Herbert Prohaska

Herbert Prohaska
Herbert Prohaska (2014)
Personalia
Geburtstag 8. August 1955
Geburtsort Wien, Österreich
Größe 182 cm
Position Mittelfeldspieler
Junioren
Jahre Station
Vorwärts XI
ESV Ostbahn XI
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1970–1972 ESV Ostbahn XI
1972–1980 FK Austria Wien 259 (62)
1980–1982 Inter Mailand 56 0(8)
1982–1983 AS Rom 26 0(3)
1983–1989 FK Austria Wien 194 (35)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
1974–1989 Österreich 84 (12)
Stationen als Trainer
Jahre Station
1990–1992 FK Austria Wien
1992–1993 Österreich U-21
1993–1999 Österreich
1999–2000 FK Austria Wien
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.
Prohaska als TV-Experte beim Länderspiel Österreich – Griechenland (2013)

Herbert Prohaska (* 8. August 1955 in Wien), genannt „Schneckerl“ (wienerisch für seine in der Jugendzeit üppige Lockenpracht), ist ein ehemaliger auch international erfolgreicher österreichischer Fußballspieler. Er wurde 2004 zu Österreichs bestem Fußballer der letzten 50 Jahre gewählt, ist Teil der Österreichischen Nationalelf des 20. Jahrhunderts und Teil der Austria-Elf des Jahrhunderts.

Nach seiner aktiven Karriere war er 10 Jahre lang als Trainer aktiv. 1993 bis 1999 war er Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft, die er zur Teilnahme an der Endrunde der Weltmeisterschaft 1998 führte.

Zurzeit analysiert er Fußballspiele im ORF und schreibt Kolumnen für die Kronen Zeitung.

Spielerkarriere

Karrierebeginn und erste Einsätze im Erwachsenenbereich

Herbert Prohaska wuchs in einer Zwei-Zimmer-Wohnung im Haus Hasenleitengasse 5 der Wohnhausanlage Hasenleiten, einem Gemeindebau im elften Wiener Gemeindebezirk Simmering, auf. Zusammen mit seinen Eltern lebte auch der Großvater in der kleinen Wohnung, sodass Prohaska aufgrund des Platzmangels bis zu seinem zwölften Lebensjahr bei den Eltern schlief. Bereits im Kleinkindalter begann er, angeleitet von seinem Vater, mit dem Fußballspielen. Oftmals spielte er auch in der Nachbarschaft mit älteren Kindern Fußball. Im Alter von neun Jahren begann er seine Vereinskarriere bei Vorwärts XI. Hier war er mehrere Jahre aktiv und schloss eine Spielzeit mit der dortigen Knabenmannschaft als Letzter ab. Über die gesamte Saison erreichte das Team lediglich vier Punkte (alle durch Unentschieden) und erzielte nur sechs Tore – alle durch Prohaska. Ein Wechsel innerhalb Simmerings zum ESV Ostbahn XI scheiterte an der Freigabe durch Vorwärts XI. Prohaska versuchte sein Glück mit einem gefälschten Pass unter dem Familiennamen Mikolatsch, flog dabei jedoch auf.

Erst ein halbes Jahr später schaffte Schneckerl, wie er damals bereits genannt wurde, den Sprung zu Ostbahn, die für ihn 500 Schilling bezahlten. Sein Vater, ein Hilfsarbeiter, wurde kurz darauf Jugendleiter bei Ostbahn und konnte so die Karriere seines Sohnes weiter fördern. Dieser hatte jedoch mit fortschreitendem Alter zunehmend disziplinäre Schwierigkeiten und erhielt wiederholt die damals noch im Nachwuchs üblichen Zeitausschlüsse. Mit 14 Jahren unterbrach er seine Spielerlaufbahn und verfolgte kurzzeitig eine Musikerkarriere. Als Bassgitarrist der Band Electric Army trat er sogar öffentlich im kleinen Rahmen auf. Da ihm seine Eltern aus finanziellen Gründen keinen Verstärker kaufen wollten und die Ostbahn-Funktionäre ihn unbedingt zurückhaben wollten, schloss er sich wieder dem ESV Ostbahn XI an. Noch als Jugendlicher schaffte er unter Rudolf Sabetzer, der erst kurz davor seine Karriere als Aktiver beendet hatte, den Sprung in die Herrenmannschaft des unterklassigen ESV Ostbahn. Mit 15 Jahren wurde er mit der Mannschaft Meister der damaligen 1. Klasse A und gehörte ihr danach noch bis ins Jahr 1972 an.

