Helmut Newton wurde 1920 als Sohn einer wohlhabenden jüdischen Knopffabrikantenfamilie in Berlin unter dem Namen Helmut Neustädter geboren. Bis 1934 lebte er mit seiner Familie in Berlin-Schöneberg, in der Innsbrucker Straße 24, bevor die Familie in die Friedrichsruher Straße nach Berlin-Schmargendorf umzog. Bis 1936 besuchte er das Gymnasium, welches er aber abbrach, nachdem er schon zu dieser Zeit mehr dem Schwimmen, den Mädchen und dem Fotografieren zugetan war. Er begann im selben Jahr eine Lehre als Fotograf bei der damals bekannten Berliner Fotografin Yva (Else Neuländer-Simon), die nach dem Berufsverbot 1938 ihr Atelier schließen musste und später im Vernichtungslager Sobibor ermordet wurde. Zu der Zeit, kurz nach seinem 18.Geburtstag, am 5.Dezember 1938, flüchtete Newton vor den Nazis aus Deutschland über Triest in Richtung Singapur. Dort arbeitete er zwei Wochen lang als Bildreporter bei der Zeitung The Straits Times, bevor er wegen „Unfähigkeit“ entlassen wurde.
Die Kriegsjahre ab 1940 verbrachte er in Australien, wo er zunächst als LKW-Fahrer bei der Armee und beim Eisenbahnbau arbeitete. 1945 eröffnete er ein Fotostudio in Melbourne. Ein Jahr später nahm er die australische Staatsangehörigkeit an. 1948 heiratete er die SchauspielerinJune Browne (1923–2021; Schauspielerpseudonym June Brunell, da es schon eine Schauspielerin mit dem Namen June Browne gab), mit der er bis zu seinem Tod zusammenlebte. Das Paar war kinderlos. June Newton war seit den 1970er Jahren selbst als Fotografin unter dem PseudonymAlice Springs tätig.
Ab 1956 arbeitete Helmut Newton für die australische Ausgabe der Vogue, die sein Hauptarbeitgeber wurde. Nach und nach verpflichteten ihn auch die französische, italienische, amerikanische und die deutsche Ausgabe sowie auch weitere Modezeitschriften. Seit den 1970er Jahren war Newton einer der begehrtesten und teuersten Mode-, Werbe-, Porträt- und Aktfotografen der Welt. Unter den porträtierten Prominenten waren Helmut Kohl, Margaret Thatcher, Charlotte Rampling, Catherine Deneuve, Liz Taylor, Romy Schneider und Hanna Schygulla.
1976, als Newton bereits 56Jahre alt war, erschien sein erster Bildband White Women, der kurz nach der Veröffentlichung mit dem Kodak-Fotobuchpreis ausgezeichnet wurde. Im April 2000 erregte Newtons sogenannter SUMO-Bildband Aufsehen, als das Exemplar Nummer eins – handsigniert von über 100 der in dem Buch abgebildeten berühmten Persönlichkeiten – auf einer Charity-Auktion 620.000DM erzielte und damit den Rekord für das teuerste Buch des 20.Jahrhunderts brach.
Grab von Helmut Newton (2006)
Seit 1981 lebte Helmut Newton mit seiner Frau June Newton in Monaco; die Wintermonate verbrachte das Paar in Los Angeles. Newton starb im Alter von 83Jahren in der Nacht vom 23. auf den 24.Januar 2004 nach einem Herzinfarkt, den er am Steuer seines Cadillac erlitt, in Los Angeles im Cedars-Sinai Medical Center.
Sein Wunsch war es, in seiner Geburtsstadt Berlin beigesetzt zu werden. Am 2.Juni 2004 wurde seine Urne in einem Ehrengrab auf dem Friedhof Schöneberg III (Nr. 34/367) in Berlin-Friedenau beigesetzt. Unter den Trauergästen waren unter anderem BundeskanzlerGerhard Schröder, Berlins Regierender BürgermeisterKlaus Wowereit und der britische Schauspieler Roger Moore.
