Hubert Laitko

Hubert Laitko (2016)

Hubert Laitko (* 3. April 1935 in Spremberg; † 9. September 2024 in Berlin) war ein deutscher Wissenschaftshistoriker und Wissenschaftstheoretiker.

Leben

Hubert Laitko wurde als Sohn des Schlossers Otto Laitko und seiner Ehefrau Liesbeth Laitko (geborene Buder) in Spremberg (Niederlausitz) geboren, besuchte von 1941 bis 1953 die Grund- und Oberschule und legte 1953 an der Karl-Marx-Oberschule Spremberg das Abitur ab. Anschließend studierte er von 1953 bis 1959 an der Karl-Marx-Universität Leipzig zunächst Journalistik und nach drei Jahren Philosophie am Institut für Philosophie, das damals von Ernst Bloch geleitet wurde. Seine wichtigsten akademischen Lehrer in dieser Zeit waren der Philosoph Rudolf Rochhausen, der Physiker und Wissenschaftstheoretiker Asari Polikarow und der Wissenschaftshistoriker Gerhard Harig. Zu seinen Kommilitonen am Leipziger Philosophischen Institut gehörten Klaus Kittowski, Reinhard Mocek und Heinrich Parthey, die später Wissenschaftsphilosophen wurden und mit denen er bis zuletzt zusammenarbeitete. Sein Studium schloss Laitko 1959 mit dem Staatsexamen in Philosophie ab. Während des Studiums und seiner nachfolgenden Tätigkeit in Halle (Saale) wirkte er im Leipziger Studentenkabarett Rat der Spötter mit, zu dessen Gründergeneration er gehörte, das er zeitweise geleitet hat und das im Herbst 1961 aufgelöst werden musste, nachdem ein Programm als konterrevolutionär eingestuft worden war.

Nach einem Jahr als Wissenschaftlicher Assistent für Philosophie am Institut für Gesellschaftswissenschaften an der Universität Halle war er von 1960 bis 1963 Aspirant am Lehrstuhl für „Philosophische Fragen der Naturwissenschaften“ im Philosophischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin unter Hermann Ley. 1964 promovierte er mit der Arbeit „Zur philosophischen Konzeption des Physikers Pascual Jordan. Versuch einer kritischen Analyse“ zum Dr. phil. und blieb anschließend bis 1969 als Assistent, Oberassistent und wissenschaftlicher Mitarbeiter an diesem Institut.

Ab 1969 gehörte er zum Gründungsteam des „Instituts für Wissenschaftstheorie und -organisation“ – IWTO an der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin (DAW), ab 1975 umbenannt in „Institut für Theorie, Geschichte und Organisation der Wissenschaft“ – ITW an der Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW). Dort leitete er zunächst eine Forschungsgruppe und dann den Bereich „Wissenschaftsgeschichte“.

Laitko habilitierte sich 1978 an der Akademie mit der Dissertation B „Wissenschaft als allgemeine Arbeit – zur begrifflichen Grundlegung der Wissenschaftswissenschaft“. 1979 wurde er zum Professor an der Akademie ernannt. Mit der Abwicklung des ITW wurde Laitko im Jahre 1991 in den Vorruhestand („Altersübergangsgeld“) überführt.

Grabstätte auf dem Friedhof Pankow III

Seit 1994 war Laitko gewähltes Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin und gehörte ihrer Kommission für Akademie- und Wissenschaftsgeschichte an. Er war Gründungs- und Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Wissenschaftsforschung in Berlin.

Von 2008 bis 2014 war Laitko Lehrbeauftragter für Geschichte der Naturwissenschaft an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus.

Mit Eckart Henning begründete Laitko 1994 die bis 2014 bestehenden und seit 1996 in einer Schriftenreihe dokumentierten „Dahlemer Archivgespräche“. Laitko hat mehrere Jahrbücher der „Gesellschaft für Wissenschaftsforschung“ mit herausgegeben sowie Arbeiten über Robert Havemann verfasst.

Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeiten von Laitko standen Untersuchungen zur Geschichte wissenschaftlicher Institutionen und Institutionennetze im 19. und 20. Jahrhundert: Wissenschaft und Wissenschaftspolitik in Preußen und im wilhelminischen Deutschland; Geschichte der Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Gesellschaft; deutsche Akademiegeschichte; Disziplinarität und Disziplingenese; Institutionalgeschichte der Wissenschaft in der DDR. Hinzu kommen Arbeiten zur Geschichte der Wissenschaftsforschung.

Laitko war seit 1967 mit der promovierten Medizinerin (Rheumatologin) Sigrid Laitko, geb. Stope verheiratet. Die promovierte Biophysikerin Ulrike Laitko ist die Tochter des Ehepaars. Er ruht auf dem Friedhof Pankow III.

Ehrungen (Auswahl)

Veröffentlichungen (Auswahl)

Quellen und Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Hubert Laitko: Als Philosophiestudenten in Leipzig – die späten Fünfziger. In: Frank Fuchs-Kittowski; Werner Kriesel (Hrsg.): Informatik und Gesellschaft. Festschrift zum 80. Geburtstag von Klaus Fuchs-Kittowski. Frankfurt a. M., Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien: Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften, PL Academic Research 2016, S. 241, ISBN 978-3-631-66719-4 (Print), E-ISBN 978-3-653-06277-9 (E-Book).
  2. ↑ Hubert Laitko: Als Philosophiestudenten in Leipzig – die späten Fünfziger. In: Frank Fuchs-Kittowski, Werner Kriesel (Hrsg.): Informatik und Gesellschaft. Festschrift zum 80. Geburtstag von Klaus Fuchs-Kittowski. Frankfurt a. M., Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien: Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften, PL Academic Research 2016, S. 242, ISBN 978-3-631-66719-4 (Print), E-ISBN 978-3-653-06277-9 (E-Book).
  3. ↑ Ernst Röhl: Rat der Spötter. Das Kabarett des Peter Sodann. Kiepenheuer, Leipzig 2002, ISBN 3-378-01062-2.
  4. ↑ Interview mit Peter Sodann, in: Süddeutsche Zeitung Magazin, 14. März 2014, S. 64.
  5. ↑ Dieter Hoffmann: Laitko, Hubert. In: Wer war wer in der DDR? 5. Auflage. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4 (bundesstiftung-aufarbeitung.de).
  6. ↑ Laitkos theoretische Ausführungen über Wissenschaftliche Schulen wurden in der Historiografie der Baustatik konkretisiert ("Berliner Schule der Baustatik"), siehe hierzu: Karl-Eugen Kurrer: The History of the Theory of Structures. Searching for Equilibrium. Ernst & Sohn, Berlin 2018, S. 523ff., ISBN 978-3-433-03229-9.
Personendaten
NAME Laitko, Hubert
KURZBESCHREIBUNG deutscher Wissenschaftshistoriker und Wissenschaftstheoretiker
GEBURTSDATUM 3. April 1935
GEBURTSORT Spremberg
STERBEDATUM 9. September 2024
STERBEORT Berlin