Himmelsgedanken, der Gedichtband Karl Mays, erschien Weihnachten 1900 im Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld außerhalb der Reihe der Gesammelten Reiseerzählungen. Er verkaufte sich schlecht.
Karl Mays Himmelsgedanken sind eine literarische Frucht seiner Orientreise. In der Abwendung von der direkten Verarbeitung der Reiseeindrücke in der Form des lyrischen Reisetagebuchs zugunsten abstrakter religiöser „Lehrgedichte“ sowie der Spannung zwischen der Botschaft optimistischer Glaubenszuversicht und der Häufung schwermütiger Motive sind sie ein Zeugnis der schwierigen psychischen Situation, die May während der realen Begegnung mit dem Orient einerseits niederdrückte, ihm aber andererseits Impulse für seine literarische Neuorientierung gab. Auf der philosophisch-spirituellen Ebene ist das Buch die Nahtstelle zwischen den „klassischen“ Reiseerzählungen und dem Alterswerk. Überwiegend weisen seine Inhalte auf die von einem traditionellen biblisch-christlichen Denken geprägten religiösen Reflexionen in den vor der Jahrhundertwende entstandenen Werken zurück. In mehreren Gedichten und Aphorismen schlägt das Werk aber eine Brücke zu der „Reise in ein inneres Morgenland“, auf die sich May ab dem Beginn der Niederschrift von Et in terra pax im Frühjahr 1901 aufmachte.
Die meisten der Gedichte entstanden auf Karl Mays Orientreise.
Er verwendete einige auch wiederholt für Gästebucheinträge oder Buchwidmungen.
Ein geplanter zweiter Band der Himmelsgedanken (1903, als Handschrift erhalten) blieb unveröffentlicht.
Nach der Auslieferung zu Weihnachten 1900 (1.-5. Tausend) erschien Mays Gedichtsammlung erst wieder 1918, diesmal nicht mehr als Separatausgabe, sondern unter dem Titel Lichte Höhen als Band 49 im Format und Gewand der Gesammelten Werke.
1921 gab es eine um das Drama Babel und Bibel erweiterte Auflage in verschiedenen Ausstattungen.
Eine stark bearbeitete Fassung lag dann Mitte der 1930er Jahre zwar bereits vor, wurde aber nur in wenigen Exemplaren in Form von unvollständigen Umbruch-Druckbögen verbreitet. 1956 wurde schließlich der Band 49 mit einer stark bearbeiteten Himmelsgedanken-Fassung wieder gedruckt.
Im Jahre 1988 erschien im Union Verlag Berlin-Ost eine unbearbeitete Fassung, in der allerdings die Aphorismen fehlen.
1998 wurde Band 49 wieder der Erstausgabe textlich angeglichen. Ein vollständiger Reprint der Erstausgabe, herausgegeben von Ralf Schönbach, erschien 2005 bei Books on Demand, Norderstedt.
Für sein 2006 in der Lutherkirche Dresden-Neustadt uraufgeführtes Oratorium Wo der Herr nicht das Haus baut … verwendete Günter Neubert elf Gedichte aus den Himmelsgedanken (1988, Union-Verlag), und zwar:
Gerhard Dahne schrieb 1988 in seinem Vorwort zu den Himmelsgedanken:
Aufgrund einer Analyse des in Aden entstandenen Gedichts Im Alter konstatierte Christoph F. Lorenz 1982 eine Mischung zwischen „resignative(r) Herbststimmung“ aufgrund der Presseangriffe sowie der „drohenden Verschlimmerung seiner Ehekrise“ und positiver Entschlossenheit zu einem literarischen und menschlichen Neuanfang.
Walter Schönthal und Reinhard Tschapke, die ebenfalls konkret auf Im Alter Bezug nehmen, stellten 2001 fest, dass „(v)iele der Gedichte (…) auch einen düsteren Unterton (besitzen)“ und sich „in ihnen (…) Probleme und Phasen der Resignation (spiegeln), mit denen May zur Zeit der Entstehung des jeweiligen Gedichtes zu kämpfen hatte“.
Und: Karl May selbst hat in einem Brief vom 9. August 1907 an Karl Hoeber, den Nachfolger von Hermann Cardauns als Hauptredakteur der Kölnischen Volkszeitung, auf eine psychologische Ebene der Himmelsgedanken hingewiesen: „Dabei enthält das Buch nicht ein einziges lyrisches Wort, sondern nur gereimte psychologische Perspectiven!“ Dies könnte zumindest ein Indiz dafür sein, dass dem Schriftsteller die Existenz einer autobiografischen Ebene der Himmelsgedanken bewusst gewesen sein könnte, wenn der späte May auch unter „Psychologie“ eher sein spirituell-ethisches Modell des Menschen und seiner Entwicklung verstand.
Und Hartmut Wörner urteilte 2017 in seinem Beitrag Zwischen Depression und Aufbruch:
Eine Übersicht über einzelne im Internet zugängliche Karl-May-Gedichte findet sich im Karl-May-Wiki.