Kontroversen
Im November 1993 warf ihm Alice Schwarzer in der feministischen Zeitschrift Emma vor, seine Fotos seien nicht nur sexistisch und rassistisch, sondern auch faschistisch. Als Beleg führte sie 19 seiner Bilder an. Emma druckte die entsprechenden Bilder ohne Genehmigung in einer Ausgabe ab, was zu einer erfolgreichen Klage des deutschen Verlags Schirmer/Mosel mit Billigung Helmut Newtons wegen vorsätzlicher Urheberrechtsverletzung gegen den Emma-Verlag führte. Das Landgericht München I verurteilte die Emma Frauenverlags GmbH zur Zahlung von Schadenersatz. Zwar seien Bildzitate in politischen Auseinandersetzungen erlaubt, doch Emma habe das dafür nötige Maß mit 19Bildern überschritten.
1989: „Fotografenpreis für herrausragende Arbeiten und Beiträge zur Fotografie in den sechziger und siebziger Jahren“, der Fotografischen Gesellschaft Japan
1989: Grand Prix de la Ville de Paris, durch Jacques Chirac
1990: Grand Prix national de la Photographie durch Jack Lang
1991: World Image Award für das Beste Portrait-Photo, New York
Am 3. Juni 2004 eröffnete June Newton mit der Ausstellung der als Schenkung an die Staatlichen Museen Berlin übertragenen Bildsammlung ihres Mannes das Museum für Fotografie, in dem auch die Helmut-Newton-Stiftung ihren Sitz hat.
Am 8. April 2005 wurde am Haus Innsbrucker Straße24, der Stelle seines Geburtshauses, eine Gedenktafel für Newton enthüllt.
In Berlin gibt es am Gendarmenmarkt eine Helmut Newton Bar. Dort findet man ein Werk von ihm in Wandgröße.
Helmut Newton Stiftung im ehemaligen Landwehrkasino, Berlin (2004)
Helmut Newton Stiftung
Helmut Newton selbst hat zu Lebzeiten im November 2003 die Helmut Newton Stiftung gegründet. Nach der Gründung hat Newton zahlreiche Fotografien auf seine Stiftung übertragen. Mit dem Sitz in Zürich ist sie eine Stiftung gemäß dem schweizerischen Recht. Die Stiftung arbeitet international und verfolgt den Zweck, die fotografischen Werke von Helmut und June Newton (später bekannt als Alice Springs) zu präsentieren, zu wahren und zu schützen.
Eine der wichtigsten Maßnahmen der Stiftung war der Abschluss eines Vertrages mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Dieser Vertrag sichert der Helmut Newton Stiftung dauerhaft zu, über zwei Etagen des ehemaligen Landwehrkasinos in Berlin-Charlottenburg zu verfügen, um dort Ausstellungen zu organisieren und durchzuführen. Seit der Eröffnung im Juni 2004 gibt es dort ständig wechselnde Ausstellungen von und über den Fotografen Helmut Newton, ergänzt durch andere Künstler und Fotografen. Die Helmut Newton Stiftung kooperiert und teilt sich das Gebäude mit dem Museum für Fotografie. Nach den Wünschen des Gründers und Namensgebers sollen die Ausstellungen, die bewusst in seiner Geburtsstadt Berlin beheimatet sein sollen, kein „totes Museum“ darstellen, sondern vielmehr als „lebendige Institution“ wirken. Newton brachte insbesondere seine Freude darüber zum Ausdruck, dass die Stiftung im ehemaligen Landwehrkasino in der Jebensstraße– direkt am Bahnhof Zoo gelegen– Platz fand, weil dieses Gebäude eines der letzten gewesen sei, die er bei seiner Flucht aus Berlin 1938 vom Zug aus gesehen habe.
