Heinz Wiendl

Heinz Wiendl (* 1968 in Rötz) ist ein deutscher Neurologe und Universitätsprofessor am Universitätsklinikum Freiburg. Er ist bekannt für seine Arbeiten auf dem Gebiet entzündlicher Erkrankungen des Nervensystems und besonders zu Multipler Sklerose.

Leben

Wiendl studierte Psychologie (1989–1990) und Humanmedizin (1989–1996) an der Duke University, North Carolina, dem Kantonsspital Basel und der Universität Erlangen-Nürnberg. 1996 erhielt er die Approbation als Arzt. Von 1997 bis 1998 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Forschungsstipendiat am Anatomischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg (Neuroanatomie und Histologie) sowie an der neurologischen Klinik Erlangen. Es folgte ein Aufenthalt als Forschungsstipendiat der DFG am Max-Planck-Institut für Neurobiologie, Martinsried (1998–2000). Von 2000 bis 2004 war Wiendl wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neurologischen Klinik der Universität Tübingen. Dort machte er seine Facharztausbildung, die er 2004 abschloss, und war Leiter der Nachwuchsforschergruppe Neuroimmunologie (Interdisziplinäres Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) Tübingen). Nach seiner Habilitation (2004) folgte er dem Ruf auf eine C3-Professur für Neurologie mit Schwerpunkt Neuroimmunologie am Universitätsklinikum Würzburg. Dort arbeitete Wiendl als Leitender Oberarzt sowie Leiter der Klinischen Forschungsgruppe für Multiple Sklerose. 2010 wurde er zum Direktor der Klinik für Neurologie – Abteilung für entzündliche Erkrankungen des Nervensystems und Neuroonkologie am Universitätsklinikum Münster (UKM) berufen. Von 2013 bis 2024 war er Direktor der Klinik für Neurologie mit Institut für Translationale Neurologie am UKM. Zum 1. Oktober 2024 nahm Wiendl den Ruf an das Universitätsklinikum Freiburg an und ist seitdem Ärztlicher Direktor der dortigen Klinik für Neurologie und Neurophysiologie. Er ist Mitbegründer der Firmen Molecular Signature Diagnostics, Cell Signature Diagnostics, Prof. Valmed – validated medical information GmbH und der Valmed Academy. 2016 wurde er in das Fachkollegium Neurowissenschaften der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) berufen, und 2019 für eine zweite Amtszeit (2020–2023) wiedergewählt. Die Universität Sydney verlieh ihm 2017 eine Ehrenprofessur für Neurologie.

Wissenschaftlicher Beitrag

Im Zentrum der forschenden und klinischen Tätigkeit von Wiendl stehen entzündliche Erkrankungen des Nervensystems. Am Beispiel der Multiplen Sklerose untersucht er insbesondere Aspekte der Immunregulation, der Interaktion des Immunsystems mit dem Nervensystem sowie der Immunzellwanderung und erforscht Biomarker, aus denen sich Informationen zu Prognose sowie Therapie der MS ergeben. Zentrales Thema ist das Verständnis und die Entwicklung von Immuntherapien bei neurologischen Erkrankungen. Dabei verfolgt er einen translationalen Ansatz. Dazu baute er in Münster eine Biobank auf. Wiendl war an der Entwicklung verschiedener Therapien der MS beteiligt, darunter Daclizumab und Ofatumumab. Er baute ferner das Krankheitsbezogene Kompetenznetzwerk Multiple Sklerose (KKNMS) auf. Zudem war er bis 2024 Sprecher des Transregio-Sonderforschungsbereichs 128 „Multiple Sklerose“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Im Jahr 2019 warb Wiendl als einer der Hauptantragssteller erfolgreich Fördergelder der Deutschen Bundesregierung für den Bau des „Body and Brain Institute Münster“ ein und war bis 2024 Sprecher des Projekts.

Mitgliedschaften in internationalen wissenschaftlichen Vereinigungen

Wiendl ist Mitglied in folgenden Vereinigungen: Deutsche Gesellschaft für Immunologie (DGI), Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM), Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), International Society for Neuroimmunology (ISNI), Editorial Board der Public Library of Science (PLoS) ONE, Fachkollegium Neurowissenschaften der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Canadian Institutes of Health Research (CIHR) sowie im Jahr 2023 Fellow der European Academy of Neurology (EAN), und der American Academy of Neurology (AAN).

