
Huang Daopo (chinesisch: 黄道婆/ 黃道婆; Pinyin: Huáng Dàopó; * ca. 1245 in Wunijing, Xuhui; † 1330 ebenda) war eine chinesische Weberin und Erfinderin aus der späten Song- und frühen Yuan-Dynastie. Durch ihre Erfindung einer Egreniermaschine in den späten 1290ern revolutionierte sie die Textilherstellung in Songjiang und machte die Gegend zu einem Mittelpunkt der chinesischen Baumwollverarbeitung. Nach ihr ist der Venuskrater Huang Daopo benannt.
Huangs tatsächlicher Vorname ist nicht bekannt. Im Laufe ihres Lebens erhielt sie Daopo als einen Ehrennamen für ihre Verdienste, der sich etwa mit „weise alte Frau des Dao“ übersetzen lässt. Mitunter wird sie als Huang Po oder Huang Mu bezeichnet. Auch ihr genaues Geburtsdatum ist ungewiss und wird angesichts ihres bekannten Lebenslaufs auf etwa 1245 geschätzt. Bekannt ist, dass sie in sehr ärmlichen Verhältnissen geboren wurde. Der Boden Wunijings war nicht sehr fruchtbar und für Ackerbau ungeeignet, weshalb es oft zu Nahrungsknappheiten kam.
Im Alter von 12 bis 13 Jahren wurde Huang der Familie ihres zukünftigen Bräutigams übergeben. Diese Art der arrangierten Ehe, genannt Tongyangxi (童养媳), war unter armen Familien verbreitet, da sie auf diese Weise ihre Tochter nicht mehr selbst ernähren mussten, während die Familie des Bräutigams eine zusätzliche Arbeitskraft und zukünftige Ehefrau erhielt. Üblicherweise wurde mit der Hochzeit gewartet, bis beide Parteien mindestens die Pubertät erreicht hatten. Allerdings wurde Huang von der Familie ihres Bräutigams so schlecht behandelt, dass sie schließlich nach Hainan flüchtete und sich in Yazhou niederließ. Einer Quelle zufolge heiratete sie dort und arbeitete nach dem Tod ihres Mannes für dreißig Jahre im Guangdu-Tempel.
In Yazhou erlernte Huang von den dort lebenden Li neue Methoden der Baumwollverarbeitung, die in ihrer Heimat völlig unbekannt waren. Auch fand sie dort eine ihr vorher nicht bekannte, feinere Baumwollsorte. Im Alter von ca. 50 Jahren kehrte sie schließlich zurück nach Wunijing. Die Gründe dafür sind nicht eindeutig überliefert. Die Li erzählten die Geschichte, dass das Oberhaupt von Yazhou ihr auftrug, für den Kaiser ein besonders feines Tuch zu weben. Laut der Geschichte weigerte Huang sich und flüchtete zurück in ihre alte Heimat, um nicht verhaftet zu werden. Der Dichter Wang Feng hingegen glaubte, dass Huang zurückkehrte, um in ihrer Heimat alt zu werden und den Menschen dort ihr Wissen beizubringen.
In Wunijing säte Huang die verbesserte Baumwolle aus, die sich vor Ort kultivieren ließ. Basierend auf ihren Kenntnissen aus Yazhou reformierte sie die Werkzeuge und Geräte, die zum Walzen, Dehnen, Spinnen und Weben verwendet worden, darunter ein pedalbetriebenes Spinnrad, auf dem sich drei Spindeln auf einmal spinnen ließen. Mit ihm wurde es möglich, pro Tag 170 bis 227 Gramm Baumwolle zu verarbeiten. Forschern zufolge wurde Huangs Erfindung erst von den englischen Spinnmaschinen des 18. Jahrhunderts überboten. Ihre berühmteste Erfindung war eine Egreniermaschine, um die Baumwollfasern von den Samenkernen zu trennen. Durch ihre Kenntnisse und Erfindungen revolutionierte sie die Textilverarbeitung, die dank ihrer Erfindungen deutlich schneller und effizienter vonstatten ging.
Des weiteren brachte sie neue Webtechniken in die Gegend, u. a. die Kombination verschiedener Materialien, wie Baumwolle, Zweige und Palmenfasern. Wunijing wurde rasch für seine exquisiten Matratzen, Gürtel, Decken und Tücher bekannt. Während Hanfkleidung keine wärmende Wirkung hatte und Seide zu teuer war, stellte Baumwolle eine kostengünstige Alternative für das einfache Volk dar. Obendrein erhöhte sich der Status der Frauen, die traditionell Stoffe verarbeiteten und sich mit dieser Arbeit nun selbst ernähren konnten. Durch die hohe Nachfrage verbesserten sich die Lebensbedingungen in Huangs alter Heimat deutlich. In den späteren Jahren der Yuan-Dynastie ernährte die Baumwollproduktion über 1000 Haushalte. Die neuen Methoden und Werkzeuge breiteten sich auch im benachbarten Songjiang aus, das sich zum Zentrum der chinesischen Baumwollverarbeitung entwickelte und es bis weit in die Ming-Dynastie blieb.
Huang Daopo starb ca. 1330 nach einer Krankheit. In der Bevölkerung hatte sie hohes Ansehen genossen und nach ihrem Tod wurden Gelder gesammelt, um ihr ein Denkmal und einen Schrein zu errichten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde Huang Daopo von der Bevölkerung Wunijings mit insgesamt neun Schreinen und regelmäßigen Gedenkgottesdiensten geehrt. Teilweise wurde sie als Göttin der Webkunst betrachtet. Bis in die 1940er hinein wurden Huang in den Schreinen Opfergaben dargebracht. Mehrere ihrer Schreine überdauern ins 21. Jahrhundert hinein.
Der Dichter Qin Rongguang aus der Qing-Dynastie widmete Huang das Gedicht Zhuzhici. Auch eine Ballade ist überliefert, in der „Großmutter Huang“ angerufen wird, um ihre Künste zu lehren.
1980 erschien Huang Daopo als erste historische Erfinderin auf einer Briefmarke der Volksrepublik China.
In Shanghai befindet sich der Huang Daopo Memorial Park. Ihre sterblichen Überreste wurden 1986 dorthin überführt und in der dort wieder aufgebauten Gruft beigesetzt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Huang, Daopo |
| ALTERNATIVNAMEN | Huang, Po; Huang, Mu |
| KURZBESCHREIBUNG | chinesische Erfinderin der Egreniermaschine |
| GEBURTSDATUM | 1245 |
| GEBURTSORT | Wunijing |
| STERBEDATUM | 1330 |
| STERBEORT | Wunijing |