
Henner Hess (* 12. Januar 1940 in Olmütz; † 25. Februar 2026) war ein deutscher Kriminologe und Soziologe.
Er studierte Soziologie in Heidelberg, Lexington und Paris. Nach Promotion (1967) und Habilitation (1976) hatte er zunächst (seit 1979) den Lehrstuhl für Kriminologie der Rijksuniversiteit Utrecht inne. 1982 folgte er dann einem Ruf als Professor für Sozialpädagogik an die Universität Frankfurt am Main. Seit 2001 – und über seine Emeritierung (2005) hinaus – war er dort auch Direktor des Centre for Drug Research. Neben der Drogenproblematik waren weitere Schwerpunkte seiner Arbeit die kriminologische Theorie, Geschichte und Zukunft der sozialen Kontrolle und Terrorismus. Für sein Buch Mafia (Tübingen 1970, seither 12 Auflagen in 4 Sprachen) erhielt er die Literaturpreise Premio Nazionale Iglesias 1973 und Premio Nazionale Empedocle 1982. Er verstarb am 25. Februar 2026.
Hess war Mitbegründer und Direktor des „Centre for Drug Research“ (CDR) und zudem Mitglied im Schildower Kreis, einem Experten-Netzwerk, das gegen die Drogenprohibition argumentiert.
Henner Hess bemühte sich in seinen Schriften zum einen um eine analytische, von politischen Interessen unabhängige, Definition des Begriffs Terrorismus. Für Hess ist „Terrorismus (1) eine Reihe von vorsätzlichen Akten direkter physischer Gewalt, die (2) punktuell und unvorhersehbar, aber systematisch (3) mit dem Ziel psychischer Wirkung auf andere als das physisch getroffene Opfer (4) im Rahmen einer politischen Strategie ausgeführt werden“. Hierbei bezieht Hess sowohl staatlicherseits („repressiver Terrorismus staatlicher Apparate“) begangene Akte als auch solche substaatlicher Terrorgruppen in seine Definition mit ein. Was die substaatlichen Akteure betrifft, unterscheidet Hess zwischen einem „repressiven Terrorismus para-staatlicher oder nicht-staatlicher Gruppen“ und einem „revoltierenden Terrorismus“ sozialrevolutionärer Art. Henner Hess’ Terrorismusdefinition wurde u. a. durch Sebastian Scheerer aufgegriffen.
1997 verfasste Hess sodann zusammen mit Sebastian Scheerer die Skizze einer konstruktivistischen Kriminalitätstheorie, in der die beiden Autoren sich auf Basis von Mikro- und Makroansätzen der allgemeinen Soziologie um eine allgemeine Theorie der Kriminalität bemühen. Da sich ihr Ansatz nicht allein auf den Etikettierungsansatz bezieht, wurden Scheerer und Hess, die beide ursprünglich der Kritischen Kriminologie zugeordnet wurden, von manchen Vertretern der deutschsprachigen Kritischen Kriminologie als oppositionell kritisiert. Im Kriminologischen Journal kam es deswegen vor allem im Jahr 1998 zu einer heftigen Debatte um die Grundlagen einer kritischen Kriminologie. Hess und Scheerer selbst betrachteten die dort gegen ihre allgemeine kriminologische Theorie gerichteten Einwände als wissenschaftlich schwach und vom Ton her als in „Sekten gegenüber Abtrünnigen“ gebräuchlich erinnernd.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hess, Henner |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Kriminologe |
| GEBURTSDATUM | 12. Januar 1940 |
| GEBURTSORT | Olmütz |
| STERBEDATUM | 25. Februar 2026 |