Wechsel zum FK Austria Wien, Zeit in Italien und Rückkehr nach Wien

Nach der Aufnahme in den Profikader des FK Austria Wien (Premierenmatch in der obersten Spielklasse schon in der 1. Runde beim 2:2 auf dem Sportklub-Platz in Dornbach ausgetragenen Heimspiel gegen SSW Innsbruck am 11. August 1972, als er in der 29. Minute für Klaus Kelmer eingewechselt wurde) wurde er mit der Mannschaft bis 1980 vierfacher Österreichischer Meister und dreifacher Österreichischer Cupsieger. 1980 wechselte er zu Inter Mailand, gewann im zweiten Jahr mit den „Nerazzuri“ (dt. schwarz-blau) den italienischen Cup und transferierte anschließend zur AS Rom. Dort gelang gleich in der ersten Saison der Gewinn der italienischen Meisterschaft und Prohaska kehrte danach zu Austria Wien zurück. In den folgenden drei Jahren erspielten die Wiener jeweils den Meistertitel und 1986 den Cup. 1989 erklärte Prohaska seinen Rücktritt als Spieler.

Auch mit der Nationalmannschaft feierte Prohaska Erfolge. Am 30. Oktober 1977 schoss er, mit seinem „Spitz von İzmir“ zum 1:0-Sieg, Österreich zur WM-Endrunde 1978 in Argentinien. Dort folgte das legendäre Wunder von Córdoba mit dem 3:2-Sieg über Deutschland. Auch an der WM 1982 in Spanien nahm er mit Österreich teil und spielte u. a. beim Nichtangriffspakt von Gijón. Außerdem wurde der routinierte Spieler in der jungen Mannschaft, die die WM-Qualifikation 1990 bestritt, eingesetzt.

Trainer- und Fernsehkarriere

Kurz nach seinem Rücktritt als Spieler arbeitete Prohaska bereits als Trainer bei Austria Wien. Bis 1992 gelangen ihm mit der Austria zwei Meistertitel und zwei Cupsiege. 1993 wurde er Trainer der österreichischen Fußballnationalmannschaft und qualifizierte sich 1997 als Gruppensieger direkt für die WM 1998 in Frankreich. Am 27. März 1999 erlitt Österreich in Valencia in der Europameisterschafts-Qualifikation ein 0:9-Debakel gegen Spanien und Prohaska trat von seinem Amt zurück (sein Nachfolger wurde Otto Barić). Trotz des 0:9 erreichte die österreichische Nationalmannschaft allerdings im Mai 1999 mit Platz 17 die bis dahin beste Platzierung in der FIFA-Weltrangliste. Von 1999 bis 2000 war er wiederum Trainer der Wiener Austria.

Seit einigen Jahren analysiert Herbert Prohaska Fußballmatches im österreichischen Rundfunk. Seine Verabschiedung nach jedem Hauptabend-Spiel („Gute Nacht!“) ist eines seiner Charakteristika. Nach dem Sieg seines Favoriten Italien im Finale der WM 2006 ließ Prohaska sich vor laufenden Kameras seinen Schnurrbart, der bis dahin eines seiner persönlichen Merkmale war, abrasieren.

Privatleben

Prohaska stammt aus „einfachen“ Verhältnissen, sein Vater arbeitete als Hilfsarbeiter, seine Mutter war Bedienerin. Er wuchs in Wien-Simmering auf und hat darüber in der ORF-Dokumentation „Mein Simmering“ berichtet. Prohaska ist ausgelernter Automechaniker. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und lebt in Klosterneuburg bei Wien.

