Henri Gautier

Porträt von Henry Gautier
Kupferstich von Étienne Jehandier Desrochers

Henri Gautier (auch Henry Gautier, Hubert Gautier) (* 21. August 1660 in Nîmes; † 27. September 1737 in Paris) war ein französischer Ingenieur und Wissenschaftler. Er schrieb das erste theoretische Werk über den Straßenbau sowie das erste grundlegende Werk über den Brückenbau.

Leben

Gautier war der Sohn eines hugenottischen Wollkämmlers. Nach der Schule in Nîmes studierte er zunächst Medizin im protestantischen Orange, wo er 1679 den Doktortitel erlangte. Aufgrund seines Interesses für Mathematik wurde er von 1686 bis 1688 beim Bau des Fort Vauban in Nîmes tätig. Nachdem König Ludwig XIV. mit dem Edikt von Fontainebleau die Religionsfreiheit widerrufen hatte, konvertierte Gautier 1689 zum Katholizismus. Im gleichen Jahr wurde er Ingenieur der Provinz Languedoc. Bis 1694 war er am Bau der heute noch existierenden Brücke in Coursan über die Aude tätig, anschließend arbeitete er für verschiedene Projekte im Languedoc, unter anderem auch am Canal du Midi. 1713 wurde er zu einem der ersten Inspektoren des Brücken- und Straßenbaus (Inspecteur des ponts et chaussées) ernannt und ließ sich in Paris nieder. Nach weiteren 18 Jahren im Dienst der Ponts et chaussées nahm er 1731 im Alter von 71 Jahren seinen Abschied in den Ruhestand.

Werk

Im Jahr 1693 veröffentlichte Gautier in Toulouse das erste Lehrbuch über den Straßenbau (Traité de la construction des chemins). Darin beschreibt er neben Methoden der Straßenentwässerung auch die Grundsätze des römischen Straßenbaus. Bei der Konstruktion der Fahrwege wählt Gautier eine grobe Tragschicht aus großen, flach verlegten Steinen. Darauf kommt eine Ausgleichsschicht und eine abschließende Deckschicht aus feinem gebrochenem Kies. Eingefasst wird die Konstruktion durch schwere Randsteine. Der Fahrweg wird auf einem kleinen Damm geführt und kann so wirksam entwässert werden. Das Werk wurde 1716 und 1721 in Paris neu aufgelegt.

1716 erscheint in Paris sein Werk Traité des ponts (Abhandlung über den Brückenbau), das bis 1768 ebenfalls mehrfach aufgelegt und 1759 ins Deutsche übersetzt wird. Es bleibt zumindest in Frankreich bis zu den Werken von Émiland Gauthey aus den Jahren 1809–1813 das einzige grundlegende Werk über den Brückenbau.

1721 veröffentlichte er seine Abhandlung Nouvelles conjectures sur le globe terrestre (Neue Überlegungen über die Erdkugel) (die im Rahmen seiner Bibliothèque des philosophes et des sçavans erschien), in der er versucht, die traditionelle Lehre über die langsame Gestaltung der Erdoberfläche allein durch Flüsse und Sedimentablagerungen in den Meeren mit der Auffassung von Descartes zu verbinden, dass die Gebirgsbildung durch vergleichsweise plötzliche tektonische Ereignisse geschieht.

Seine Veröffentlichungen umfassen auch eine Reihe kleinerer Werke, in denen er auch Themen wie die Geschichte von Nîmes, die Herkunft der Pest, Festungsbau und Feuerwaffen behandelt.

Werke (Auswahl)

Literatur

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Einzelnachweise

  1. ↑ Gautier nennt in keinem seiner Werke seinen Vornamen. Er veröffentlichte unter Gautier, H. Gautier, Sieur Gautier (Herr G.) oder Sieur H. Gautier. Auch die amtlichen Beschlüsse (Arrêts), mit denen er als Ingenieur eingesetzt bzw. befördert wurde, nennen nur den Gautier oder le sieur Gautier (vgl. Eugène-Jean-Marie Vignon: Études historiques sur l'administration des voies publiques en France aux XVIIe et XVIIIe siècles. Band 2, Dunond, Paris 1862, S. 10, 27, n79, 36, 42, 44, 106, 109 und 247).
    Die erste Auflage des Traité des ponts (1716) nennt auf dem Titelblatt zwar den Verleger, nicht aber den Autor, der erst in der Unterschrift (Gautier) der Widmung vom 1. August 1714 an Monseigneur De Bercy genannt wird. Im ersten Band der Bibliothèque des philosophes et des sçavans tant anciens que modernes (1723) und in der zweiten Auflage des Traité des ponts (1728) ist ein von Étienne Jehandier Desrochers angefertigtes Porträt von Henry Gautier enthalten (nicht aber in dem Exemplar in der Havard University Library). Das Exemplar in der Bibliothèque municipale de Lyon trägt trotzdem den Katalogisierungsvermerk # Gautier Hubert.
    In dem Buch von Vincens-Saint-Laurent: Biographie universelle ancienne et moderne. Band 13. L. G. Michaud, Paris 1816, S. 598 (Volltext in der Google-Buchsuche) heißt es: GAUTIER (Hubert); nommé mal à propos, Henri, par l'historien de Nîmes, ..., allerdings ohne weitere Erläuterung.
    Die Encyclopædia Britannica nennt ihn Hubert Gautier.
    François Ellenberger nennt ihn Henri Gautier in seinem Buch À l'aube de la géologie moderne: Henri Gautier : 1660 - 1737. 2, La théorie de la terre d'Henri Gautier (1976) ().
    In den heutigen Bibliothekskatalogen (OPAC) ist er mal als Henri Gautier, mal als Hubert Gautier verzeichnet.
  2. ↑ Henning Natzschka: Straßenbau: Entwurf und Bautechnik. Vieweg+Teubner Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 3-519-15256-8, S. 9.
  3. ↑ Heinz W. Hallmann: Historische Bauforschung und Materialverwendung im Garten- und Landschaftsbau. Books on Demand, Norderstedt 2005, ISBN 3-8334-1814-1, S. 17.
  4. ↑ Vincens-Saint-Laurent: Biographie universelle ancienne et moderne. Band 13. L. G. Michaud, Paris 1816, S. 599 (Volltext in der Google-Buchsuche)