Heribert Becker

Heribert Becker (2024)

Hans Heribert Becker (* 10. August 1942 in Opladen; † 19. August 2025 in Köln-Ehrenfeld) war ein deutscher Publizist, Autor, Kurator und Übersetzer überwiegend surrealistischer bzw. surrealismusnaher Lyrik und Prosa. Er veröffentlichte fast 90 Titel in verschiedenen Verlagen sowie Zeitschriftenartikel und Hörfunkbeiträge.

Familie

Er wurde im rheinischen Opladen, heute Stadtteil von Leverkusen (Regierungsbezirk Köln) als mittlerer von drei Brüdern in eine katholische Handwerkerfamilie geboren.

Leben und Wirken

Im Stadtteil Lützenkirchen besuchte Heribert Becker die Volksschule, ab 1954 das neusprachliche Landrat-Lucas-Gymnasium in Opladen, das er 1963 mit dem Abitur abschloss.

Ab dem Sommersemester 1963 studierte er an der Universität zu Köln Theaterwissenschaft, Germanistik und Romanistik, zeitweise auch Kunstgeschichte, Philosophie und Völkerkunde. Das Studium der romanischen Sprache und Literatur brachte ihn erstmalig in Kontakt mit der Übersetzertätigkeit, die er „rückblickend als gute Schule bezeichnen muss, weil sehr viel Wert auf [...] gutes Deutsch gelegt wurde“ (H. Becker).

1967 hospitierte er am Berliner Ensemble (Ost-Berlin, DDR) und am Schillertheater in Berlin, im Jahr darauf besuchte er einen Französischsprachkurs in Lyon und begeisterte sich für die Studentenrevolte dieser Jahre, deren Affinität zu den surrealistischen Idealen er erkannte. Er distanzierte sich vom Katholizismus und trat aus der Kirche aus.

1969/70 nahm er sein theaterwissenschaftiches Studium an der Universität in Nancy, bis 1973 an der Universität Paris-Nanterre, wieder auf. In der französischen Metropole verdiente er seinen Unterhalt als Gymnasiallehrer.

1977 war er wissenschaftlicher Assistent am Schauspielhaus Bochum unter Peter Zadek bei einer Inszenierung des französisch-spanischen Dramatikers Fernando Arrabals, dessen Werk er sehr schätzte und in späteren Jahren teilweise ins Deutsche übersetzen wird. In dieser Zeit spezialisierte er sich zusehends auf den Surrealismus.

2014 sprach die Journalistin Janine Paskamp im Café Balthazar am Auerbachplatz mit Heribert Becker über dessen Arbeit. Dieser Artikel erschien am 27. Dezember 2014 unter dem Titel Nicht mehr mit Schere und Kleber in der Kölnischen Rundschau.

Heribert Becker starb am 19. August 2025 in Köln.

Kurator

Abbildung des Erweiterungsbaus des Kunstmuseums Bochum
Erweiterungsbau des Kunstmuseums Bochum

In den Jahren 1978 und 1993 war Heribert Becker Ko-Organisator zweier Ausstellungen am Kunstmuseum Bochum:

Imagination – Internationale Ausstellung bildnerischer Poesie (26. August bis 8. Oktober 1978)

Die gemeinsam mit dem Tschechen Milan Nápravník organisierte Schau zeigte Werke von mehr als 70 internationalen Künstlern und Künstlerinnen der surrealistischen Bewegung. Die Texte des mehr als 300 Seiten umfassenden Katalogs stammen von Peter Spielmann (damals Leiter des Museums), Édouard Jaguer, Jean Schuster u. a. Heribert Becker war mit eigenen Wortbeiträgen vertreten und übersetzte weitere ins Deutsche.

Lateinamerika und der Surrealismus (22. Mai bis 18. Juli 1993)

Die Schau, die er gemeinsam mit Sepp Hiekisch-Picard (bis 2022 Direktor des Museums) und Peter Spielmann kuratierte, sollte eigentlich bereits 1992, anlässlich des 500. Jahrestages der Entdeckung Amerikas 1492, stattfinden. Aus organisatorischen Gründen musste sie aber verschoben werden. Die Ausstellung brachte ihn in Kontakt mit zahlreichen südamerikanischen und karibischen Künstlern. Die Texte stammen von Spielmann, Octavio Paz, Hiekisch-Picard, übersetzt von Heribert Becker.

Publikationen

Ab den 1980er Jahren übersetzte Heribert Becker zahlreiche Texte überwiegend französischsprachiger Autoren und Autorinnen ins Deutsche, u. a. Fernando Arrabal, Jacques Prévert, Benjamin Péret, André Breton, Joyce Mansour, André Pieyre de Mandiargues, Michel Leiris, Aimé Césaire und Roland Topor sowie Leonora Carrington aus dem Englischen. Auch arabischen Autoren widmete sich Becker, wie Khalid al-Maaly, Mahmoud Darwisch und Unsi al-Hadj sowie dem Kongolesen Tchicaya U Tam’si.

Er war Mitglied im Verband deutschsprachiger Übersetzer/innen literarischer und wissenschaftlicher Werke.

Bibliografie (Auswahl)

Museum Bochum

Anthologien (Hrsg.)

Fernando Arrabal

a.d. Französischen

André Breton

a.d. Französischen

Leonora Carrington

a.d. Französischen

Benjamin Péret

a.d. Französischen

Jacques Prévert

a.d. Französischen

H. Becker & Milan Nápravník

a.d. Tschechischen

H. Becker & Khalid Al-Maaly

a.d. Arabischen

Weitere Übersetzungen

a.d. Französischen

Publikationen in Zeitschriften (Auswahl)

Hörfunk-Features, Hörspiele

Einzelnachweise

  1. ↑ Aufzeichnungen (Kurzbiografien, Vitae, im Besitz v. Lukas Becker) Heribert Beckers 2006–2011
  2. ↑ Janine Passkamp: Nicht mehr mit Schere und Kleber. In: Kölnische Rundschau. 27. Dez. 2014.
  3. ↑ Katalog der Ausstellung Imagination, Museum Bochum 1978.
  4. ↑ Katalog der Ausstellung Lateinamerika und der Surrealismus, Museum Bochum 1993.
Personendaten
NAME Becker, Heribert
ALTERNATIVNAMEN Becker, Hans Heribert (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Publizist, Autor, Kurator und Übersetzer
GEBURTSDATUM 10. August 1942
GEBURTSORT Opladen
STERBEDATUM 19. August 2025
STERBEORT Köln-Ehrenfeld