Helge Hommes

Helge Hommes (* 1964 in Schwelm) ist ein deutscher Maler, Installations- und Aktionskünstler. Im Mittelpunkt seines Werks stehen Natur- und Landschaftsdarstellungen, insbesondere Wald- und Baummotive. Neben großformatigen Ölgemälden umfasst sein Schaffen Installationen, künstlerische Manifeste und ortsbezogene Kunstinterventionen. Seit den späten 2010er-Jahren arbeitet er gemeinsam mit der Künstlerin Saxana Nicole Schötschel unter dem Namen Helge & Saxana. Ein Schwerpunkt ihrer gemeinsamen Arbeit liegt auf künstlerischen Interventionen an Schauplätzen von Umwelt- und Klimaprotesten.

Leben

Helge Hommes wurde 1964 in Schwelm geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Mitte der 1980er-Jahre richtete er in einer ehemaligen Fabrik in Wuppertal einen ersten Atelierraum ein. 1987/1988 zog er nach Trier, wo er sich zunehmend der bildenden Kunst widmete.

Hommes entwickelte seine künstlerische Arbeit autodidaktisch. Anfang der 1990er-Jahre arbeitete er als Straßenmaler und schuf parallel großformatige Gemälde. Seit den frühen 1990er-Jahren werden seine Arbeiten in Galerien und Kunstinstitutionen ausgestellt.

Seit 2002 arbeitete er in Aachen. Später unterhielt er zusätzlich ein Atelier in Leipzig. Im Jahr 2013 berichtete er in einem Interview mit dem Kulturprojekt Wunderwesten über seine künstlerische Entwicklung und seine Ateliers in Aachen und auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei.

2003 wurde Hommes nach Angaben einer früheren Künstlerdokumentation mit dem Ramboux-Preis der Stadt Trier ausgezeichnet. Seit den späten 2010er-Jahren arbeitet er gemeinsam mit der Künstlerin Saxana Nicole Schötschel. Das Künstlerduo tritt unter dem Namen Helge & Saxana auf und verbindet Malerei, Zeichnung und Performance mit gesellschaftlichen und ökologischen Fragestellungen.

Werk

Malerei

Ein wiederkehrendes Motiv in der Malerei von Helge Hommes ist der Baum. Seit den 1990er-Jahren beschäftigt er sich mit Waldlandschaften, Baumstämmen und Verästelungen. Seine Arbeiten verbinden gegenständliche Naturdarstellungen mit einer zunehmend eigenständigen Behandlung von Farbe, Oberfläche und Bildstruktur.

In der Werkgruppe Waldesruh entstanden großformatige Ölgemälde, in denen Baumstämme und Äste teilweise geometrisch geordnete Bildgefüge bilden. Charakteristisch sind dunkle Strukturen vor hellen Bildgründen und ein stark pastoser, mitunter reliefartiger Farbauftrag. Die Farbschichten werden teilweise über längere Zeiträume aufgebaut. Dabei entstehen plastische Oberflächen, die den Bildgegenstand über die zweidimensionale Darstellung hinaus körperlich erfahrbar machen.

Mit der Werkgruppe …folge mir…, die um 2010 entstand, setzte Hommes seine Beschäftigung mit Natur, Landschaft und der Stellung des Menschen innerhalb dieser Zusammenhänge fort. Das Gemälde …folge mir… (4) von 2010 (Öl auf Leinwand, 55 × 80 cm) wurde 2013 in der Kunsthalle Osnabrück und 2014 im Haus Beda in Bitburg ausgestellt. Es ist im Katalog Schöne Landschaft – Bedrohte Natur auf Seite 134 abgebildet.

2010 erschien im Salon Verlag in Köln der Ausstellungskatalog Quod sumus – hoc eritis, unter anderem mit dem kunsthistorischen Beitrag Der Baum im Spiegel von Wolfgang Becker. 2013 nahm Hommes an der Ausstellung Schöne Landschaft – Bedrohte Natur. Alte Meister im Dialog mit zeitgenössischer Kunst in der Kunsthalle Dominikanerkirche in Osnabrück teil. Die Ausstellung stellte historische Landschaftsbilder zeitgenössischen künstlerischen Positionen gegenüber. 2014 war er an der Ausstellung Mythos Wald. Historische und zeitgenössische Interpretationen zum Thema Wald und Bäume in der Neuen Galerie des Hauses Beda in Bitburg beteiligt. Dort wurde unter anderem seine Arbeit into the trees aus dem Jahr 2007 gezeigt.

