Herodas (griechisch Ἡρώδας Hērṓdas; auch Herondas oder Heroidas) war ein antiker griechischer Dichter von Mimiamben (Mimen im Choljambus) in der Epoche des Hellenismus. Er stammte wohl aus Kos und lebte im 3. Jahrhundert v. Chr.

Seine Heimat scheint die Insel Kos an der kleinasiatischen Küste gewesen zu sein, die er in den erhaltenen Gedichten (insbesondere Nr. 2, Verse 95ff.; Beschreibung des Asklepieions von Kos im 4. Gedicht) eingehend schildert. Die Insel war von griechischen Dorern besiedelt und zur Zeit des Hellenismus in ein enges wirtschaftliches und kulturelles Beziehungsgeflecht mit anderen Inseln und Städten der Ägäis, Kleinasiens und insbesondere mit Alexandria und dem ptolemäischen Ägypten eingebunden. Kos war selbst ein literarisches Zentrum, in dem auch etwa der Dichter Theokritos wirkte. Herodas scheint literarisch auch in Alexandria gewirkt und dort vermutlich auch gelebt zu haben.
Die Lebens- und Wirkungszeit des Herodas ist nur schwierig zu erschließen, lässt sich aber in die Regierungszeit des ptolemäischen Herrschers Ptolemaios II. Philadelphos (285–246 v. Chr.) datieren. Seine Lebenszeit war entsprechend etwa 310–300 v. Chr. bis 250–240 v. Chr. Er war somit ein Zeitgenosse des Kallimachos und des Theokritos.

Herodas wird in der erhaltenen antiken Literatur erwähnt und zitiert. Von seinen Werken waren zunächst nur 10 Fragmente mit insgesamt 24 Versen überliefert. Diese stammen aus Zitaten bei Johannes Stobaios und Athenaios. 1890 wurden dann zusätzlich 7 komplette Mimiamben und Fragmente zweier weiterer auf einem ägyptischen Papyrus gefunden. Dieser wird in der British Library (Inventarnummer 135 = P.Lit.Lond. 96 = Papyrus Egerton 1) aufbewahrt. Auf dem Papyrus fehlte zwar der Autorname, er ließ sich aber daraus erschließen, dass in den Gedichten mehrere bereits zuvor durch die literarische Überlieferung bekannte, mit Herodas identifizierte Verse enthalten sind. Der Papyrus stammt aus dem 2. Jahrhundert n. Chr.
In seinen Geschichten kommen vorwiegend Menschen aus den unteren Klassen wie Bordellwirte und Sklaven vor. Herodas war ein Nachahmer des ionischen Dichters Hipponax, der für seine Mimiamben, das sind „dialogische komische oder satirische Gedichte“ in der Form eines Choljambus, bekannt war.
Exzerpte aus Herodas’ Werken wurden in den Jahrhunderten nach Herodas’ Tod von Grammatikern wie Aristophanes von Byzanz und Didymos Chalkenteros erstellt. Über Gnomologien und Florilegien, also Sammlungen von Sinnsprüchen und Sentenzen, wurden Zitate und einzelne Verse bis in die Spätantike überliefert. Von einer Jahrhunderte andauernden Tradition direkter Abschriften seiner Mimiamben zumindest in Ägypten zeugt das aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. stammende Londoner Papyrus.
Als direkte literarische Nachfolger des Herodas sind die römischen Schriftsteller Gnaeus Matius (1. Jahrhundert v. Chr.) sowie durch Briefe Plinius des Jüngeren Vergilius Romanus und Gnaeus Arrius Antoninus (beide 1. Jahrhundert n. Chr.) namentlich bekannt. Sie alle schrieben ebenfalls Mimiamben – Matius sowie Vergilius Romanus schrieben auf Latein, Arrius Antoninus auf Griechisch. Von ihren Dichtungen sind jedoch nur wenige Fragmente erhalten. Anklänge an Herodas lassen sich ansonsten auch bei Plutarch und Alkiphron feststellen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Herodas |
| ALTERNATIVNAMEN | Ἡρώδας (griechisch); Herondas; Heroidas |
| KURZBESCHREIBUNG | griechischer Dichter |
| GEBURTSDATUM | 4. Jahrhundert v. Chr. |
| GEBURTSORT | unsicher: Kos |
| STERBEDATUM | 3. Jahrhundert v. Chr. |