Hitzebelastung am Arbeitsplatz

Hitzebelastung am Arbeitsplatz bezeichnet die Belastung von Beschäftigten durch hohe Temperaturen während der Arbeit und die folgenden Risiken für Gesundheit, Arbeitssicherheit und Produktivität. Mit der Zunahme von Hitzewellen infolge der globalen Erwärmung gewinnt das Thema im Arbeitsschutz und wirtschaftlich an Bedeutung. Sowohl Tätigkeiten im Freien als auch Arbeitsplätze in Innenräumen sind betroffen.

Gesundheitliche Auswirkungen

Hohe Temperaturen belasten das Herz-Kreislauf-System, weil der Körper zur Wärmeabgabe vermehrt schwitzt und die Blutgefäße weitet. Dadurch sinkt der Blutdruck und das Herz muss seine Pumpleistung erhöhen. Mögliche Folgen reichen von Kopfschmerzen, Erschöpfung und Konzentrationsstörungen bis zu Hitzeerschöpfung und dem lebensbedrohlichen Hitzschlag. Da unter Hitzebedingungen die Konzentration sinken kann, steigt das Risiko von Arbeitsunfällen. Besonders gefährdet sind ältere Beschäftigte, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen.

Bei Arbeit im Freien kommt die Belastung durch UV-Strahlung hinzu, die von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als krebserregend (Gruppe 1, Einstufung als ähnlich krebserregend wie Asbest oder Tabak) eingestuft ist. Als langfristige Folge kann Hautkrebs auftreten. In Deutschland erkranken jährlich bis zu 355.000 Menschen an Hautkrebs; für 2024 wies das Statistische Bundesamt rund 4.600 Todesfälle aus; das waren 65,1 % mehr als im Vergleichsjahr 2004.

Betroffene Beschäftigte

In Deutschland arbeiten schätzungsweise etwa 3 Millionen Menschen überwiegend oder zeitweise im Freien und sind dort unmittelbar Hitze und UV-Strahlung ausgesetzt. Besonders betroffen sind zum Beispiel Beschäftigte in der Bauwirtschaft, im Gartenbau, in der Land- und Forstwirtschaft, im Bereich Verkehr, Sicherheit sowie Straßenbau. Hohe Belastungen treten allerdings auch an heißen Arbeitsplätzen in Innenräumen auf, etwa in schlecht gedämmten Werkhallen, in Industrie- und Gewerbeanlagen oder Bürogebäuden. Insbesondere kommt es zu Hitzebelastung, wenn ein hoher Versiegelungsgrad, etwa im Bereich von Innenstädten oder Gewerbegebieten und Industriegebieten, zu ausgeprägten Wärmeinseln führt.

Wirtschaftliche Folgen

Hitze mindert die Leistungsfähigkeit und erhöht die Zahl der Krankheitstage. Nach Angaben der Bundesregierung verdoppelte sich die Zahl der hitze- und sonnenbedingten Krankschreibungen zwischen 2008 und 2017 von 17.700 auf etwa 40.500. Eine 2026 veröffentlichte Auswertung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung auf Basis von AOK-Daten ermittelte, dass die Zahl der Krankmeldungen an einem Tag mit über 30 °C um rund 3,5 %, nach sieben aufeinanderfolgenden Hitzetagen um 10,8 % steigt. So kann eine dreitägige Hitzewelle allein durch Lohnfortzahlungen bereits zusätzliche Kosten von rund 32 Millionen Euro verursachen. Global gingen hitzebedingt im Jahr 2023 bis zu 512 Milliarden Arbeitsstunden verloren. Dies entspricht potenziellen Einkommensverlusten von 835 Milliarden US-Dollar.

Schutzmaßnahmen

Der Arbeitsschutz unterscheidet technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen. Zu den technischen zählen Sonnenschutz, Wärmedämmung, Kühlung und das nächtliche oder morgendliche Lüften von Räumen. Unter organisatorische Maßnahmen fallen u. a. die Verlagerung der körperlich schweren Arbeit in kühlere Tageszeiten, flexible Arbeitszeiten, zusätzliche Pausen und die Bereitstellung von Trinkwasser. Personenbezogene Maßnahmen sind u. a. angepasste, luftdurchlässige Arbeitskleidung sowie Sonnenschutzmittel und Kopfbedeckung bei Arbeit im Freien.

