Herbert Gebauer

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Herbert Gebauer, um 1970

Herbert Gebauer (* 7. März 1925 in Zossen, Tschechoslowakei; † 4. April 2010 in Stuttgart-Sillenbuch) war ein deutscher Bildhauer. Er schuf Skulpturen und Plastiken, unter anderem in Bronze, sowie Reliefs, Medaillen, Porträts, Zeichnungen und Gemälde. Sein Werk umfasst sowohl gegenständliche als auch abstrakte Arbeiten.

Leben

Gebauer wurde 1925 in Zossen geboren. Er war der Sohn des Malers und Landwirts Paul Gebauer und dessen Ehefrau Hilda, geborene Drössler. Gebauer wuchs gemeinsam mit zwei Geschwistern auf dem elterlichen Bauernhof auf. Nach dem Besuch der Volksschule in Zossen besuchte er die Oberschule für Jungen in Troppau, wo er 1943 das Abitur ablegte.

Nach dem Abitur wurde Gebauer zum Wehrdienst eingezogen. Er war unter anderem in Breslau und Luçon nördlich von Bordeaux eingesetzt und kam anschließend an die Ostfront. 1944 wurde er schwer verwundet und verlor dabei sein linkes Bein. Während seines Aufenthalts in einem Lazarett lernte er seine spätere Ehefrau Brigitte Richter kennen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte Gebauer von 1947 bis 1952 Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Hermann Brachert und Rudolf Daudert und schloss das Studium als akademischer Bildhauer ab. Ab 1952 arbeitete er als freischaffender Bildhauer in Stuttgart und beschäftigte sich auch mit Malerei und Zeichnung.

Gebauer lebte und arbeitete zunächst in Stuttgart-Möhringen und später in Stuttgart-Sillenbuch, wo er seit Ende der 1960er Jahre ein Atelier unterhielt. Dort entstanden Arbeiten aus Bronze, Holz, Gips und Ton sowie Porträts, Reliefs und weitere Auftragsarbeiten.

1950 heiratete Gebauer Brigitte Richter. Das Paar hatte zwei Kinder. Herbert Gebauer starb am 4. April 2010 im Alter von 85 Jahren in Stuttgart-Sillenbuch.

Werk

Kunstwerk Spiel der Kräfte
Offene Form, polierte Bronze auf einem Sockel aus schwarzem Granit

Gebauers künstlerisches Werk umfasst Skulpturen und Plastiken, Reliefs, Porträts, Medaillen sowie Zeichnungen und Gemälde. Ein Zeitungsbericht von 1985 erwähnt die etwa vier Meter hohe Bronzeplastik „Sprung nach dem Ball“ in den Gansacker-Anlagen in Sindelfingen. Er arbeitete unter anderem in Bronze, Holz, Gips und Ton. Neben freien Arbeiten entstanden zahlreiche Auftragswerke für den öffentlichen Raum, für Unternehmen und Institutionen. Ein zeitgenössisches Künstlerporträt von 1968 beschreibt unter anderem die Skulpturen „Aufstrebendes Formenspiel“ und „Geometrisches Formenspiel“.

Als charakteristisch für sein Schaffen wird das Wechselspiel zwischen gegenständlicher Darstellung und abstrakter Formensprache beschrieben. Dabei verband Gebauer traditionelle bildhauerische Techniken mit unterschiedlichen Formen der Abstraktion.

Zu seinen Arbeiten im öffentlichen Raum gehören unter anderem die Bronzeplastiken Zwei Reiher (1962), Auffliegender Schwan (1965), Pelikan (1968), Hahn (1970), Feuerhahn (1976) und Sprung nach dem Ball (1977/78) sowie weitere Plastiken und Brunnenanlagen.

Zu den abstrakteren Arbeiten zählen Aufstrebendes Formenspiel (1971), Konkav-Konvex (1986), Durchbruch (1999) und Geburt einer neuen Form. Das kleinere Modell von Aufstrebendes Formenspiel entstand zunächst in Gips und wurde später in Bronze gegossen.