Installationen und künstlerisches Manifest

2013 veröffentlichte Hommes das künstlerische Manifest Helge macht Feuer – Noch viel besser leben / Das grosse Scheitern, das im Zusammenhang mit einer Ausstellung in der Galerie Queen Anne in Leipzig erschien. Die Publikation verbindet Überlegungen zu Kunst und Gesellschaft mit Fragen des Konsums, der individuellen Verantwortung und gesellschaftlicher Veränderungsprozesse. Sie nimmt dabei Bezug auf einen erweiterten Kunstbegriff, wie ihn unter anderem Joseph Beuys vertreten hat.

2014 präsentierte das Stadtmuseum Siegburg die Ausstellung Morgenland, in der Malerei, Installation und das Manifest Helge macht Feuer zusammengeführt wurden. Der Kunstkritiker Jürgen Raap besprach die Ausstellung in der Fachzeitschrift Kunstforum International. Er untersuchte insbesondere die Verwendung von Alltagsmaterialien und die Beziehungen zwischen Naturdarstellung, Konsumgesellschaft und dem Kunstverständnis von Joseph Beuys. Eine Installation aus ausrangierten Holz- und Möbelteilen entwickelte während der Ausstellung die Form eines Baumes.

Kunstinterventionen und Klimaprojekte

Seit 2018 verbindet Hommes seine künstlerische Arbeit verstärkt mit Interventionen an Schauplätzen ökologischer und gesellschaftlicher Konflikte. Dabei kommen Malerei, Zeichnung, Performance und temporäre Ausstellungsformen zum Einsatz. Die künstlerischen Aktionen stehen häufig in Verbindung mit Protesten gegen Waldrodungen, Braunkohleabbau und Infrastrukturvorhaben. Ab 2019 entstanden zahlreiche Projekte gemeinsam mit Saxana Nicole Schötschel.

Hambacher Wald und Rheinisches Braunkohlerevier

Zum Jahreswechsel 2018/2019 führte Hommes im Hambacher Wald zeichnerische Aktionen durch. Die Arbeiten entstanden im Umfeld der Proteste gegen die Rodung des Waldes. 2019 folgte die Kunstintervention Alle Dörfer bleiben in Manheim im Rheinischen Braunkohlerevier. 2020 entstand im Zusammenhang mit der Kunstroute Aachen eine Satellitenausstellung unter dem Titel Alle Dörfer bleiben. Dabei wurden rund 40 Gemälde in 20 Häusern in Keyenberg sowie auf dem Hofgut Winzen präsentiert. Weitere Malinterventionen fanden in den von Umsiedlungen betroffenen Dörfern am Tagebau Garzweiler II statt.

Waldinterventionen 2019 und 2020

2019 beteiligte sich Hommes an mehreren Kunstaktionen im Zusammenhang mit Wald- und Naturschutzkonflikten. Dazu gehörten Alle Gärten und Bäume bleiben im Frankfurter Gebiet „Grüne Lunge“, Der Wald bleibt stehen im Wuppertaler Osterholz sowie Die alte Eiche bleibt in Castrop-Rauxel. Am 21. und 22. September 2019 präsentierten Hommes und Saxana Arbeiten im Reinhardswald. Das Projekt wurde in einer eigenen Dokumentation festgehalten.

Weitere Aktionen fanden 2019 im Raum Hannoversch-Münden statt. Im Jahr 2020 folgte eine Malintervention im Dannenröder Wald gegen den Weiterbau der Bundesautobahn 49.

Lützerath

Ab 2021 entstanden mehrere Kunstaktionen im Zusammenhang mit den Protesten gegen den Braunkohleabbau in Lützerath. 2021 schufen Hommes und Saxana in der Scheune des Landwirts Eckardt Heukamp während eines rund 30-tägigen Arbeitsprozesses das großformatige Gemälde Das große Gelingen. Im selben Jahr fanden mehrtägige Plein-air-Malaktionen im Zusammenhang mit dem Walnussbaum von Lützerath statt. Der Dokumentarfilm Der Walnussbaum von Lützerath von Silke Engler und David Klammer begleitete das Projekt.

Ebenfalls 2021 fand eine gemeinsame künstlerische Stellungnahme mit Bazon Brock am Rand des Tagebaus statt. Im Januar 2023 führte das Künstlerduo eine zehntägige Kunstintervention in Lützerath durch. Dabei entstanden Live-Zeichnungen und die Übermalung von 23 Politikerporträts. Über die künstlerischen Aktivitäten in Lützerath berichtete Kunstforum International am 5. Januar 2023 unter dem Titel Monumentalbild für Lützerath.