Persönliche Ehrungen

Bei der Krone-Fußballerwahl wurde Prohaska in den Jahren 1975 und 1985 zum Fußballer des Jahres gewählt, 1997 zum Trainer des Jahres. Die APA-Fußballerwahl entschied er dreimal für sich (1984, 1985 und 1988).

1997 erhielt Prohaska vom österreichischen Bundespräsidenten das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und 2005 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Außerdem wurde ihm von den Landeshauptmännern Erwin Pröll und Michael Häupl 2005 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich und 2008 das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien verliehen. Im Jahr 2015 erhielt er das Große Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich.

Das 314. Wiener Derby galt als „Geburtstagsspiel“ Prohaskas zu dessen 60. Geburtstag.

Erfolge

Als Spieler:

Als Trainer:

ÖFB-Länderspiele unter Teamchef Herbert Prohaska

Legende

Spiele Siege Remis Niederlagen Tore TD
512591796:73+23
Nr. Datum Ergebnis Gegner Austragungsort Anlass Bemerkung
54310.03.19932:1 GriechenlandHWienErstes Länderspiel unter Herbert Prohaska
54427.03.19930:1 FrankreichHWienWM 1994-Qualifikation
54514.04.19933:1 BulgarienHWienWM 1994-Qualifikation
54613.05.19931:3 FinnlandATurku (FIN)WM 1994-Qualifikation
54719.05.19930:1 SchwedenAStockholm (SWE)WM 1994-Qualifikation
54825.08.19933:0 FinnlandHWienWM 1994-Qualifikation
54913.10.19931:4 BulgarienASofia (BUL)WM 1994-Qualifikation
55027.10.19931:1 IsraelATel Aviv (ISR)WM 1994-Qualifikation
55110.11.19931:1 SchwedenHWienWM 1994-QualifikationÖsterreich qualifiziert sich als Gruppenvierter nicht für die Endrunde
55223.03.19941:1 UngarnHLinz
55320.04.19941:2 SchottlandHWien
55417.05.19944:3 PolenAKattowitz (POL)
55502.06.19941:5 DeutschlandHWien
55617.08.19940:3 RusslandHKlagenfurtErstes Länderspiel gegen Russland, erstes Spiel in Klagenfurt, einziges Spiel im alten Wörtherseestadion
55707.09.19944:0 LiechtensteinAEschen (LIE)EM 1996-QualifikationErstes offizielles Länderspiel gegen Liechtenstein
55812.10.19941:2 NordirlandHWienEM 1996-Qualifikation
55913.11.19940:1 PortugalALissabon (POR)EM 1996-Qualifikation
56029.03.19955:0 LettlandHSalzburgEM 1996-Qualifikation
56126.04.19957:0 LiechtensteinHSalzburgEM 1996-Qualifikation
56211.06.19953:1 IrlandADublin (IRL)EM 1996-Qualifikation
56316.08.19952:3 LettlandARiga (LAT)EM 1996-Qualifikation
56406.09.19953:1 IrlandHWienEM 1996-Qualifikation
56511.10.19951:1 PortugalHWienEM 1996-Qualifikation
56615.11.19953:5 NordirlandABelfast (NIR)EM 1996-QualifikationÖsterreich verpasst wiederum den Sprung zum EM-Turnier
56727.03.19961:0 SchweizHWien
56824.04.19962:0 UngarnABudapest (HUN)
56929.05.19961:0 TschechienHSalzburgErstes Länderspiel gegen die Tschechische Republik, letztes Länderspiel im Lehener Stadion
57031.08.19960:0 SchottlandHWienWM 1998-Qualifikation
57109.10.19961:0 SchwedenAStockholm (SWE)WM 1998-Qualifikation
57209.11.19962:1 LettlandHWienWM 1998-Qualifikation
57318.03.19970:2 SlowenienHLinzErstes Länderspiel gegen Slowenien
57402.04.19970:2 SchottlandAGlasgow (SCO)WM 1998-Qualifikation
57530.04.19972:0 EstlandHWienWM 1998-QualifikationErstes Länderspiel gegen Estland
57608.06.19973:1 LettlandARiga (LAT)WM 1998-Qualifikation
57720.08.19973:0 EstlandATallinn (EST)WM 1998-Qualifikation
57806.09.19971:0 SchwedenHWienWM 1998-Qualifikation
57910.09.19971:0 BelarusAMinsk (BLR)WM 1998-QualifikationErstes Länderspiel gegen Belarus
58011.10.19974:0 BelarusHWienWM 1998-QualifikationÖsterreich qualifiziert sich als Gruppensieger zum achten Mal für eine WM
58125.03.19982:3 UngarnHWien
58222.04.19980:3 Vereinigte StaatenHWien
58327.05.19982:1 TunesienHWienErstes offizielles Länderspiel gegen Tunesien
250. Länderspiel-Sieg
58402.06.19986:0 LiechtensteinHWien
58511.06.19981:1 Kamerun*Toulouse (FRA)WM 1998-VorrundeErstes Länderspiel gegen Kamerun
58617.06.19981:1 Chile*Saint-Étienne (FRA)WM 1998-Vorrunde
58723.06.19981:2 Italien*Saint-Denis (FRA)WM 1998-VorrundeÖsterreich scheidet als Gruppendritter aus
58819.08.19982:2 FrankreichHWien
58905.09.19981:1 IsraelHWienEM 2000-Qualifikation
59010.10.19983:0 ZypernALarnaka (CYP)EM 2000-Qualifikation
59114.10.19984:1 San MarinoASerravalle (SMR)EM 2000-QualifikationErstes Länderspiel gegen San Marino
59210.03.19994:2 SchweizASt. Gallen (SUI)50. Länderspiel unter Herbert Prohaska
59327.03.19990:9 SpanienAValencia (ESP)EM 2000-QualifikationLetztes Länderspiel unter Herbert Prohaska
Höchste Auswärtsniederlage