Buchveröffentlichungen
White Women. Gestaltung von Bea Feitler, Vorwort von Philippe Garner. Rogner & Bernhard, München 1976, ISBN 3-8077-0063-3.
Portretten / Portraits. Katalog der Stichting Amsterdam Foto. Einleitung von Herman Hoeneveld. Szaatsuitgeverij S'Gravenhagen 1986, ISBN 90-12-05217-3 (niederländisch/englisch).
Photo Poche: Helmut Newton. Text von Karl Lagerfeld. Centre national de la photographie, Paris 1986.
Helmut Newton’s Illustrated. Vollständige Ausgabe, Schirmer/Mosel Verlag, München 2000, ISBN 3-88814-613-5; einzeln zwischen 1987 und 1995 von Schirmer publiziert:
Heft 1: Sex and Power. Hrsg. von Xavier Moreau. New York 1987;
Heft 2: Pictures from an Exhibition. Schirmer/Mosel, München 1993, ISBN 3-88814-248-2;
Archives de nuit. Vorwort von José Alvarez. Schirmer/Mosel, 1993. ISBN 978-3-88814-686-2.
Aus dem photographischen Werk. Katalog zur Wanderausstellung 1993/94: Deichtorhallen, Hamburg, Josef Albers Museum, Bottrop, Fotomuseum Winterthur und Castello di Rivoli, Turin. Hrsg. von Zdenek Felix, Beiträge von Noemi Smolik und Urs Stahel, Gestaltung June Newton. Schirmer/Mosel, München 1993, ISBN 3-88814-709-3 (erschien mit gleicher ISBN, aber alternativem Cover auch unter dem Titel The Best of Helmut Newton).
Pages from the Glossies. Facsimiles 1956–1998. Taschen, Köln 1998, ISBN 3-8365-2449-X (englisch/deutsch/französisch).
Dreisprachige Neuausgabe: Taschen, Köln 2023, ISBN 978-3-8365-9691-6 (englisch/deutsch/französisch).
Helmut Newton. SUMO. Hrsg. von June Newton. Taschen, Köln 1999, ISBN 978-3-8228-6394-7 (erstes der imposanten Buchreihe, jeweils mit Buchständer von Philippe Starck).
SUMO. 20th Anniversary Edition. Taschen, Köln 2019, ISBN 978-3-8365-7819-6 (gekürzte und verkleinerte „XL“-Ausgabe, 26,7×37,4cm, englisch/deutsch/französisch).
Baby Sumo, ISBN 978-3-8365-8221-6 (zum 100. Geburtstag Newtons. 36×50cm, mit Buchständer).
Work. Kuratiert von June Newton, gestaltet von Manfred Heiting, Essay von Françoise Marquet. Erscheint zur Ausstellung in der Nationalgalerie, Berlin. Taschen, Köln 2000, ISBN 3-8228-1326-5 (Gleichzeitig eine englisch/französische Ausgabe).
Autobiographie. Aus dem Englischen von Rudolf Hermstein. C. Bertelsmann, München 2002, ISBN 3-570-00672-7 (Taschenbuchausgabe 2005 bei Goldmann).
Postume Veröffentlichungen
Portraits. Bilder aus Europa und Amerika. Schirmer/Mosel, München 2004, ISBN 3-8296-0146-8.
Sex & Landscapes. Ausstellungskatalog der Helmut-Newton-Stiftung in Berlin. Text von Philippe Garner. Taschen, Köln 2004, ISBN 978-3-8228-3506-7.
A Gun for Hire. Hrsg. von June Newton. Taschen, Köln 2005, ISBN 978-3-8228-4643-8 (englisch/deutsch/französisch).
Playboy: Helmut Newton. Vorwort von Hugh Hefner, Text von Marion Kagerer. Schirmer/Mosel, München 2005, ISBN 3-8296-0185-9 (englische Ausgabe bei Chronicle Books).
