Horheim Gemeinde Wutöschingen | |
|---|---|
| Koordinaten: | 47° 39′ N, 8° 21′ O |
| Höhe: | 390 m |
| Einwohner: | 1960 (2022) |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1975 |
| Postleitzahl: | 79793 |
| Vorwahl: | 07746 |
Das Dorf Horheim ist ein Ortsteil der Gemeinde Wutöschingen mit 1992 Einwohnern (Stand: 30. Juni 2011) im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg.
Horheim liegt am östlichen Rand des Südschwarzwalds (Schwarzwaldabdachung) auf 373 m ü. NN am rechten Ufer der Wutach, südwestlich des Kernortes Wutöschingen. Die Wutach wurde auf Gemarkung Horheim durch Bau und Unterhaltung von Wehre und des Mühlkanals für Mahlmühlen und Turbinen wirtschaftlich nutzbar gemacht. Beim Kanal Richtung Wutöschingen gab es in den früheren Jahren noch ein „Maidlebad“ und ein „Bubenbad“, das sich beim Kanalauslauf in die Wutach befand.
Zu Horheim gehören das Dorf Horheim, der Zinken Höfe (Horheimerhöfe, ehemals Lütislo [1347]) und die Höfe Hölzlehof (Linsenbodenhof) und Löchlehof (Hofgut Dörneck).
Aus der Frühzeit registrierte Egon Gersbach mehrere Steinbeile, Klingen aus Funden zwischen 1908 und 1940, teils mir „Verbleib: Früher Priv.-Slg. F. Maurer, Horheim“ benannt. Aus späterem Jahrhundert stammt der Fund einer spätrömischen Zwiebelknopffibel bei Horheim.
Die Namensendung zu „Lütisloh“ (= Horheimer Höfe) mit dem Suffix -lôh scheint alemannischen Ursprungs zu sein. Dies korrespondiert mit der von der Wutach abgeschiedenen Lage, während die Namensendung -heim für eine Siedlungsgründung im Zuge der fränkischen Landnahme spricht. Als „Heim am Sumpf“ (‚Hor‘) erhielt der Ort dann nach der Unterwerfung der Alamannen durch die fränkischen Merowinger im 6. oder 7. Jahrhundert seinen Namen.
Erst ab dem Spätmittelalter existieren gesicherte schriftliche Quellen für die Ortsnamen. Die erstmalige urkundliche Erwähnung des Ortsnamens „Horheim“ stammt aus dem Jahr 1303, von „Lütisloh“ aus dem Jahr 1307.
„Das Dorf wird 1315 urkundlich als Horhain erwähnt. 1433 hieß es Horhan und 1601 Harhaim.“
Horheim und Lütisloh (Höfe), Wutöschingen und Schwerzen gehörten zum Wutenamt auch Wuottendal, deren Gemarkungen teils dem Klettgau, teils dem Alpgau zugehörten. Das Wutenamt wurde verwaltet von den großen Meierhöfen (Lütisloh, Berauer Hof von 1722, abgebrochen im Mai 2013). Ein eigenes Amtshaus bestand im Wutenamt nicht.
Der gesamte Klettgau war einst ein Besitz der Herren von Krenkingen. Der größte Teil der heutigen Gemarkung befand sich zu dieser Zeit im kirchlichen Besitz des Klosters Berau, dessen organisatorischer Mittelpunkt der Dinghof Lütisloh bildete. Er wurde nachweisbar in einem Dingrodel für das Jahr 1307 genannt. Unter Heinrich II. von Krenkingen, der Stadtgründer von Tiengen, begann jedoch der Niedergang des Geschlechtes.
In Geldnot geraten veräußerten die Krenkinger die Herrschaft im Jahr 1361 an die im Linzgau ansässigen Herren von Hohenfels, welche sie 1410 an die aus dem Zürichgau stammenden Edlen von Rumlang verkauften. Über diese kam die Herrschaft im Jahre 1488 durch Kauf an die Grafen von Lupfen, die den Besitz zur eigentlichen Herrschaft ausgebildeten, woraufhin die landgräfliche Herrschaft dann zum ersten Mal deutlich in den Urkunden erschien.
