Hieropolis (Pentapolis)

Koordinaten: 38° 27′ 42,4″ N, 30° 11′ 51,7″ O

Karte: Türkei
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Hieropolis (Pentapolis)​
Lage von Hieropolis in der heutigen Provinz Afyonkarahisar

Hieropolis (altgriechisch Ἱερόπολις Hierópolis), in literarischen Texten auch Hierapolis (Ἱεράπολις Hierápolis), war eine antike griechische Stadt der Phrygischen Pentapolis. Die Stadt lag in der Talebene von Sandıklı in der Nähe des heutigen Koçhisar und gehörte ab der Reichsreform des Jahres 285 unter Kaiser Diokletian zur Provinz Phrygia secunda, später Phrygia Salutaris genannt, in der Dioecesis Asiana.

Die Lage gilt wegen der drei Kilometer südlich gelegenen heißen Thermalquellen von Hüdai Kaplıcası, dem mittelalterlichen Agros Thermon, als gesichert. Zudem wurde im nahe gelegenen Kuyucak ein Meilenstein mit der Entfernungsangabe „1 Meile“ bis Hieropolis gefunden. Weitere Inschriften mit Nennung der Stadt stammen aus dem allerdings 24 Kilometer entfernten Kozluca im Distrikt Acıpayam. Möglicherweise ist auch ein bei Strabon erwähntes Hierapolis auf den Ort zu beziehen. Die Zugehörigkeit zur Phrygischen Pentapolis ergibt sich aus der Städteliste, die unter dem Namen Synekdemos dem spätantiken Geographen Hierokles zugeschrieben wird. Ab der Zeit Nervas prägte die Stadt Münzen, auf denen sie sich selbst Hieropolis nennt. Unter Mark Aurel zeichnete ein Asiarch verantwortlich für die Münzprägung.

Die Siedlung scheint den wenigen Funden an Quadern und Keramikfragmenten zufolge nördlich und westlich des modernen Koçhisar gelegen zu haben. Architekturfragmente vor Ort stammen vor allem aus mittelbyzantinischer Zeit. Ende des 19. Jahrhunderts fand William Mitchell Ramsay nördlich von Koçhisar noch Reste eines Peripteraltempels, von dem heute keine Spuren mehr vorhanden sind. Unter anderem wurden mehrere Grabaltäre des 3. Jahrhunderts in Hieropolis gefunden.

Berühmt wurde die Stadt wegen der von William Mitchell Ramsay in Agros Thermon gefundenen zwei Fragmente einer Grabinschrift, die zum Grab des Aberkios gehörten. Dessen auf das 4. (?) Jahrhundert zurückgehende Heiligenvita zitiert, wie man schnell erkannte, die von Ramsay gefundene Grabinschrift des Aberkios wörtlich. Dies ermöglicht einerseits die Rekonstruktion der Inschrift, anderseits konnte die Herkunft des Aberkios bestimmt werden, denn zuvor war man davon ausgegangen, dass das ebenfalls phrygische Hierapolis dessen Heimat war. Darüber hinaus versucht man aus der Vita des Aberkios Rückschlüsse auf die Geschichte der Stadt zu ziehen. Demnach habe sie einen Apollontempel besessen. Agros Thermon sei auf Betreiben des Aberkios von angeforderten römischen Baumeistern gebaut worden. Außerdem habe er eine kaiserliche Getreidespende in Höhe von 3000 Modi (rund 26.000 Liter) jährlich erwirkt, die erst unter Kaiser Julian eingestellt worden sei.

Obwohl Aberkios in der Vita als Bischof bezeichnet wird und laut derselben Quelle auch sein Nachfolger im Amt den Namen Aberkios getragen haben soll, ist erst auf dem Konzil von Chalkedon im Jahr 451 ein Bischof aus Hieropolis historisch nachweisbar. Dessen Name war wiederum Aberkios, was auf lokale Tradition oder gar familiäre Verbindung deuten könnte. Für Eckhard Wirbelauer liegt die Vermutung nahe, „auch die Entstehung des Archetypus der literarischen Überlieferung [der Vita] mit ihm in Verbindung zu bringen.“ In den Bistümerverzeichnissen bis in das 12. Jahrhundert werden die Bischöfe von Hieropolis als Suffragane des Titularerzbistums Synnada in Phrygia geführt.