Musikveröffentlichungen (Auswahl)

Publikationen (Auswahl)

Auszeichnungen

Siehe auch

Commons: Herbert Prohaska – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 Zum 70. Geburtstag 70 Geschichten über Herbert Prohaska – Tag 1, abgerufen am 9. August 2025
  2. ↑ «Prohaska: 200 BL-Spiele». In: Arbeiter-Zeitung. Wien,​ 29. August 1978, S. 10.
  3. ↑ „Mein Simmering“ (Memento vom 15. Februar 2016 im Internet Archive) abgerufen am 15. Februar 2016.
  4. ↑ „Großes Ehrenzeichen des Landes NÖ“ für Herbert Prohaska Niederösterreichischer Pressedienst vom 19. November 2015, abgerufen am 21. November 2015.
  5. ↑ Football Is My Life auf der offiziellen Webpräsenz von Leo Aberer, abgerufen am 9. August 2025
  6. ↑ Leo Aberer feat. Herbert Prohaska und Co. - Football Is my life (Fussball is mei Leb’n) auf Youtube, abgerufen am 9. August 2025
  7. 1 2 PROHASKA ÜBER MUSIK: „DER AMBROS IST MEIN GRÖSSTER HELD!“, abgerufen am 9. August 2025
  8. ↑ 70 Jahre „Kurier“: Platin-Romy für Kerkeling, Krankl und Prohaska. In: Die Presse. 18. Oktober 2024, abgerufen am 18. Oktober 2024.
  9. ↑ Georg Leyrer: 70 Jahre KURIER: Zwei ROMYs für die Gänsehaut an Prohaska und Krankl. In: Kurier.at. 17. Oktober 2024, abgerufen am 18. Oktober 2024.
  10. ↑ Auszeichnung: Herbert Prohaska für Lebenswerk geehrt. 15. Oktober 2026, abgerufen am 16. Oktober 2026.