Zunehmend werden auch Hitzeschutzpläne für Betriebe und Einrichtungen sowie die Unterstützung von umweltfreundlichem Verhalten empfohlen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Hannah Klauber, Nicolas Koch, Nico Pestel: The Immediate and Lasting Effects of Heat Waves On Workers. Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (LISER), Oktober 2025, abgerufen am 15. Juli 2026.
  2. ↑ S. Bauer, K. Bux, F. Dieterich et al.: Klimawandel und Arbeitsschutz. Hrsg.: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. 1. Auflage. Dortmund 2022, S. 108, doi:10.21934/baua:bericht20220601 (Bauer, K. Bux, F. Dieterich, Online).
  3. ↑ Zukunft der Arbeit. Medienservice Klima & Gesundheit, 17. Juni 2026, abgerufen am 15. Juli 2026.
  4. 1 2 Gesundheitsrisiken durch Hitze. Umweltbundesamt, 24. November 2025, abgerufen am 15. Juli 2026.
  5. ↑ Julia Frese: „Bei Hitze steigt auch das Unfallrisiko“. In: Arbeit & Gesundheit. 20. Mai 2021, abgerufen am 15. Juli 2026 (deutsch).
  6. ↑ Schutz vor UV-Strahlung der Sonne. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, abgerufen am 15. Juli 2026.
  7. ↑ Weiterhin hohe Zahlen: 355.000 Hautkrebsfälle im Jahr 2026 erwartet. Deutsches Krebsregister, 29. April 2026, abgerufen am 15. Juli 2026.
  8. ↑ Zahl der stationären Hautkrebsbehandlungen binnen 20 Jahren nahezu verdoppelt. DESTATIS - Statistisches Bundesamt, 28. Mai 2026, abgerufen am 10. Juli 2026.
  9. ↑ Bettina Huck: Arbeiten im Freien. Haufe, abgerufen am 15. Juli 2026.
  10. ↑ K. Gabriel, K. Bux: Arbeitsschutz im Klimawandel - Hitzebelastung durch überwärmte Gebäude in der warmen Jahreszeit. Hrsg.: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. 1. Auflage. Dortmund 2022, S. 10, doi:10.21934/baua:fokus20220908 (Online).
  11. ↑ Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (Hrsg.): Gewerbegebiete − klimaangepasst und fit für die Zukunft! Praxisbeispiele aus Kommunen und Unternehmen. Oktober 2021 (Online [PDF]).
  12. ↑ Mehr Arbeitnehmer wegen Hitze krankgeschrieben. In: Deutsches Ärzteblatt. 23. Juli 2019, abgerufen am 15. Juli 2026.
  13. ↑ AOK-Bundesverband: Studie auf Basis von AOK-Daten zeigt wirtschaftliche Schäden durch länger anhaltende Hitzeperioden. AOK, 3. Juni 2026, abgerufen am 15. Juli 2026 (deutsch).
  14. ↑ Marina Romanello, Maria Walawender, Shih-Che Hsu et al.: The 2024 report of the Lancet Countdown on health and climate change: facing record-breaking threats from delayed action. In: Lancet. Band 404, Nr. 10465, 9. November 2024, ISSN 1474-547X, S. 1847–1896, doi:10.1016/S0140-6736(24)01822-1, PMID 39488222, PMC 7616816 (freier Volltext) – (englisch, Online [abgerufen am 15. Juli 2026]).
  15. ↑ Hohe Raumtemperaturen in Arbeitsstätten. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, abgerufen am 15. Juli 2026.
  16. ↑ Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.): Sommerhitze im Büro - Tipps für Arbeit und Wohlbefinden. 5. Auflage. Dortmund 2019, doi:10.21934/baua:praxiskompakt20180424 (Online).
  17. ↑ Akut-Tipps: Erste Schritte für Hitzeschutz am Arbeitsplatz. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, abgerufen am 15. Juli 2026.
  18. ↑ Sachverständigenrat für Umweltfragen (Hrsg.): Politik in der Pflicht: Umweltfreundliches Verhalten erleichtern. 2023, ISBN 978-3-947370-23-8 (Online [PDF]).