Literatur

Anmerkungen

  1. ↑ Inscriptiones Graecae ad res Romanas pertinentes 4,695; William Mitchell Ramsay: The Cities and Bishoprics of Phrygia. Being an essay of the local history of Phrygia from the earliest times to the Turkish conquest. Band 1,2: West and West-Central Phrygia. Clarendon Press, Oxford 1897, S. 698 f. Nr. 630.
  2. ↑ Klaus Belke, Norbert Mersich: Tabula Imperii Byzantini. Band 7: Phrygien und Pisidien. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1990, S. 272
  3. ↑ Strabon Geographika 9,5,16 (9,437); Walther Ruge: Hieropolis 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VIII,2, Stuttgart 1913, Sp. 1588. Eher ablehnend Klaus Belke, Norbert Mersich: Tabula Imperii Byzantini. Band 7: Phrygien und Pisidien. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1990, S. 272.
  4. ↑ Hierokles, Synekdemos 676,9 (Digitalisat).
  5. ↑ Friedrich Imhoof-Blumer: Kleinasiatische Münzen. Band 1. Hölder, Wien 1901, S. 243 f. (Digitalisat); Barclay Vincent Head: Historia Numorum. A Manual of Greek Numismatics. 2. Auflage. Clarendon Press, Oxford 1911, S. 677 f. (Digitalisat).
  6. ↑ William Mitchell Ramsay: The Cities and Bishoprics of Phrygia. Being an essay of the local history of Phrygia from the earliest times to the Turkish conquest. Band 1,2: West and West-Central Phrygia. Clarendon Press, Oxford 1897, S. 680.
  7. ↑ Klaus Belke, Norbert Mersich: Tabula Imperii Byzantini. Band 7: Phrygien und Pisidien. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1990, S. 272.
  8. ↑ Peter Thonemann (Hrsg.): Monuments from Phrygia and Lykaonia (= Monumenta Asiae Minoris Antiqua. Band 11). Recorded by M. H. Ballance, W. M. Calder, A. S. Hall, and R. D. Barnett. Society for the Promotion of Roman Studies, London 2013, S. 144 Nr. 143, 148 Nr. 146; William Hepburn Buckler, William Moir Calder, Christopher W. M. Cox: Asia Minor, 1924. III. – Monuments from Central Phrygia. In: The Journal of Roman Studies. Band 16, 1926, S. 53–94, hier S. 54 Nr. 171
  9. ↑ Hans Reinhard Seeliger, Wolfgang Wischmeyer: Märtyrerliteratur. Herausgegeben, eingeleitet, übersetzt und kommentiert (= Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur. Band 172). Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2015, ISBN 978-3-11-032153-1, S. 407–468 (mit Text und Übersetzung der Vita und der Inschrift).
  10. ↑ Adolf Jülicher: Avircius. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II,2, Stuttgart 1896, Sp. 2393 f.
  11. ↑ Zur Diskussion bezüglich der Historizität einzelner Aspekte der Vita siehe etwa Hans Reinhard Seeliger, Wolfgang Wischmeyer: Märtyrerliteratur. Herausgegeben, eingeleitet, übersetzt und kommentiert (= Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur. Band 172). Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2015, S. 467.
  12. ↑ Klaus Belke, Norbert Mersich: Tabula Imperii Byzantini. Band 7: Phrygien und Pisidien. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1990, S. 273.
  13. ↑ Eduard Schwartz (Hrsg.): Concilium Universale Chalcedonense. Volumen I: Acta Graeca. Pars I: Epistularum collectiones. Actio prima (= Acta Conciliorum Oecumenicorum. Tomus II. Volumen I) De Gruyter, Berlin/Leipzig 3, S. 63 Nr. 283, und Volumen VI: Prosopographia et Topographia actorum Chalcedonensium et encyclicorum, indices (= Acta Conciliorum Oecumenicorum. Tomus II. Volumen VI). De Gruyter, Berlin/Leipzig 1937, S. 7.
  14. ↑ So Stephen Mitchell: The Christians of Phrygia from Rome to the Turkish Conquest (= Early Christianity in Asia Minor. Band 4; = Ancient Judaism and Early Christianity. Band 117). Brill, Leiden 2023, ISBN 978-90-04-54637-0, S. 94.
  15. ↑ Eckhard Wirbelauer: Aberkios, der Schüler des Reinen Hirten, im Römischen Reich des 2. Jahrhunderts. In: Historia. Band 51, 2002, S. 359–382, hier S. 376 Anm. 34 (PDF); siehe auch Hans Reinhard Seeliger, Wolfgang Wischmeyer: Märtyrerliteratur. Herausgegeben, eingeleitet, übersetzt und kommentiert (= Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur. Band 172). Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2015, S. 467 f.
  16. ↑ Klaus Belke, Norbert Mersich: Tabula Imperii Byzantini. Band 7: Phrygien und Pisidien. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1990, S. 273.