
Helmut Bley (* 26. Februar 1935 in Hamburg) ist ein deutscher Historiker. Er ist emeritierter Professor für Neuere und Afrikanische Geschichte am Historischen Seminar der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover.
Helmut Bley verbrachte seine Kindheit in Hamburg und wegen der Bombenangriffe ab 1940 im Erzgebirge. Das Kriegsende erlebte er bei den Großeltern in Boizenburg/Elbe. Weil die Familie 1943 ausgebombt worden war, kam er mit seiner Mutter und Cousine bei deren Mutter in Hamburg unter. Der Vater war bis Weihnachten 1948 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Während der Gymnasialzeit war er in einem Chor der Jugendbewegung als Jugendgruppenleiter aktiv mit Chorsingen, Volkstanz und Wandern sowie Aufenthalten im Landheim. Diese Zeit hat ihm nach eigenen Angaben sehr geprägt.
Bley studierte von 1954 bis 1957 Erziehungswissenschaft und Geschichte an der Universität Hamburg und schloss mit der Ersten Lehrerprüfung für die Volksschule ab. Nach weiteren Studien in Geschichte, Erziehungswissenschaft und Öffentlichem Recht promovierte er 1965. Er war 1961 bis 1965 wissenschaftlicher Assistent am Historischen Seminar der Universität Hamburg und von 1968 bis 1975 dort Akademischer Rat/Oberrat, der u. a. die Studierenden aus der Dritten Welt in der Philosophischen Fakultät betreute. In der Hamburger APO gehörte er zu einem Kreis linker junger Historiker (u. a. Imanuel Geiss, Volker Ullrich), in dem sein Interesse an afrikanischer Geschichte geweckt wurde. Von 1970 bis 1972 war er Gastdozent an der Universität Dar Es Salaam, Tansania. Er wurde 1976 an die Universität Hannover auf eine C4-Professur für Neuere und Afrikanische Geschichte berufen, die er bis 2003 wahrnahm.
1967 wurde Bley als Afrika-Experte vom Hamburger Landgericht hinzugezogen, als der Denkmalsturz von Hermann von Wissmann durch linke Studenten verhandelt wurde, u. a. gegen den späteren Autoren Peter Schütt. Bley war 1968 einer der ersten, die im Anschluss an den Rostocker Historiker Horst Drechsler vom Völkermord an den Herero und Nama gesprochen haben. Er kämpfte bis in die jüngste Zeit um die politische Anerkennung als Völkermord.
Im April 2021 wehrte er sich auf einer SPD-Veranstaltung gegen den Versuch, wegen einer fragwürdigen Identitätspolitik Aussagen oder Wissenschaftler für eine Diskussion nicht mehr zuzulassen.
Er war neben Mitgliedschaften in den Hochschulsenaten der Universität Hamburg und der Universität Hannover wiederholt Vorsitzender der Fakultät. Außerdem hatte er den Vorsitz der Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland (VAD) seit 1975 inne. Von 1975 bis 2003 war er Vorsitzender des Kuratoriums des Institut für Afrika-Kunde in Hamburg. 1991 bis 1994 wurde er vom Wissenschaftsrat für die Kommission zur Reform der Asien- und Afrikawissenschaften bei der Humboldt-Universität zu Berlin berufen. Von 1994 bis 2006 war er Mitglied des Deutschen Komitees der UNICEF und acht Jahre Mitglied für die deutschen Hochschulen im Kuratorium der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung (DSE). 1997 wurde er Mitglied des Beirats bei der Gründung des Zentrums Moderner Orient.
DFG
VolkswagenStiftung
Afrikanische Geschichte
Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Geschichte des Weltsystems
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bley, Helmut |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Historiker für Neuere und Afrikanische Geschichte |
| GEBURTSDATUM | 26. Februar 1935 |
| GEBURTSORT | Hamburg |