Giffeis Bühnenstück Der Eseltreiber von Teramo entstand in einer Bauhütten-Gemeinschaftsarbeit mit der Gruppe 55 am Jugendhof Barsbüttel.
Zwischen 1954 und 1973 war er an der Walddörferschule in Hamburg-Volksdorf als Lehrer tätig und adaptierte dort wie zuvor Luserkes Laienspiel, das dieser zwischen 1947 und 1952 als Meldorfer Spielweise bezeichnet hatte. Dazu verfasste er eigene Bühnenstücke.
Giffei kritisierte Ansätze, das Darstellende Spiel zu pädagogisieren. Stattdessen versuchte er, theaterspezifische Bildungsansätze aufzuzeigen.
Er charakterisierte Luserke als Wegbereiter der modernen Erlebnispädagogik. Er habe das Segeln an der Schule am Meer auf der Nordseeinsel Juist, die Musik z. B. mit Eduard Zuckmayer, Kurt Sydow und Heinrich Lohse sowie die spezifischen Züge schulischer Theaterpraxis als Gestaltungs- und Existenzformen „evidenter Erlebnisse“ angesehen. Erlebnishaft-emotionale Wesenskräfte von Kindern und Jugendlichen müssten sich durch das künstlerisch-musische Schaffen in ihrer äußeren Gestalt verwirklichen können.
Mit Luserke, einem Reformpädagogen, Barden, Theaterschaffenden und Schriftsteller, war er befreundet. Giffei gab in der Nachkriegszeit für die von Hubert H. Kelter, dem Geschäftsführer der Handelskammer Hamburg und Leiter der dortigen Commerzbibliothek, geleitete Martin-Luserke-Gesellschaft Werke Luserkes neu heraus. Posthum veröffentlichte und kommentierte er 1974 Luserkes unvollendetes Alterswerk Agitur ergo sum – Versuch einer morphologischen Deutung des Ur-Zusammenhangs von Theater und Bewusstsein.
Werke (Auszug)
Der Eseltreiber von Teramo – Ein musikalisches Bewegungsspiel in 3 Reigen. Bärenreiter-Verlag, Kassel/Basel 1958.
als Hrsg. mit Gertrud Seydelmann und Rudolf Sieverts: Der Jugendhof Barsbüttel 1947–1958. Hartung Verlag, Hamburg 1959.
mit Hildegard Krützfeldt-Junker: Prinz Piccolo oder Die Legende von dem ganz grossen Reich und dem winzig kleinen Land (Textbuch). Bärenreiter-Verlag, Kassel/Basel 1962.
mit Hildegard Krützfeldt-Junker: Prinz Piccolo oder Die Legende von dem ganz grossen Reich und dem winzig kleinen Land (Notenteil). Bärenreiter-Verlag, Kassel/Basel 1962.
als Hrsg.: Sar Ubo und Siri – Die 12 Geschichten von Sar Ubo, dem es verhängt war, das Unerhörte zu tun, neu hrsg. im Auftrag der Martin-Luserke-Gesellschaft e. V., Hamburg. Hans Christians Verlag, Hamburg 1962.
mit Josef Elias und Rudi Müller: Was ist Theater? Drama und Theater – Mimisch-poetisches Theater – Musikalisch-choreographisches Theater – Theater als Montage – Autinomes Theater. Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung, München 1965.
mit Olaf Klose, Ellen Redlefsen, Rudolf Zöllner, Ludwig Dettmann, Wolfgang Laur, Johann Wolfgang von Goethe, Detlev W. Schumann, Martin Luserke, Hans-Günther Andresen: Nordelbingen. (= Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte, Bd. 42). Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens & Co., Heide 1973.
als Hrsg.: Agitur ergo sum? Versuch einer morphologischen Deutung des Ur-Zusammenhangs von Theater und Bewusstsein, hrsg. aus dem Nachlass Martin Luserkes im Auftrag der Martin-Luserke-Gesellschaft e. V., Hamburg. Hans Christians Verlag, Hamburg 1974.
Christian Morgenstern als Mystiker (Nachdruck: Haupt Verlag, Bern 1931). Kraus Reprint, Nendeln/Liechtenstein 1975
als Hrsg.: Am Rand der bewohnbaren Welt –Sechs Erzählungen von Martin Luserke. Verlag Die Brigantine Dulk, Hamburg 1976. ISBN 3-87100-028-0.
Martin Luserke und das Theater. Hrsg. v. d. Landesarbeitsgemeinschaft für Spiel und Amateurtheater Nordrhein-Westfalen, Recklinghausen 1979.
Bauform und Inszenierung von Bewegungsspielen. Das Theatermodell Martin Luserkes. Darstellendes Spiel. Schultheater. SEK II. Pädagogisches Zentrum, Berlin 1979.
Beiträge in: Martin Luserke –Reformpädagoge, Dichter, Theatermann, Gründer der Schule am Meer auf der Nordseeinsel Juist, mit Beiträgen von Herbert Giffei, Hubert H. Kelter, Martin Kießig, Peter Lambrecht, Dieter Luserke und Jörg W. Ziegenspeck, hrsg. v. Jörg W. Ziegenspeck (= Wegbereiter der modernen Erlebnispädagogik, Bd. 6). Neubauer Verlag, Lüneburg 1987. ISBN 978-3-88456-040-2.
↑Hörfunkinterview zur Meldorfer Spielweise mit Martin Luserke, Primanerin Alice Witt (Meldorfer Gelehrtenschule), OStD Dr. Kurt Reiche (Meldorfer Gelehrtenschule), Prof. Otto Haase (Kultusministerium Schleswig-Holstein), Dr. Herbert Giffei (Oldenburg i. O.), Norddeutscher Rundfunk 1952, 9:53 Min.
↑Jugendhof Barsbüttel, auf: deutsche-digitale-bibliothek.de, abgerufen am 25. November 2017.
↑Caroline Ritter: Darstellendes Spiel und ästhetische Bildung – Eine empirische Studie zur Theaterarbeit in der Grundschule. kassel university press, Kassel 2013. ISBN 978-3862195268, S. 19.
↑Herbert Giffei: Martin Luserke – Ein Wegbereiter der modernen Erlebnispädagogik? Vorwort von Jörg W. Ziegenspeck. Neubauer, Lüneburg 1987. ISBN 978-3-88456-040-2, S. 22.
↑Torsten Fischer, Jörg W. Ziegenspeck: Erlebnispädagogik – Grundlagen des Erfahrungslernens – Erfahrungslernen in der Kontinuität der historischen Erziehungsbewegung. Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2008. ISBN 978-3-7815-1582-6, S. 19.