).

Ab Sommer 1932 wohnte Eschen in München zur Untermiete beim Werkzeugschleifer Heinrich Schmidt in der Deidesheimer Straße 2 und zog nach einigen Monaten in seine eigene Wohnung in den ersten Stock der Saarstraße 12. Unmittelbar nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten beteiligte sich Eschen am 1. Februar 1933 in München an einem Protestmarsch gegen die Nazis. Es hatte sich eine Gruppe von rund 50 Demonstrierenden versammelt, darunter auch Dorothea Ettmayr und Johann Nützel. Die Demonstranten stießen mit der Münchener Polizei zusammen und Eschen erlitt dabei eine schwere Schussverletzung, eine Kugel traf ihn im Nacken und drang an seiner Wirbelsäule vorbei in die Mundhöhle ein, wo sie im Gaumen stecken blieb. Bereits am 12. Februar trat Eschen zusammen mit dem bayrischen KPD-Funktionär Hans Beimler wieder bei einer der letzten kommunistischen Kundgebungen in München im Zirkus Krone als Redner auf. In Uniform des Kampfbundes gegen den Faschismus erklärte er im Namen der revolutionären Studierenden, dass diese sich dem Kampf gegen den Nationalsozialismus anschließen sollten. Am 18. Februar wurde er verhaftet. Nach mehreren Monaten im Gefängnis wurde er am 26. November in das KZ Dachau verschleppt und erhielt dort die Häftlingsnummer 4527. 1937 durften jüdische Häftlinge ihre Baracken für mehrere Wochen nicht verlassen, nachdem es zuvor ausländische Presseberichte über das KZ Dachau gegeben hatte. In dieser Zeit organisierte Eschen Vorträge und Diskussionsrunden, um den Überlebenswillen der Gefangenen zu stärken.

Im Konzentrationslager war Eschen als Jude und Kommunist besonderem Terror der SS ausgesetzt. „Der ständigen Gewalt begegnete er mit Selbstdisziplin und Charakterstärke, was ihm nicht nur bei den Mitgefangenen, sondern auch bei der SS zunehmend Respekt verschaffte“. So wurde er von der Lagerleitung schließlich zum „Blockältesten“ im sogenannten „Judenblock“ ernannt, der Häftlingsbaracke Nummer 6.

Doch auch als „Blockältester“ beteiligte sich Eschen am politischen Widerstand im Lager, besorgte kranken und geschwächten Häftlingen Medikamente und zusätzliche Lebensmittel. Unter seinen Mitgefangenen erwarb er sich einen Ruf als Beschützer der jüdischen Gefangenen. Während seiner Haft ging Eschen nach späteren Zeugenaussagen eine homosexuelle Beziehung mit dem 17-jährigen jüdischen Mithäftling Herbert Hirschfeld ein, der aus Deutschland in die Niederlande geflohen war, von dort ausgewiesen und als jüdischer Emigrant nach Dachau gebracht worden war. Schließlich wurde er der SS vom Mithäftling Waldemar Millner verraten; er starb am 30. Januar 1938 im Alter von 28 Jahren nach neunstündiger Folter durch den SS-Mann Hans Kantschuster durch „Baumhängen“.

Auf der am 8. November 1937 im Kongresssaal des Deutschen Museums eröffneten antisemitische Ausstellung „Der ewige Jude“ wurden drei lebensgroße Nachbildungen aus Wachs von Köpfen jüdischer KZ-Häftlinge ausgestellt; einer dieser Wachsköpfe zeigte Heinz Eschen.

Gedenken

Erinnerungszeichen für Heinz Eschen

2022 ließ die ErinnerungsWerkstatt München das Grab von Heinz Eschen auf dem Neuen Israelitischen Friedhof erneuern.

Im Oktober 2024 wurde im Rahmen des Projekts Erinnerungszeichen für Opfer des NS-Regimes in München in der Deidesheimer Straße 2 in München eine Gedenktafel für Heinz Eschen angebracht.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 Albert Knoll: Häftlinge im Porträt: Heinz Eschen auf der Seite der KZ-Gedenkstätte Dachau [ohne Datum], zuletzt abgerufen am 6. Juli 2023
  2. 1 2 3 4 Heinz Eschen. In: www.erinnerungswerkstatt-muenchen.de. Abgerufen am 9. Mai 2026 (deutsch).
  3. ↑ Barbara Distel: Widerstand der Verfolgten. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Lexikon des deutschen Widerstandes. Frankfurt am Main 1994, S. 117.
  4. 1 2 Albert Knoll: Heinz Eschen. In: nsdoku.lexikon. NS-Dokumentationszentrum München, abgerufen am 9. Mai 2026.
  5. ↑ muenchen.de: Erinnerungszeichen für NS-Gegner Heinz Eschen und Walter Häbich. Abgerufen am 1. November 2025.