Gesäuberte deutsche Fassung: Schirmer/Mosel, München 2005, ISBN 3-8296-0218-9.
Guy Featherstone: Helmut Newton's Australian Years. In: La Trobe Journal, The State Library of Victoria Foundation, Nr. 76, Frühjahr 2005.
Klaus Neumann: In the Interest of National Security: Civilian Internment in Australia During World War II. National Archives of Australia, -Canberra 2006.
Fernsehdokumentationen
Michael White: Helmut Newton. Thames Television, London 1978 (55 Min.)
Adrian Maben: Frames from the Edge. R. M. Productions 1988 (90 Min.)
June Newton: Helmut by June. Canal Plus, Paris 1995 (58 Min.)
Michael Kaplan:The Graphis Interview : Helmut Newton. In: Graphis: the international journal of design and communication. Nr.341. Graphis Press, Zürich 2002, S.118–127.
Claus Stephani: Ein Großmeister der Fotografie. Zur Werkschau Helmut Newton in Salzburg. In: David. Jüdische Kulturzeitschrift (Wien), 24. Jg., Nr. 94, Sept. 2012, S. 58–59. ()
Gero von Boehm: Helmut Newton. 25. September 2002. Interview in: Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten. Collection Rolf Heyne, München 2012, ISBN 978-3-89910-443-1, S. 337–342.
Jérôme Neutres (Hrsg.):Helmut Newton, 1920 - 2004 . Réunion des Musées Nationaux, Grand Palais, Paris 2012, ISBN 978-2-7118-5997-9.
Paul Ardenne:Helmut Newton, le masculin photographique. Louison éditions, Paris 2022, ISBN 979-1-09545450-2.
Filme
Helmut Newton – The Bad And The Beautiful Dokumentarfilm, Deutschland, 2020, 93 Min., Regie: Gero von Boehm
Helmut Newton – Mein Leben. Filmporträt, Deutschland, 2002, 42 Min., Regie: Gero von Boehm, Produktion: Macroscope, arte, Erstsendung: 13. Oktober 2002 auf arte, Inhaltsangabe, engl. O-Ton mit dt. UT.
Helmut Newton. Frames from the Edge. Dokumentarfilm, Großbritannien, 1989, 100 Min., Regie: Adrian Maben, Vertrieb: Arthaus Musik, ISBN 978-3-939873-29-7.
↑Amerikanische Ausgabe bei Congreve, New York, englische Ausgabe bei Quartet Books, London, französische Ausgabe bei Filipachi, Paris; japanische Ausgabe 1983.
↑Amerikan. Ausg. bei Congreve, New York, engl. Ausg. bei Quartet Books, London, franz. Ausg. bei Filipachi, Paris.
↑Amerikan. Ausg. bei Congreve, New York, engl. Ausg. bei Quartet Books, London, franz. Ausg. bei Filipachi, Paris.
↑Big Nudes mit dem Text von K. Lagerfeld hat bis 1990 6 Auflagen. Die amerikanische Ausgabe erscheint erstmals 1984 bei Xavier Moreau, New York.
↑Amerikan. Ausg. bei Pantheon, New York, engl. Ausg. bei Quartet Books, London, franz. Ausg. bei Nathan, Paris.
↑Helmut Newton: Portraits, Einleitungstext des Kurators Terence Pepper und Handliste der ausgestellten Werke auf der Seite der NPG; Katalogansichten auf Madeinwonder.com.
↑Englische Ausgabe in der Reihe Pantheon Photo Library (1987).
↑Ursprünglich ein Mappenwerk mit 45 Fotografien in einer Auflage von 75 Exemplaren, New York 1984.
↑Die französische Originalausgabe erschien anläßlich der gleichnamigen Ausstellung bei der Crédit Foncier de France in Paris.
↑Hans-Michael Koetzle: Fotografen A–Z (S. 430), Taschen Verlag (Bibliotheca Universalis), Köln 2017. ISBN 978-3-8365-5433-6