Helmut Wendelborn

Kandidatenplakat zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein 1979

Helmut Wendelborn (* 19. Dezember 1926 in Travemünde; † 24. Oktober 2003 in Lübeck) war ein deutscher Unternehmer und Politiker (CDU).

Leben

Wendelborn beantragte am 3. Februar 1944 die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 20. April desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 9706923). Er war als Unternehmer im Bereich des öffentlichen Personenverkehrs tätig. Sein 1945 gegründetes Unternehmen, die Lübeck-Travemünder Verkehrsgesellschaft (LVG), wurde 1994 noch zu seinen Lebzeiten vom heutigen Stadtverkehr Lübeck im Wege des Unternehmenskaufs übernommen.

Als Politiker war Wendelborn zunächst ab 1955 bürgerliches Ausschussmitglied der Lübecker Bürgerschaft tätig, der er von 1982 bis 1990 auch als Mandatsträger angehörte. In dieser Zeit war er auch ehrenamtlicher Senator der Hansestadt.

Wendelborn war von 1957 bis 1969, zuerst über den Wahlkreis Lübeck, Mitglied des Bundestages. In der sechsten Wahlperiode zog er 1971 bis 1972 als Nachrücker für Gerhard Stoltenberg über die Landesliste Schleswig-Holstein in den Bundestag ein.

Nach einem Bericht des Spiegel vom 9. September 1958 geriet Wendelborn 1958 innerhalb der Lübecker CDU in die Kritik. Der CDU-Kreisvorstand unter Bürgermeister Walther Böttcher warf ihm vor, seine Stellung als Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Verkehrsausschusses zur Förderung eigener geschäftlicher Interessen (Lübeck-Travemünder-Verkehrs-Gesellschaft), genutzt zu haben. Hintergrund waren Tariffragen im Verkehr zwischen Lübeck und den Ostseebädern sowie der Wettbewerb zwischen der Deutschen Bundesbahn und dem Busverkehr auf der Strecke Lübeck–Travemünde. Zusätzliche Kritik entstand, weil Wendelborn nach Darstellung des Spiegel von der Lübecker CDU beauftragt worden war, sich gegen die Schließung des Bundesbahn-Ausbesserungswerks Lübeck einzusetzen, in einem Schreiben an die Bundesbahn jedoch Verständnis für die Schließungspläne erkennen ließ und zugleich Fragen der Bahn- und Bädertarife ansprach, die sein Unternehmen betrafen. Der CDU-Kreisvorstand verlangte daraufhin seine Abberufung aus dem Verkehrsausschuss und erwog ein Parteiausschlussverfahren. Wendelborn wies die Forderungen zurück und wandte sich an den CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Heinrich Krone, der nach Darstellung des Spiegel kein Fraktionsinteresse an einer Entfernung Wendelborns aus dem Ausschuss sah, weil er keine Stimme im Bundestag verlieren wollte. Gegen Bürgermeister Böttcher kündigte Wendelborn seinerseits rechtliche bzw. parteiinterne Schritte an

1964/65 taucht Wendelborn weiterhin prominent in Bundestagsdrucksachen zur Änderung des Personenbeförderungsgesetzes auf – also gerade in dem Bereich, in dem der Interessenkonflikt als Omnibusunternehmer schon 1958 kritisiert worden war. Eine Drucksache nennt ausdrücklich einen von Wendelborn und der CDU/CSU-Fraktion eingebrachten Gesetzentwurf zur Änderung des Personenbeförderungsgesetzes; der Verkehrsausschuss beriet diesen Entwurf 1965.

In einer Bundestagsdrucksache vom 13. Mai 1965 wird Wendelborn als Berichterstatter des Ausschusses für Verkehr, Post- und Fernmeldewesen geführt. Auch am 9. Dezember 1965 sprach er im Bundestag als Berichterstatter zu Verkehrsfragen. 1972 erscheint er zudem noch als Mitunterzeichner einer Kleinen Anfrage zur Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs.

1972 erhielt er den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland am Bande und 1991 die Ehrenplakette des Senats der Hansestadt Lübeck.

Der Schwerpunkt seiner vornehmlich wirtschaftspolitischen Arbeit lag in den Bereichen der Verkehrspolitik und Fragen des Seebades Travemünde. In die Zeit seiner bundespolitischen Aktivität fällt der erste Ausbau des Travemünder Skandinavienkais unter dem Lübecker Bürgermeister Max Wartemann zum heute größten deutschen Fährhafen an der Ostsee.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/47880188
  2. ↑ Helmut Gewalt: Angehörige des Bundestags / I. - X. Legislaturperiode ehemaliger NSDAP- & / oder Gliederungsmitgliedschaften (Memento vom 3. Januar 2016 im Internet Archive) (PDF-Datei, abgerufen am 19. November 2011; 61 kB).
  3. ↑ Der Alte soll entscheiden. In: Der Spiegel. 9. September 1958, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 25. Juni 2026]).
  4. ↑ https://dserver.bundestag.de/btd/04/034/0403472.pdf
  5. ↑ https://dserver.bundestag.de/btd/04/035/0403589.pdf
Personendaten
NAME Wendelborn, Helmut
KURZBESCHREIBUNG deutscher Unternehmer und Politiker (CDU), MdB
GEBURTSDATUM 19. Dezember 1926
GEBURTSORT Travemünde
STERBEDATUM 24. Oktober 2003
STERBEORT Lübeck