Drittmittelprojekte

Wiendl erhält Fördermittel von der EU, dem Nordrhein-Westfälischen sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), der Deutschen Forschungsgesellschaft und der Deutschen Myasthenie-Gesellschaft e.V.

Ehrungen und Auszeichnungen

Publikationen

Wiendl publizierte mehr als 700 wissenschaftliche Originalarbeiten und Übersichtsartikel, mehrere Bücher, Buchkapitel und Monographien (Stand Januar 2025). Ausgewählte Publikationen:

Einzelnachweise

  1. ↑ Heinz Wiendl CV. Abgerufen am 15. September 2025.
  2. ↑ Universitätsklinikum Freiburg: Klinik für Neurologie und Neurophysiologie unter neuer Leitung. In: Universitätsklinikum Freiburg. 14. Oktober 2024, abgerufen am 28. Januar 2025.
  3. ↑ Neurological Research Services with Cell Signatures and Machine Learning. Abgerufen am 28. Januar 2025 (englisch).
  4. ↑ Prof. Valmed – validated medical information GmbH. In: https://profvalmed.com/. Prof. Valmed – validated medical information GmbH, 2024, abgerufen am 20. Juni 2024 (englisch).
  5. ↑ Hessisches Ministerium für Digitalisierung und Innovation: Mittels KI-Sprach-App sichere und präzise Diagnose- und Therapieentscheidungen im Gesundheitswesen. In: https://hessen.de/. Hessische Landesregierung, 25. März 2024, abgerufen am 20. Juni 2024.
  6. ↑ Prof. Valmed Academy. In: https://profvalmed.com/. Prof. Valmed – validated medical information GmbH, 2024, abgerufen am 20. Juni 2024 (englisch).
  7. ↑ DFG: DFG Fachkollegium Neurowissenschaft. Deutsche Forschungsgemeinschaft, abgerufen am 13. Februar 2020 (deutsch).
  8. ↑ Ein Titel vom anderen Ende der Welt: Prof. Heinz Wiendl zum Ehrenprofessor der University of Sydney ernannt. Medizinische Fakultät Münster, 18. August 2017, abgerufen am 23. Oktober 2020 (deutsch).
  9. ↑ Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.: Meilenstein auf dem Weg zur personalisierten Therapie: Drei Endophänotypen der frühen Multiplen Sklerose (MS) beschrieben. In: DGN.de. 3. Mai 2024, abgerufen am 16. September 2025.
  10. ↑ NIH: Pubmed-Verzeichnis. In: Pubmed. NIH, 24. November 2020, abgerufen am 20. Juni 2024 (englisch).
  11. ↑ NIH: Literatur zu Ofatumumab von H. Wiendl. In: Pubmed. NIH, 24. November 2020, abgerufen am 24. November 2020 (englisch).
  12. ↑ KKNMS Vorstand
  13. ↑ SFB 128
  14. ↑ Medizinische Fakultät Münster: BBIM - Body And Brain Institute Münster. In: Medizinische Fakultät Münster. Medizinische Fakultät Münster, 2023, abgerufen am 20. Juni 2024.
  15. ↑ Fachkollegium Neurowissenschaften. Abgerufen am 13. Februar 2020.
  16. ↑ Canadian Institutes of Health Research. Abgerufen am 13. Februar 2020 (englisch).
  17. ↑ Fellow of the EAN. In: EAN. EAN, abgerufen am 20. Juni 2024 (englisch).
  18. ↑ AAN Fellowship Directory. American Academy of Neurology, abgerufen am 20. Juni 2024 (englisch).
  19. ↑ Deutsche Myasthenie-Gesellschaft: Deutsche Myasthenie-Gesellschaft. Deutsche Myasthenie-Gesellschaft, 2022, abgerufen am 20. Juni 2024.
  20. ↑ Sobek-Preis für Wiendl. Medizinische Fakultät Münster, 11. Dezember 2015, archiviert vom Original am 27. November 2016; abgerufen am 13. Februar 2020.
  21. ↑ Heinrich-Pette-Preis. In: Ärzteblatt. Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung, 24. September 2009, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 9. November 2022; abgerufen am 8. Dezember 2020 (deutsch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  22. ↑ Preis für MS-Forschung verliehen. In: Pharmazeutische Zeitung. ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V., Berlin, 6. Dezember 2004, abgerufen am 8. Dezember 2020.
Personendaten
NAME Wiendl, Heinz
KURZBESCHREIBUNG deutscher Neurologe
GEBURTSDATUM 1968
GEBURTSORT Rötz