Hermann Dannheimer

Hermann Dannheimer (* 9. Dezember 1929 in Markt Taschendorf, Mittelfranken; † 2. Juli 2020) war ein deutscher Mittelalterarchäologe, der besonders die Archäologie des Frühmittelalters in Bayern erforschte.

Leben und beruflicher Werdegang

Hermann Dannheimer studierte nach seinem Abitur Vor- und Frühgeschichte sowie Geographie und Alte Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen und der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1957 wurde er bei dem Frühmittelalterarchäologen Joachim Werner promoviert; seine Dissertation trug den Titel „Die germanischen Funde der späten Kaiserzeit und des frühen Mittelalters in Mittelfranken“. Anschließend war er kurzzeitig beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege tätig. 1958/1959 erhielt er das Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts.

Nach Abschluss des Stipendiums erhielt Dannheimer 1960 eine Stelle bei der Prähistorischen Staatssammlung in München, wo er zunächst in der Nachfolge von Hermann Müller-Karpe die archäologische Sammlung betreute. Später wurde er Vertreter des Dienststellenleiters, wobei er mit der Organisation und Inventarisierung des Depots, mit archäologischen Ausgrabungen, der photographischen Dokumentation der Arbeiten und der Verwaltung der Zweigmuseen der Staatssammlung betraut war. Daneben war er zuständiger Sachbearbeiter für den Fachbereich Frühes Mittelalter. In den Jahren dieser Tätigkeiten wurde er zum Museumsassessor (1961), zum Konservator (1962), zum Oberkonservator (1965) und zum Landeskonservator (1970) ernannt. Von 1984 bis zu seiner Pensionierung zum Jahresende 1994 war er schließlich Direktor der Prähistorischen Staatssammlung. Ein Schwerpunkt seiner Amtszeit war die Einrichtung staatlicher archäologischer Zweigmuseen in Passau, Neuburg an der Donau, Bad Königshofen im Grabfeld, Aichach (Wittelsbachermuseum Aichach), Amberg und Mindelheim (Südschwäbisches Archäologiemuseum Mindelheim). Für die Zweigmuseen in Landau an der Isar (Niederbayerisches Archäologiemuseum) und Neu-Ulm wurden die Planungen begonnen. Neben seinen Aufgabenfeldern im Museum war er allerdings auch an diversen Ausgrabungen beteiligt.

Seit 2008 war Dannheimer Mitglied der Sectio Artium der Bayerischen Benediktiner-Akademie. Auch nach seiner Versetzung in den Ruhestand arbeitete er noch intensiv an der Aufarbeitung und abschließenden Publikation seiner früheren Ausgrabungen. Hermann Dannheimer starb Anfang Juli 2020 im Alter von 90 Jahren und fand auf dem Friedhof von Söcking seine letzte Ruhestätte.

Wissenschaftliches Werk

Ein Fokus seiner wissenschaftlichen Arbeit lag auf der Erforschung frühmittelalterlicher Siedlungen Bayerns. So publizierte er Grabungsberichte und Untersuchungen zur Frühgeschichte der Orte Lauterhofen, Aschheim, Garching bei München, Kirchheim bei München, Pähl und Wielenbach sowie zu den frühmittelalterlichen Siedlungs-, Kirchen- und Friedhofsbefunden bei Epolding-Mühltal. Daneben standen die Klöster des frühen Mittelalters wiederholt im Zentrum seiner Forschungen, vor allem das Kloster Sandau und die Fraueninsel sowie die Herreninsel auf dem Chiemsee. Daneben richtete er sein Interesse auf die Reihengräberfelderzeit und veröffentlichte eine Monographie über das Gräberfeld von München-Aubing. Dieses Reihengräberfeld aus dem 5. bis 7. Jahrhundert wurde etwa einen Kilometer nordöstlich des Ortszentrums von Aubing ausgegraben und umfasste 862 Gräber, in denen 881 Personen bestattet waren. Es handelt sich um eines der größten Gräberfelder in Bayern aus der Umbruchzeit zwischen dem Ende der römischen Herrschaft und den ersten überlieferten Erwähnungen der Bajuwaren.

Publikationen (Auswahl)

Auszeichnungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Zum frühen Werdegang siehe Ludwig Wamser: Hermann Dannheimer zum 70. Geburtstag. In: Dedicatio. Hermann Dannheimer zum 70. Geburtstag. Michael Lassleben, Kallmünz (Opf.) 1999, ISBN 3-7847-5185-7, S. 7–10, hier S. 7 f.
  2. ↑ Zu den beruflichen Stationen und Arbeitsschwerpunkten Ludwig Wamser: Hermann Dannheimer zum 70. Geburtstag. In: Dedicatio. Hermann Dannheimer zum 70. Geburtstag. Michael Lassleben, Kallmünz (Opf.) 1999, ISBN 3-7847-5185-7, S. 7–10, hier S. 8.
  3. ↑ Andrea Lorentzen: Das Archäologische Museum in Ulm. In: Dedicatio. Hermann Dannheimer zum 70. Geburtstag. Michael Lassleben, Kallmünz (Opf.) 1999, ISBN 3-7847-5185-7, S. 249–253, hier S. 249.
  4. ↑ Traueranzeige für Hermann Dannheimer auf der Website der Bayerischen Benediktiner-Akademie, abgerufen am 9. Dezember 2022.
Personendaten
NAME Dannheimer, Hermann
KURZBESCHREIBUNG deutscher Mittelalterarchäologe
GEBURTSDATUM 9. Dezember 1929
GEBURTSORT Taschendorf, Mittelfranken
STERBEDATUM 2. Juli 2020