Hryhorij Lewytskyj

Grigory Levitsky, 1910

Hryhorij Andrijowytsch Lewytskyj (* 19. November 1878 in Bilky; † 20. Mai 1942 in Slatoust) war ein ukrainischer/sowjetischer Pflanzen-Zytogenetiker. Er arbeitete zusammen mit Nikolai Iwanowitsch Wawilow, welcher die Rolle der Mitochondrien pflanzlicher Vererbung, Polyploidie und Mutationen untersuchte. Er prägte den Begriff des Karyotypen, wie er heutzutage verwendet wird, als phänotypische Charakterisierung eines Satzes diploider somatischer Chromosomen. Nach einer Auseinandersetzung mit Trofim Denissowitsch Lyssenko während der Herrschaft Stalins landete er in Gefangenschaft und starb im Gefängnis unter ungeklärten Umständen.

Biographie

Levitsky wurde in Bilky (Ukraine) geboren, sein Vater war ein Priester in der russisch-orthodoxen Kirche. In Kiew besuchte er die Universität St. Vladimir und studierte bei Sergei Gawrilowitsch Nawaschin und Nikolai Wassiljewitsch Zinger. Im Jahr 1902 erreichte er seinen Abschluss und arbeitete als botanischer Assistent am polytechnischen Institut Kiew. 1907 wurde er wegen seiner politischen Aktivität und seiner Mitwirkung bei Bauernaufständen festgenommen. Nach seiner Entlassung aus dem Butyrka-Gefängnis wurde er für vier Jahre ins Exil geschickt. Während dieser Zeit reiste er durch Europa und erwarb Kenntnisse in Zellbiologie in den Bibliotheken von Paris und London. 1909 arbeitete er für ein Jahr an der meeresbiologischen Station in Villefranche-sur-Mer, danach nahm er eine Arbeit in Bonn unter Eduard Strasburger(1844–1912) auf, wo er an Mitochondrien (damals noch Chondriosomen genannt) forschte. 1911 kehrte er wieder an das polytechnische Institut Kiew zurück. Im Zuge des Ersten Weltkriegs wurde er 1914 einberufen, jedoch 1915 wieder demobilisiert, um seine Studien weiterzuführen. Er erreichte den Masterabschluss und wurde Privatdozent. Aufgrund von Anschuldigungen, ein ukrainischer Nationalist zu sein, verlor er 1920 seine Stelle am Institut. Daraufhin arbeitete er bei der Sugar Trust an Zuckerrüben, wobei er seine Studien zur Genetik und Pflanzenzüchtung weiterführen konnte. Er reiste kurzzeitig und traf Nikolai Iwanowitsch Wawilow, der ihm 1922 die aktuellste Literatur aus Leningrad beschaffte. Nach seiner Rückkehr nach Kiew begann er die Arbeit an seinem Buch The Material Basis of Heredity (dt.: „Die materielle Basis von Vererbung“), welches 1924 veröffentlicht wurde. Auf Einladung Wawilows konnte Levitsky ein zytologisches Labor am Allrussischen Institut für pflanzengenetische Ressourcen aufbauen. Dort forschte er an Evolution durch Polyploidie, Mutation-Induktion und Hybridisierung. Er erwarb sich einen Ruf als Experte für Pflanzen-Zytogenetik. Levitsky wurde 1933 von Agenten Stalins festgenommen, welche forderten, dass er sich als Terroristen bekenne, was er verweigerte. Daraufhin wurde er wieder exiliert, doch konnten einflussreiche Kollegen, unter anderem Nikolai Iwanowitsch Wawilow und Hermann Joseph Muller, eine Begnadigung erzielen und er konnte wieder nach Detskoje Selo zurückkehren. Er wurde an der Fakultät für Pflanzengenetik an der Leningrader Universität als Professor tätig. Im Jahr darauf kam es wieder zu einer Auseinandersetzung mit einem Kollegen, dieses Mal mit Isaak Present, einem Anhänger Trofim Lyssenkos. Als Lyssenko 1938 unter Stalin mehr politischen Einfluss erlangte, wurde Levitsky am 28. Juni 1941 festgenommen und verschwand. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er als Träger des Ordens des Roten Banners der Arbeit aufgeführt. Seine Frau ging deswegen davon aus, dass er lebte, und holte Erkundigungen bei den Behörden ein. Daraufhin wurden sie und ihre Tochter festgenommen. Seine Frau starb, seine Tochter überlebte. Die Auszeichnung sei ein bürokratischer Fehler gewesen. 1956 beantragte seine Tochter erfolgreich, dass sämtliche Anklagen gegen ihren Vater fallengelassen werden.

Levitsky starb wahrscheinlich im Gefängnis in Slatoust am 20. Mai 1942.

Literaturverzeichnis

  1. ↑ A. V. Rodionov: Grigorii Andreevich Levitsky (1878–1942). In: Russian Journal of Genetics. 45. Jahrgang, Nr. 11, 2009, ISSN 1022-7954, S. 1261–1266, doi:10.1134/S1022795409110015 (englisch, springer.com).
  2. ↑ Orel, L.I.; Truskino, E.V. (2017).: "Grigory Andreevich Levitksy". In: Proceedings on Applied Botany, Genetics and Breeding. 178 (1). S. 104–113, doi:10.30901/2227-8834-2017-1-104-113.
Personendaten
NAME Lewytskyj, Hryhorij
ALTERNATIVNAMEN Lewytskyj, Hryhorij Andrijowytsch (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG ukrainischer/sowjetischer Pflanzen-Zytogenetiker
GEBURTSDATUM 19. November 1878
GEBURTSORT Bilky
STERBEDATUM 20. Mai 1942
STERBEORT Slatoust