Zukunftsspaziergang

Zwischen 2021 und 2023 realisierten Hommes und Saxana den Zukunftsspaziergang, eine mehrteilige Langzeitperformance, die sich mit dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens beschäftigte. Im zeitlichen und räumlichen Umfeld der documenta fifteen in Kassel wurde das Gemälde Das große Gelingen von den Beuys’schen Eichen vor dem Fridericianum über eine Strecke von rund 260 Kilometern nach Lützerath getragen. Die Aktion verband die körperliche Bewegung durch die Landschaft mit der Präsentation eines großformatigen Gemäldes und einer Stellungnahme zur Klimapolitik.

Weitere Kunstinterventionen

2022 fand eine Kunstintervention im Fechenheimer Wald in Frankfurt am Main statt, die sich gegen den Ausbau der Autobahn 66 richtete. 2023 folgte eine Aktion im Zusammenhang mit den Protesten gegen den Bau eines LNG-Terminals auf Rügen. 2025 fertigte das Künstlerduo Live-Zeichnungen im Zusammenhang mit dem Gerichtsverfahren eines peruanischen Landwirts gegen RWE vor dem Oberlandesgericht Hamm an.

Zusammenarbeit mit Saxana N. Schötschel

Helge Hommes und Saxana Nicole Schötschel arbeiten unter dem Namen Helge & Saxana als Künstlerduo. Ihre Projekte verbinden malerische, zeichnerische und performative Arbeitsweisen. Ein zentraler Schwerpunkt der gemeinsamen Arbeit ist die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Natur sowie mit ökologischen Veränderungen.

2019 entstanden im Reinhardswald zahlreiche Baumporträts. Eines dieser Werke wurde später vom Valkhof Museum in Nijmegen erworben. 2021 beteiligten sich Hommes und Saxana an der Ausstellung Rettet den Wald im Valkhof Museum in Nijmegen. Die Ausstellung versammelte historische und zeitgenössische künstlerische Positionen zum Thema Wald und dessen Bedeutung für Mensch und Gesellschaft. Im Jahr 2022 erwarb das Museum das Gemeinschaftswerk Baumportrait Reinhardswald Margarete I von 2019 für seine Sammlung. Das Gemälde war zuvor in der Ausstellung Rettet den Wald präsentiert worden.

2026 nahmen Hommes und Saxana an der Gruppenausstellung Wald Wolf Wildnis in der Kunsthalle Lüneburg teil. Die Ausstellung beschäftigte sich mit dem Verhältnis des Menschen zu Natur, Wildnis und Tierwelt.

Ausstellungen und Projekte (Auswahl)

Die folgende Übersicht enthält Einzel- und Gruppenausstellungen sowie ausgewählte Kunstprojekte.

2001 bis 2016

2019

2020

  • Habitat – Wem gehört der Raum, Galerie KUB, Leipzig, Gruppenausstellung, kuratiert von Hartmut Kiewert.
  • Landschaft heute 1, Galerie Michael Schmalfuss, Berlin, Gruppenausstellung mit 13 Künstlern.
  • We are unstoppable – another world is possible, Galerie Michael Schmalfuss, Berlin, mit begleitendem Projektfilm von Bodo Wartke.
  • Nach draußen I, Kunstverein Nettersheim, KUBA.
  • MitWald, mit Todde Kemmerich, Glashaus Aachen; wegen der COVID-19-Pandemie vorzeitig geschlossen.
  • Wie man in den Wald hineinruft, Atelierhaus Aachen.
  • Nach draußen II, Kunstverein Wetzlar.
  • Alle Dörfer bleiben, Satellitenausstellung zur Kunstroute Aachen, unter anderem in Keyenberg und auf dem Hofgut Winzen.
  • Malintervention am Tagebau Garzweiler II.
  • Kunstintervention im Dannenröder Wald gegen den Weiterbau der A 49.

2021

2022

  • Saxana – the future ghost appears, Performance im Umfeld der documenta fifteen, Kassel.
  • Saxana – the future ghost appears, Performance Art Festival Ostrava, kuratiert von Cai Qing.
  • Präsentation von Das große Gelingen im Zusammenhang mit der art KARLSRUHE beziehungsweise dem ZKM Karlsruhe.
  • Fortsetzung des Zukunftsspaziergangs.
  • Kunstintervention im Fechenheimer Wald, Frankfurt am Main.

2023

  • Stille Riesen – Der Baum im Fokus der Gegenwart, Kunstverein 1,5°, Leipzig.
  • Zehntägige Kunstintervention in Lützerath mit Live-Zeichnungen und der Übermalung von Politikerporträts.
  • Abschluss weiterer Etappen des Zukunftsspaziergangs.
  • Kunstaktion im Zusammenhang mit dem geplanten LNG-Terminal auf Rügen.