Gebauer schuf außerdem Porträts, Reliefs und Medaillen. Zu seinen Arbeiten gehören unter anderem Porträtmedaillen von Friedrich Wilhelm Richter und Arthur Gruber sowie weitere Auftragsarbeiten.

Ausstellungen und Auszeichnungen

Gebauer nahm an Ausstellungen im In- und Ausland teil. 1966 beteiligte er sich am Salon International Paris-Sud und erhielt dort eine Bronzemedaille. 1973 wurde ihm dort eine Goldmedaille verliehen. Einzelausstellungen erfolgten 1964 beim Kulturamt Berlin-Wilmersdorf, 1967 beim Kulturamt Tübingen, 1969 beim Kulturamt Sindelfingen, 1989 im Rathaus Schönaich und 1993 im Lucas-Cranach-Haus in Weimar.

1970 erhielt Gebauer einen Anerkennungspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft. 1974 nahm er am Colloque international Art et Réalité der Fondation internationale des Sciences Humaines in San Sebastián teil und hielt dort einen Vortrag mit dem Titel Rationalität und Irrationalität der Kunst.

Künstlervereinigungen

Gebauer engagierte sich in Künstlervereinigungen und war an der Gründung der Sindelfinger Sezession beteiligt. Nach deren Auflösung wirkte er in der Neuen Gruppe Sindelfingen mit, deren Leitung er von 1970 bis 2004 innehatte. Die Gruppe veranstaltete Ausstellungen und verstand sich als Forum für unterschiedliche künstlerische Positionen.

Rezeption

Die Arbeiten Herbert Gebauers wurden zu seinen Lebzeiten in Ausstellungen und im öffentlichen Raum gezeigt. In einem Beitrag der Stuttgarter Zeitung vom 14. Dezember 2011 wurde Gebauer als „bedeutender Stuttgarter Künstler“ bezeichnet.

Der Historiker Wolfgang Mück setzte sich in seinen Veröffentlichungen ausführlich mit Gebauers künstlerischem Werk auseinander. Mück beschrieb unter anderem das Verhältnis von „Materie und Seele“ als einen Aspekt der Kunst Gebauers.

Nachlass

Ein Teil des künstlerischen Nachlasses von Herbert Gebauer wird seit 2024 in der Privaten Kunstsammlung Herbert Gebauer in Altershausen, einem Ortsteil der Gemeinde Münchsteinach im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim, bewahrt und präsentiert.

Die Sammlung zeigt einen Querschnitt durch mehrere Jahrzehnte von Gebauers künstlerischem Schaffen. Dazu gehören größere und kleinere Skulpturen, Reliefs, Modelle, Medaillen sowie Zeichnungen und Gemälde. Neben ausgeführten Arbeiten werden auch Modelle und Materialien zur Entstehung einzelner Werke gezeigt.

Das Museumsgebäude in Altershausen wurde ab 2021 geplant und 2023 errichtet. Die Ausstellung dient der Bewahrung und Vermittlung des künstlerischen Werkes von Herbert Gebauer.

Literatur

Commons: Herbert Gebauer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 Wolfgang Mück: Private Kunstsammlung Herbert Gebauer in Altershausen (Münchsteinach). Herbert Gebauer 1925–2010 – Bildhauer. Private Kunstsammlung Herbert Gebauer, Altershausen 2024.
  2. ↑ Irmela Göckenjan: „Bedürfnis nach Harmonie und Ästhetik“. In: Böblinger Kreiszeitung, 7. März 1985, S. 21.
  3. ↑ Klaus-Herbert Wolff: „Formenspiele des Bildhauers“. IWZ, Beiblatt der Neuen Württembergischen Zeitung (NWZ), 15. Juni 1968, S. 30.
  4. ↑ I. Göckenjan: „Bedürfnis nach Harmonie und Ästhetik“. Böblinger Bote, 7. März 1985, S. 21.
Personendaten
NAME Gebauer, Herbert
KURZBESCHREIBUNG deutscher Bildhauer
GEBURTSDATUM 7. März 1925
GEBURTSORT Zossen, Tschechoslowakei
STERBEDATUM 4. April 2010
STERBEORT Stuttgart-Sillenbuch