
Horst Rave, genannt „Rav“, (* 31. Dezember 1941 in Berlin; † 15. Februar 2009 in Bonn) war ein deutscher Maler.
Horst Rave wurde als ältester Sohn von Elisabeth (geb. Stich) und Walter Rave geboren. Er lebte bis zu seinem 17. Lebensjahr in München in der Bergmannstraße (Westend). Dort besuchte er zuletzt das Ruppert Gymnasium. Schon früh war er künstlerisch tätig: er schuf erste Plastiken aus Gips, malte und zeichnete.
1959 zog er mit seiner Familie nach Bonn, wo er in Bad Godesberg das damalige Nicolaus-Cusanus-, heute Heinrich-Hertz-Gymnasium besuchte. An dieser Schule lernte er seine spätere Lebensgefährtin, die Bonner Künstlerin Margarete Loviscach (1913–1999), kennen, mit der er von 1964 an in der Combahnstraße in Beuel zusammenlebte.
In der Lebensgemeinschaft mit Margarete Loviscach fand Rave 1965 die Möglichkeit, sein zwischenzeitlich an der Bonner Universität begonnenes Studium der Botanik und Sinologie nach zwei Jahren abzubrechen und sich vollkommen der Malerei zu widmen. Von 1965 bis 1969 studierte er, u. a. bei Arnold Bode, dem Gründer der documenta, an der Hochschule für bildende Künste Kassel, Malerei und Visuelle Kommunikation.
So umfassend wie Raves künstlerisches Werk war sein kulturpolitisches Engagement. So unterstützte er Horst Pitzen, der 1982 die Gesellschaft für Kunst und Gestaltung e.V. (gkg) gründete. 20 Jahre setzte sich Rave geschäftsführend dafür ein, „auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene Aktivitäten zur Thematik ‚Kunst und Gestaltung‘ unter besonderer Berücksichtigung konstruktiv-konkreter, rationaler Aspektezu entwickeln, durchzuführen und zu fördern“. Er förderte die Computerkunst und stellte 1995 die Ausstellungsreihe „digital-konkret“ auf die Beine. Auch in anderen Gruppen war er, meist in verantwortungsvollen Positionen, zu finden: Beispielsweise als erster Vorsitzender der Künstlergruppe Bonn (1983–1986), deren Chronik von 1945 bis 1984 Rave 1984 in Bonn herausgab als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Mehr Kunst für Bonn (1986–1987), als Beirat für das neue Atelierhaus Bonn-Nord (1992) und als Vorstandsmitglied des Bonner Kunstvereins (2000–2006). Außerdem war er Gründungsmitglied der Künstlergruppe Gruppe konkret.
Raves Werke wurden unter anderem ab 1973 in Marianne Pitzens Bonner Galerie Circulus ausgestellt. 1990 hatte er eine katalogbegleitete Einzelausstellung (Farbtektoniken über den Regenbogen) im Wilhelm-Hack-Museum.
1999 verstarb seine Lebensgefährtin Margarete Loviscachs. 2004 erkrankte er an Krebs, dem er fünf Jahre später erlag. In den letzten Monaten seines Lebens plante er die Horst Rave Stiftung und hinterließ ihr seine Werke und Teile seines Vermögens.
Horst Rave wirkte als Maler, Bildhauer, Zeichner, Grafiker und Computerkünstler. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit der Konkreten Kunst, obwohl er daneben bis 1984 auch einige realistische Ölbilder und Zeichnungen schuf. Sein Œuvre ist umfangreich. Er malte zunächst Farbmengen-, Treppen- und ab 1967 Streifenbilder. Ab 1969 widmete er sich vor allem „Farbfallbildern“ sowie Reliefs und Zeichnungen. In den 1980er Jahren entstanden Farbräume, -körper, -verschränkungen und -strahlen. 1992 begann Rave, digitale Bilder mit Hilfe des Computers zu gestalten. Dabei intensivierte sich das bereits in früheren Werken erkennbare Aufzeigen der Vielfalt der Möglichkeiten, die sich bei der Beschäftigung mit den Zwischenformen der Geometrie aus immer neuen Variationen ergeben und zu unerwarteten Konstellationen führen.
Rave war auch als Kunstschriftsteller tätig und verfasste eine Reihe von Schriften zur Konkreten Kunst. Er bearbeitete die vom Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau 1984 herausgegebene Publikation Bau Kunst Verwaltung, die ein erstes größeres Resümee der Kunst am Bau zog.
Eine wichtige Werkphase Raves stellen seine aus den vorangegangenen Werkgruppen entwickelten Fallbilder (auch Farbfallbilder) dar. Diese Bildserie basiert auf der Synthese von Elementen seiner Treppenbilder (senkrechte Verschiebung von Streifen in chromatischer Abfolge), Farbmengenbilder (Verzahnung gleicher oder progressiver Farbmengen „einander benachbarter oder gleichabständiger Farben“) und Streifenbilder (Durchdringen von Farbmengen in senkrechter Struktur). Die Farbtöne ändern sich in Abhängigkeit von der Form. Durch Drehung, Spiegelung und innerbildliche Bewegung des Bildfelds werden räumliche Wirkungen erzielt.
Horst Rave schuf neben seinen konkreten Werken eine Reihe von figürlichen Zeichnungen und Ölbildern, darunter Personenszenen, Landschaften, vereinzelte Portraits, Selbstportraits und Stadtansichten, unter anderem mit Bonner Motiven wie das Stadthaus (1978). Insbesondere in seiner mit Margarete Loviscach begründeten Ateliergemeinschaft „Gruppe Panda“ entstanden anspruchsvolle realistische Werke wie Südbrücke (1973/74) und Promenade in Beuel - Hommage à Seurat (1975). Dieser Teil von Raves Gesamtwerk wurde bei Ausstellungen außerhalb Bonns jedoch in der Regel nicht gezeigt.
Werke von Rave wurden unter anderem in die Sammlungen des LVR-Landesmuseums Bonn und Kunstmuseums Bonn aufgenommen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rave, Horst |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Maler |
| GEBURTSDATUM | 31. Dezember 1941 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | 15. Februar 2009 |
| STERBEORT | Bonn |