2024

  • Feel the space of the forest, Museum Silkeborg Bad, Dänemark.
  • Stille Riesen, Galerie Netuschil, Darmstadt.
  • Romantille, Galerie Cyprian Brenner, Schwäbisch Hall.
  • Landschaft 1, Galerie Michael Schmalfuss, Berlin.
  • Landschaft 2, Galerie Michael Schmalfuss, Marburg.
  • The Need of Green, AIXART, Aachen.

2025

  • O(H) – Wald, Städtische Galerie Offenburg.
  • Ausstellung beziehungsweise Projekt in der Kunststation Kleinsassen.
  • Art Market Budapest, vertreten durch die Galerie Koppelmann, Köln.
  • Live-Zeichnungen im Zusammenhang mit dem Gerichtsverfahren eines peruanischen Landwirts gegen RWE vor dem Oberlandesgericht Hamm.

2026

  • Wald Wolf Wildnis, Kunsthalle Lüneburg, mit Saxana Nicole Schötschel; Gruppenausstellung vom 10. Mai bis 14. Juni 2026.

Werke in öffentlichen Sammlungen

Auszeichnungen

Publikationen und Ausstellungskataloge

Kunstkritische Rezeption

Die Malerei von Helge Hommes wurde in Ausstellungskatalogen und Kunstfachzeitschriften besprochen. Der Kunsthistoriker Wolfgang Becker verfasste für den 2010 veröffentlichten Katalog Quod sumus – hoc eritis den Beitrag Der Baum im Spiegel. Im April 2010 wurde Hommesʼ Waldmalerei in der Zeitschrift Monopol in der Rubrik Watchlist behandelt.

2014 veröffentlichte Jürgen Raap in Kunstforum International eine ausführliche Besprechung der Ausstellung Morgenland im Stadtmuseum Siegburg. Raap setzte sich unter anderem mit den Bezügen zu Joseph Beuys und dem Einsatz von Alltagsmaterialien als Bestandteil der künstlerischen Installation auseinander.

Im Januar 2023 berichtete Kunstforum International unter dem Titel Monumentalbild für Lützerath über die gemeinsamen künstlerischen Interventionen von Hommes und Saxana.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Helge Hommes. Kunstportal der Sparkasse Wuppertal, Künstlerbiografie und Ausstellungsverzeichnis.
  2. 1 2 3 Jürgen Raap: Helge Hommes: Morgenland. KUNSTFORUM International, 2014. Ausstellung im Stadtmuseum Siegburg vom 29. Juni bis 24. August 2014.
  3. 1 2 3 4 5 Monumentalbild für Lützerath. KUNSTFORUM International, 5. Januar 2023.
  4. ↑ Petra Mattheis: Ich arbeite Tag und Nacht und sogar im Schlaf. Interview mit Helge Hommes. Wunderwesten, 1. November 2013.
  5. ↑ Benefizauktion HALLE 14, Katalog 2013. Künstlerporträt und Werkbeschreibung.
  6. ↑ Helge Hommes. VAN HAM Kunstauktionen, Werkbeschreibung und Provenienzangaben zu …folge mir… (4), 2010.
  7. 1 2 Helge Hommes: Quod sumus – hoc eritis. Salon Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-89770-379-7.
  8. 1 2 Thomas Rusche, Stadt Osnabrück (Hrsg.): Schöne Landschaft – Bedrohte Natur. Alte Meister im Dialog mit zeitgenössischer Kunst. Kerber Verlag, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-86678-702-5, S. 134. Bibliografischer Nachweis.
  9. 1 2 Ausstellungsarchiv Haus Beda und Ausstellungskataloge. Mythos Wald, Bitburg 2014.
  10. ↑ Helge Hommes: Manifest – Helge macht Feuer. Noch viel besser leben / Das grosse Scheitern + Bonusmaterial. Galerie Queen Anne, Leipzig 2013, ISBN 978-3-944226-00-2. Onlinefassung (PDF).
  11. 1 2 Ausstellungsarchiv 2010–2019. Stadtmuseum Siegburg, Ausstellung Morgenland, 2014.
  12. 1 2 Helge Hommes und Saxana Nicole Schötschel: Malerei Reinhardswald 2019. Projektdokumentation (PDF; 3,2 MB).
  13. 1 2 3 Valkhof Museum sluit jaar af met verstevigde hedendaagse kunstcollectie. Valkhof Museum, 22. Dezember 2022. Mitteilung über den Ankauf des Gemäldes Baumportrait Reinhardswald Margarete I.
  14. 1 2 Rettet den Wald. Valkhof Museum, Nijmegen, Ausstellung 2021.
  15. 1 2 Wald Wolf Wildnis. Kunsthalle Lüneburg, 10. Mai bis 14. Juni 2026.