
Herman Berlinski (bis zu seiner Einbürgerung in die USA Hermann, geb. 18. August 1910 in Leipzig; gest. 27. September 2001 in Washington, D.C.) war ein US-amerikanischer Komponist, Organist und Chorleiter.
Im Jahr 1905 übersiedelten Boris und Deborah Berlinski mit ihren fünf Kindern von Łódź nach Leipzig, wo 1910 Sohn Hermann geboren wurde. Mit sechs Jahren begann für Hermann der Klavierunterricht. Da die Familie jüdischen Glaubens war, erhielt er seine schulische Bildung an der Ephraim-Carlebach-Schule. Als er zehn Jahre alt war, starb seine Mutter. Die Kinder blieben in der Obhut des Vaters, der nicht wieder heiratete.
Seine hohe musikalische Begabung führte Hermann Berlinski 1927 zum Studium an das Landeskonservatorium der Musik zu Leipzig. Hier waren seine Lehrer Otto Weinreich (1882–1947) im Fach Klavier, Sigfrid Karg-Elert (1877–1933) in der Musiktheorie, Günter Raphael (1903–1960) für den Kontrapunkt und Max Hochkofler (1886–1972) im Dirigieren. 1932 beschloss er sein Studium mit Auszeichnung.
Schon seit der Carlebach-Schule kannte Berlinski Sina Goldfein, die auch am Konservatorium studiert hatte. Die beiden wurden ein Paar. Als 1933 die Gestapo nach Berlinski suchte, ging dieser nach Polen. Sina Goldfein blieb zunächst in Leipzig. Noch im selben Jahr trafen sich die beiden in der Freien Stadt Danzig und gingen zusammen über die Niederlande und Belgien nach Paris. Hier heirateten sie 1934.
Hermann Berlinski schrieb sich an der École Normale de Musique ein und studierte Komposition bei Nadia Boulanger (1887–1979) sowie Klavier bei Alfred Cortot (1877–1962). Doch er wechselte bald an die Schola Cantorum zu Léon Algazi (1890–1971), bei dem er jüdische liturgische Musik studierte, und zum Kompositionsstudium bei Jean-Yves Daniel-Lesur (1908–2002). Von 1934 bis 1939 engagierte er sich bei einer jüdischen Kunsttheatergruppe, deren Musikdirektor er wurde.
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges meldete sich Berlinski zum Militärdienst. In der französischen Fremdenlegion kämpfte er in Belgien gegen die deutsche Armee. Nach der Kapitulation Frankreichs wurde er als „Ausländer ohne Arbeitserlaubnis in Frankreich“ entlassen. Um einer Internierung zu entgehen, flüchtete er mit seiner Frau 1941 über Spanien nach New York, wo er zunächst mit Klavierstunden für den Lebensunterhalt sorgte. 1942 wurde der Sohn David geboren.
1944 wurde Herman Berlinski in das Jewish Music Forum aufgenommen, einer wissenschaftlichen und kulturellen Organisation zur Erforschung, Erhaltung und Diskussion jüdischer Musik. Hier lernte er den russisch-amerikanischen Organisten Joseph Yasser (1893–1981) kennen, der ihm ab 1951 Orgelunterricht gab. Berlinski lernte schnell, und die Orgel wurde zu seinem wichtigsten Instrument. 1954 wurde er Assistenzorganist in der Synagoge Emanu-El, und 1955 gab er sein erstes Orgelkonzert.
Nebenher hatte Berlinski 1953 ein weiterführendes Studium am Jewish Theological Seminary of America (JTSA) aufgenommen, wo er sich musikwissenschaftlich mit den Ursprüngen und der Praxis der altjüdischen Musik auseinandersetzte. Nach Abschluss des Masterstudiums am JTSA begann er dort ein Promotionsstudium im Fach Komposition, das er trotz eines 1958 erlittenen Herzinfarkts im Jahr 1960 abschließen konnte.
1963 trat Herman Berlinski die Stelle des Musikdirektors der Washington Hebrew Congregation an, einer der größten und ältesten jüdischen Reformgemeinden in den USA, weswegen die Familie Berlinski ihren Wohnsitz nach Washington verlegte. Berlinski komponierte weiterhin Musik für den liturgischen Gebrauch sowie zahlreiche weitere Werke. Er wurde häufig zu Vorträgen über jüdische Musik eingeladen und gab viele Orgelkonzerte.
Nach seiner Pensionierung im Jahr 1977 gründete er den Chor Shir Chadash, der elf Jahre bestand. 1981 besuchte Herman Berlinski zusammen mit seiner Ehefrau Sina erstmals nach ihrer Flucht Leipzig, die Stadt ihrer Jugend, wo er zwei Konzerte gab. Auf weiteren Besuchen in Leipzig hielt er Vorträge und gab Konzerte.
Berlinski starb am 27. September 2001 im Sibley Memorial Hospital in Washington nach Herzinfarkten und einem Schlaganfall. Zur Stunde seiner Beisetzung am 30. September wurde ihm zu Ehren anlässlich der Einweihung eines Buntglasfensters in der Washington National Cathedral seine letzte, am 9. September vollendete Komposition Psalm 130 (Shir hamaaloth) aufgeführt.
Berlinskis reiches kompositorisches Schaffen ist weit gefächert, wobei sein jüdisches Erbe und seine jüdische Identität eine wesentliche Rolle spielen. Seine Hauptrichtungen sind dabei
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Berlinski, Herman |
| ALTERNATIVNAMEN | Berlinski, Hermann (bis zu seiner Einbürgerung in die USA) |
| KURZBESCHREIBUNG | jüdisch-US-amerikanischer Komponist, Organist und Chorleiter |
| GEBURTSDATUM | 18. August 1910 |
| GEBURTSORT | Leipzig |
| STERBEDATUM | 27. September 2001 |
| STERBEORT | Washington, D.C. |