Nach ihrem Aussterben im Jahre 1582 gelangte die Herrschaft durch Erbschaft an die Reichsmarschälle von Pappenheim. 1603 verkaufte Maximilian von Pappenheim, Landgraf zu Stühlingen, die Herrschaft Wutental an Karl Ludwig zu Sulz und final 1639 an die Fürsten von Fürstenberg. Horheim war bereit im 16. Jahrhundert der Sitz eines Obervogtes, dem die Herrschaft unterstellt war. Ebenso wie Degernau ist Horheim ein alter Wallfahrtsort mit der Antoniuskapelle aus dem Jahre 1687.
Noch vor 1691 wurde das noch heute bestehende Stühlingische Vogthaus, auch „Schlößle“ genannt, errichtet. Bekanntester Vogt war Hans Martin Büche er stammte vom Berauer Hof. Er war zugleich Schaffner für St. Blasien und besaß 14 Höfe, eine Mühle und umfangreichen Landbesitz. Später war in diesem Haus die Wirtschaft „Rebstock“, heute Privathaus.
In Horheim lebten im 17. und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts einige jüdische Familien, die vermutlich der Synagogengemeinde Stühlingen oder Tiengen angehörten. 1743 wurden die Horheimer Juden wie diejenigen aus Stühlingen ausgewiesen.
Horheim unterstand mit allen Rechten der fürstenbergische Landgrafschaft Stühlingen. Nach dem frühen Tod des Fürsten von Fürstenberg wurde 1806 die Landgrafschaft aufgrund der Rheinbundakte im Gefolge des Reichsdeputationshauptschlusses mediatisiert dem Großherzogtum Baden zugeschlagen, das bis 1871 als souveräner Staat bestand. Der Ort kam 1807 zum standesherrlichen Amt Stühlingen, das ab 1809 dem badischen Donaukreis mit Sitz in Villingen zugeordnet war. 1813 wurde Horheim dem standesherrlichen Amt Tiengen zugeschlagen, es war ab 1813 dem Wiesenkreis zugeordnet und wurde 1819 aufgehoben. Horheim kam daraufhin 1819 zum Bezirksamt Stühlingen und war dessen südlichste Gemeinde. Der Amtsbezirk Stühlingen zählte zum badischen Seekreis.
Anfang des 19. Jahrhunderts wurden durch den badischen Ingenieur Johann Gottfried Tulla Pläne aufgestellt, die Wutach, deren Hochwasser das Tal immer wieder überschwemmte und in eine Sumpflandschaft mit zahlreichen Flussarmen verwandelt hatte, abschnittsweise einzudämmen und auszubauen. Erst nach dessen Ableben wurden während der Jahre 1837/39 die Pläne realisiert.
Von 1826 bis 1889 wanderten vor allem aufgrund wirtschaftlicher Ursachen 32 Personen aus Horheim aus. Im Jahr 1844 wurde der Ortsteil „Im Thal“ durch einen Brand vernichtet.
1857 wurde das Bezirksamt Stühlingen aufgehoben und dem Bezirksamt Bonndorf zugeteilt. Ab 1864 war das Bezirksamt Bonndorf Teil des Kreises Waldshut.

Nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918), in dem die Gemeinde 17 Kriegstote beklagte, gehörte sie bis 1933 zur Republik Baden. 1924 war das Bezirksamt Bonndorf aufgehoben worden und Horheim wurde dem Bezirksamt Waldshut zugeteilt. Ab 1936 war Horheim selbstständige Gemeinde des Landkreises Waldshut.
Zur lokalen Infrastruktur gehörten noch viele Handwerksbetriebe, ein Schuhmacher, ein Wagner, der gleichzeitig Leichenschauer und Sargmacher war, eine Schmiede, eine Wagnerei, ein Malergeschäft, eine Sattlerei, eine Polsterei und ein Hafnerbetrieb (Töpferei Lenz). Damals war Horheim als Wallfahrtsort beliebt. Viele der Wallfahrer besuchten nach dem Wallfahrtsgottesdienst am Freitag, diese Töpferei, um Töpfereien zu kaufen. 1934 wurde in der Horheimer Hafnerei sogar ein Lehrfilm gedreht. Zu Beginn der 1940er Jahre wurde der Betrieb geschlossen. Eine Gruppe junger Künstler versuchte um 1948 die Wiederbelebung, doch bereits nach zwei Jahren gab man wieder auf.
Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939–1945) wurde das vorwiegend landwirtschaftlich geprägte Horheim von den Franzosen besetzt und somit Teil der französischen Besatzungszone. Ab 1945/46 war die Gemeinde Südbaden zugeordnet, das 1952 im heutigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. In den Nachkriegsjahren gewann Horheim durch Neubau mehr Einwohner; Familien mit Kindern ließen sich nieder.
Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Horheim mit Wirkung vom 1. Januar 1975 nach Wutöschingen eingemeindet.
Die Einwohnerentwicklung von Horheim:
| Datum | Einwohner |
|---|---|
| 1817 | 403 |
| 1848 | 564 |
| 1933 | 524 |
| 1939 | 613 |
| 1961 | 887 |
| 1970 | 1267 |
Das Wappen der ehemals selbständige Gemeinde Horheim zeigt in Rot mit blau-silbernem Wolkenbord (abgeleitet aus dem Fürstenbergischen Wappen), zwei schräggekreuzte goldene Schlüssel mit den Bärten nach oben und auswärts gekehrt, die das Symbol der ehemaligen Vogtsfamilie Büche darstellen.
Seit längerer Zeit bestehen zwischen dem Stadtteil Horrheim, Vaihingen an der Enz, und dem Ortsteil Horheim partnerschaftliche Verbindungen. Eingeleitet wurden die Kontakte des damaligen Ortschaftsrates mit Kurt Büche und Klaus Bramm aus Horrheim.

Der Bahnhof Horheim lag früher westlich des Ortskerns und war ein Haltepunkt der Wutachtalbahn. Der Streckenabschnitt der Wutachtalbahn zwischen Lauchringen über Horheim nach Immendingen an der jungen Donau wurde in mehreren Etappen zwischen 1875 und 1890 fertiggestellt. Bis 1978 besaß Horheim einen eigenen Bahnhof mit Güterhalle. An ihn erinnert heute nur noch die Bahnhofstraße.
Parallel zur Bahnlinie verläuft der Südschwarzwaldradweg als Rundweg von Hinterzarten über Waldshut-Tiengen, Basel und Freiburg rund um den Naturpark Südschwarzwald. Der Südschwarzwaldradweg führt von Eggingen über Ofteringen, Degernau und Wutöschingen nach Schwerzen und Horheim und weiter nach Lauchringen. In diesem Abschnitt parallel verläuft der Schwarzwald-Panoramaradweg von Pforzheim nach Waldshut-Tiengen.
Horheim liegt an der Bundesstraße 314, der ehemaligen Landstraße Waldshut–Stühlingen.
In Horheim gibt es seit 1958 einen Kindergarten und die 1996 neugebaute Grundschule (Auswiesenschule Horheim-Schwerzen).

Auf dem Platz der Horheimer Mühle (erstmals erwähnt 1629 – abgebrannt am 2. Januar 1889) errichtete Henry Scheibli 1894 eine Zwirnerei. Das Wasser der Wutach wurde über ein Wehr im Mühlekanal hergeleitet. Verkehrsgünstig war auch der nahegelegene Bahnhof der Wutachtalbahn (eröffnet 1890). Von hier aus entstand um 1970 ein Industriegebiet: der kontinuierlich wachsende Gewerbepark Horheim.
Seither haben sich zahlreiche Firmen angesiedelt, insbesondere die Aluminiumverarbeitung ist hier traditionell vertreten. Daneben gibt es Handel- und Handwerksbetriebe wie Fensterbau, Schreinerei, Kaninchenstallbau, Bestatter, Steinbildhauer, Kfz-Werkstatt, Fahrzeughandel, Beschrifter, Maschinen- und Anlagenbau, Gerüstbau, Transportunternehmen sowie ein Fitnessstudio. Der Gewerbepark Horheim erhielt (2021) eine neue Straßenanbindung an die B314. Die bisherige Wutachbrücke zwischen Horheim und Schwerzen wurde erneuert.