Herbert Reichner

Herbert Reichner (geboren 8. März 1899 in Wien; gestorben 6. November 1971 in Stockbridge, Massachusetts) war ein österreichischer Verleger und Antiquar.

Leben und Wirken

Reichner war bis zum Anschluss Österreichs Verleger von Stefan Zweigs Werken, ferner verlegte er Werke von Alexander Lernet-Holenia, Alexander Jakowlew, Katherine Mansfield und die Erstausgabe von Elias Canettis Roman Die Blendung.
Reichner übernahm, mit Ausnahme der Bände der Insel-Bücherei, ab 1934 den Druck von Neuauflagen derjenigen Titel Stefan Zweigs, die bis dahin im Insel-Verlag erschienen waren, wie Marie Antoinette. Bildnis eines mittleren Charakters (1938), Joseph Fouché. Bildnis eines politischen Menschen und Drei Meister: Balzac. Dickens. Dostojewski (unter dem neuen Titel Baumeister der Welt, 1936), und den Verlag seiner neuen Bücher, wie Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam (1934), Begegnungen mit Menschen, Büchern, Städten (1937) und Magellan. Der Mann und seine Tat (1937, vordatiert auf: 1938). Für die bei ihm veröffentlichten Werke Stefan Zweigs legte der Verlag 1937 noch einen umfangreichen Prospekt auf, der bis zum Titel Magellan reicht und ein Portrait des Autors auf dem Umschlag trägt.

Die Angaben zum Gründungsjahr des Herbert Reichner Verlags widersprechen sich; jedoch nach eigenen Aussagen war das 1925. Im Verlag erschienen aufwendig gestaltete Werke zu Musik, Literatur und Geschichte, etwa Willi Reichs Biografie (1937) Alban Berg. 1936 verhalf Stefan Zweig Hermann Broch nach der Ablehnung durch den Zsolnay-Verlag dazu, dass dessen Essay James Joyce und die Gegenwart bei Reichner erscheinen konnte. Mitte der 1930er-Jahre stand Reichner mit seinem Verlag unter Druck, da der vor allem wegen Zweig im Deutschen Reich als „Judenverlag“ galt. 1936 kam es zu einer Blitzbeschlagnahmung des Verlagsdepots bei F. Volckmar in Leipzig.

Ferner verlegte er von 1928 bis 1936 in Wien die Bibliophilen-Zeitschrift Philobiblon. Zeitschrift für Bücherfreunde. Ab 1938 wurde sie vom völkisch verankerten Rudolf M. Rohrer Verlag übernommen und fortgeführt. Herbert Reichner und sein Verlag zählten zu den Gegnern des NS-Regimes und Lieferanten der Bücherverwertungsstelle. Im Bewusstsein, dass als Jude sein Leben in Gefahr war, floh er mit seiner Frau am 13. März 1938, dem Folgetag des Anschlusses Österreichs an Nazi-Deutschland, in die Schweiz, wo sein Verlag eine Niederlassung hatte, und 1939 in die USA. Hier wandte er sich wieder dem Antiquariatsbuchhandel zu und eröffnete ein Geschäft in Stockbridge (Massachusetts).

Publikationen (Auswahl)

Literatur

Herbert Reichner Verlag auf der Website Österreichische Verlagsgeschichte (© Murray G. Hall)

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. 1 2 Die Wahrheit ist oft unwahrscheinlich: Thomas Theodor Heines Briefe an Franz Schoenberner aus dem Exil. Hrsg. von Thomas Raff. 2004.
  2. ↑ Lernet-Holenia, Alexander: Die Auferstehung des Maltravers. Herbert Reichner Verlag, Wien 1936.
  3. ↑ Jakowiew, Alexander: Der Mensch und die Steppe Roman. Herbert Reichner Verlag, Wien 1936.
  4. ↑ Von Mansfield erschien bei Reichner: Für sechs Pence Erziehung und andere Geschichten. (Auswahl und Übertragung von Herberth E. Herlitschka, 1937).
  5. ↑ Emmerich Tálos, Wolfgang Neugebauer: Austrofaschismus. Politik, Ökonomie, Kultur, 1933-1938. 2005.
  6. ↑ Digitalisat des Prospekts im Archiv der Israelischen Nationalbibliothek.
  7. ↑ Murray G. Hall: Herbert Reichner Verlag (Wien-Leipzig-Zürich). In: Österreichische Verlagsgeschichte. 1985, abgerufen am 9. Februar 2026.
  8. ↑ Willi Reich: Alban Berg. Mit Bergs eigenen Schriften und Beiträgen von Theodor Wiesengrund-Adorno und Ernst Krenek. Herbert Reichner Verlag, Wien/Leipzig/Zürich.
  9. ↑ Paul Michael Lützeler: Hermann Broch: Eine Biographie. 2011, S. 150.
  10. ↑ Roger Perret, Annemarie Schwarzenbach: Bei diesem Regen: Erzählungen. 2013.
  11. ↑ Volckmar war Reichners Kommisonär: Börsenblatt für den deutschen Buchhandel Nr. 272 vom 22. November 1934, S. 5351 (SLUB Digitalisat).
  12. ↑ Kontinuität und Bruch 1938 - 1945 - 1955: Beiträge zur österreichischen Kultur- und Wissenschaftsgeschichte. Herausgegeben von Friedrich Stadler. 2004, S. 86; Murray G. Hall, Christina Köstner: ... Allerlei für die Nationalbibliothek zu ergattern ...: Eine österreichische Institution in der NS-Zeit. 2006, S. 112.
  13. ↑ Norbert Bachleitner, Franz M. Eybl, Ernst Fischer: Geschichte des Buchhandels in Österreich. 2000, S. 316.
Personendaten
NAME Reichner, Herbert
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Verleger und Antiquar
GEBURTSDATUM 8. März 1899
GEBURTSORT Wien
STERBEDATUM 6. November 1971
STERBEORT Stockbridge, Massachusetts