Horst Dequin

Horst Friedrich Ernst Dequin (* 9. April 1927 in Neeberg, Ortsteil von Krummin; † 17. Juli 2008 in Stendal) war ein deutscher Tropenlandwirt. Er gehörte zu den ersten Entwicklungshelfern und hat seinen Einsatz sowohl in fachlichen Veröffentlichungen als auch unter allgemeinen Gesichtspunkten beschrieben und beurteilt.

Horst Dequin, Rom 1975

Leben

Dequin wurde als ältester Sohn des Gärtners und Landwirts Alfred Dequin und dessen Ehefrau Käthe geb. Lüder in Neeberg auf der Insel Usedom geboren. Von 1952 bis 1955 absolvierte er ein Studium der Landwirtschaft an der Technischen Universität Berlin, das er mit Diplom abschloss. 1963 erhielt er seine Promotion am Institut für Ausländische Landwirtschaft der TU Berlin.

Er nahm als junger Soldat am letzten Kriegsjahr des Zweiten Weltkriegs teil und absolvierte, nachdem er seine Heimat aufgrund von Verfolgungen verlassen musste, eine Gartenbaulehre in Hamburg und arbeitete anschließend als Gehilfe im Jungpflanzen- und Saatbaubetrieb Robert Mayer in Bamberg. Sein frühes Interesse an der Hydroponik brachte ihn 1948 an die Hamburgische Electricitäts-Werke, für die er mit Fritz Morlang aus Hamburg-Duvenstedt auf der Kraftwerksinsel Tiefstack eine Versuchsgärtnerei für Hydrokultur und Abwärmeverwertung anlegte. Anschließend begann er im Herbst 1949 in Weihenstephan ein Gartenbaustudium, in dem er sich weiter in dieses neue Kulturverfahren vertiefte. Um sein weiteres Studium finanzieren zu können, unterbrach er 1951 sein Studium, um beim Versuchs- und Beratungsring e. V. in Hamburg zu arbeiten. 1952 setzte er das Studium an der Technischen Universität Berlin fort, das er 1955 mit dem Diplom abschloss. 1963 wurde er zum Thema Agrarhilfe am Institut für Ausländische Landwirtschaft der TU Berlin promoviert.

Von Oktober 1955 bis Ende Oktober 1959 baute Dequin im Auftrag des ehemaligen Finanzministers Scheich Abdullah ibn Suleiman al-Hamdan einen landwirtschaftlichen Versuchsbetrieb bei Dschedda in Saudi-Arabien auf. Daneben betrieb er Feldforschungen in der Umgebung von Unaizah und Wādī ar Rumah (21. Juni 1956 bis 23. Juli 1956), besuchte das königliche Al-Kharj Agricultural Project (23. Juli bis 25. Juli 1956) und begleitete Abdullah Suleiman nach Abha und Jizan (7. Januar bis 22. Januar 1957). Ende 1959 bereist er den Sudan, Äthiopien, Kenia, Tansania, Rhodesien, Kongo und Namibia.

Nach seiner Rückkehr nach Westdeutschland trat er in den Dienst des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Forsten (BML). Im Auftrag des Ministeriums reiste er, begleitet von Dr. Friedrich Vinck und Dr. Wolfgang Joppich, vom 6. Juni bis 16. September 1960 auf den Spuren von Carsten Niebuhr durch das Königreich Jemen. Die Erkundungsreise führt zur Errichtung einer landwirtschaftlichen Beratungsstation in Taiz, deren Leitung Dequin auf der Basis eines Rahmenvertrages deutsch-jemenitischer Zusammenarbeit als Projektleiter der westdeutschen Agrarhilfe von April 1961 bis zu seiner Ausweisung am 17. März 1965, dem Tag, an dem die Bundesrepublik Deutschland den Staat Israel offiziell diplomatisch anerkannte, übernahm.

Nach einer Zwischenstation in Malawi leitete er von 1968 bis Ende 1970 ein Produktionsmittelprojekt und ein Projekt der ländlichen Regionalentwicklung für die GAWI (heute GTZ) in Indonesien. Danach war er bis 1987 als Experte im Weltbankprogramm der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in Rom tätig.

1990 erhielt Horst Dequin den Bickel-Preis des Verbandes Weihenstephaner Ingenieure e.V. im Fach Gartenbau.

1954 heiratete Dequin Gertrud Lehmann, mit der er drei Kinder bekam.

Schriften

Commons: Horst Dequin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege

  1. ↑ vgl. Vorwort, H. Dequin, „Meine Jahre in Arabien 1955-1988“, Westerhorn 1988
  2. ↑ vgl. Fritz Morlang, Blumengroßmarkt 113, Hamburg
  3. ↑ vgl. auch https://www.fisaonline.de/index.php?lang=dt&act=institutions&i_id=882
  4. ↑ vgl. zum Institut für Ausländische Landwirtschaft, https://archiv.pressestelle.tu-berlin.de/tui/96mai/agrar.htm
  5. ↑ vgl. S. 3 und 4, H. Dequin, „Meine Jahre in Arabien 1955-1988“, Westerhorn 1988
  6. ↑ vgl. S. 39 ff. H. Dequin, „Meine Jahre in Arabien 1955-1988“, Westerhorn 1988
  7. ↑ vgl. S. 53, H. Dequin, „Meine Jahre in Arabien 1955-1988“, Westerhorn 1988
  8. ↑ vgl. S. 71 ff. H. Dequin, „Meine Jahre in Arabien 1955-1988“, Westerhorn 1988
  9. ↑ vgl. S. 121 ff. H. Dequin, „Meine Jahre in Arabien 1955-1988“, Westerhorn 1988
  10. ↑ vgl. S. 145 ff. H. Dequin, „Meine Jahre in Arabien 1955-1988“, Westerhorn 1988
  11. ↑ vgl. S. 217 ff. H. Dequin, „Meine Jahre in Arabien 1955-1988“, Westerhorn 1988
  12. ↑ vgl. „Malawi – Ten Years of Progress and Development“, H. Dequin und W. Blaschnek, IFO-Studie, 1969
  13. ↑ vgl. S. 267, H. Dequin, „Meine Jahre in Arabien 1955-1988“, Westerhorn 1988