Hubert Gottschling

Hubert Gottschling

Hubert Gottschling (* 31. März 1931 in Ruda Pabianicka (Łódź), Polen; † 10. Juli 1990 in Berlin) war ein deutscher Naturwissenschaftler, Poet und Künstler.

Leben

Hubert Gottschling entstammte einer Familie der deutschen Minderheit in Łódź (Polen) und wurde 1931 als erstes von vier Geschwistern geboren. Der Vater Albert Gottschling arbeitete in einer Textilfabrik von Adolf Horak, einem Exponenten der Baptisten in Polen und wichtigen Arbeitgeber im Stadtteil Ruda Pabianicka. Nach der Vertreibung 1946 (nach Pollhagen) absolvierte Gottschling 1951 das Abitur in Stadthagen und studierte anschließend in Göttingen und Heidelberg Medizin und Philosophie. Nach seiner Promotion arbeitete er seit 1958 für fünf Jahre in den USA (La Fayette, Illinois; Madison, Wisconsin). In dieser Zeit entsteht auch die Freundschaft zu dem Mikrobiologen Koki Horikoshi, die bis zum Lebensende bestehen blieb. Zurück in Deutschland war er zunächst Mitarbeiter von Hans G. Zachau am Institut für Genetik der Universität zu Köln, das von Max Delbrück zwischen 1961 und 1963 aufgebaut und geleitet wurde. Vom 1. Dezember 1970 bis zum 31. März 1977 war Gottschling Assistenzprofessor an der Freien Universität Berlin. In seiner Arbeitsgruppe promovierte unter Anderen der Mediziner und Molekularbiologe Burghardt Wittig.

Gottschling heiratete am 27. November 1970 in Berlin Gisela Pätzold (* 6. März 1939 in Bielefeld) und war der Schwager von dem Journalistik-Professor Ulrich Pätzold. Das Paar hat einen Sohn, den Evolutionsbiologen und Taxonomen Marc Gottschling (* 17. Juni 1971 in Berlin).

Das Aufwachsen in Polen und die Auseinandersetzung mit der Natur sind zentrale Motive in Gottschlings Kunst und schlagen sich in einer Reihe von Bildern (KinderParadiesSplitter, gezeigt auf der Freien Berliner Kunstausstellung 1990) sowie Gedichten nieder, die teilweise im Almanach deutschsprachiger Schriftstellerärzte veröffentlicht wurden.

In Deutschland unterhielt Gottschling zahlreiche Kontakte zu Künstlern und Literaten, darunter Monika Cronshagen, Ellinor Michel, Kurt Mühlenhaupt, Kunito Nagaoka, Jürgen Riecke und Friedrich Schröder Sonnenstern. Der Briefwechsel mit Clara Rilke und Helmuth Westhoff befindet sich im Deutschen Literaturarchiv Marbach, eine Jugendkorrespondenz mit Margarethe Krieger in ihrem Nachlass in Kraichtal. Gottschling war von 1958 bis in die 1970er Jahre Herausgeber der unregelmäßig erscheinenden, interdisziplinären Zeitschrift unterwegs, in der in den späteren Jahren auch der Soziologe Richard Grathoff veröffentlichte.

Bibliographie

Ausstellungen

Einzelausstellungen

Beteiligungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Thomas, J. (1989): Dr. phil. Adolf Speidel †, Freden/Leine. Die Gemeinde 9/1989: 13
  2. ↑ Heidelberger Dokumentenserver
  3. ↑ Ulrich Pätzold (2013): Achtundsechzig. Notizen im Alter. epubli, Berlin
  4. ↑ Koki Horikoshi: Extremophiles. Where it all began. Springer Japan, Tokyo 2016, S. 143‒147
  5. ↑ Ute Deichmann & Simone Wenkel (2007): Max Delbruck and Cologne: An early chapter of German molecular biology. World Scientific, New Jersey
  6. ↑ Horst Feldmann (2008): A life with yeast molecular biology. Comprehensive Biochemistry 76: 276-334
  7. ↑ Burghardt Wittig: Reinigung und Charakterisierung der vier lysinspezifischen Transfer-Ribonukleinsäuren aus Hühnerembryonen. Diss., Freie Universität Berlin 1976.
  8. ↑ Personalseite der Ludwig-Maximilians-Universität München ‒ Systematik, Biodiversität & Evolution der Pflanzen
  9. ↑ Buchloh, Christian; Gonschorr, H. Oskar; Fritsch, Norbert; Liestmann, Joachim; Noll, Martin; Schöller, Oda; Sobottka, Jan-Michael [Ausstellungsleitung] (1990): 20. Freie Berliner Kunstausstellung.
  10. ↑ Bestände im Deutschen Literaturarchiv Marbach
  11. ↑ Künstlerin Margarethe Krieger vermachte ihr Erbe der Stadt Kraichtal
  12. ↑ Hubert Gottschling (Hrsg.) (1958): unterwegs 1. Eigenverlag, Heidelberg
  13. ↑ Beelke, Manfred; Fricke, Martin; Liestmann, Joachim; Masuhr, Dieter; Müller, Peter; Rech, Karin; Ziegler, Karlheinz [Ausstellungsleitung] (1979): 9. Freie Berliner Kunstausstellung.
  14. ↑ Beelke, Manfred; Fricke, Martin; Liestmann, Joachim; Masuhr, Dieter; Müller, Peter; Rech, Karin; Ziegler, Karlheinz (1980): 10. Freie Berliner Kunstausstellung.
  15. ↑ Beelke, Manfred; Gonschorr, H. Oskar; Hübler, Rudolf; Liestmann, Joachim; Stratmann, Norbert; Zahn, Lo [Ausstellungsleitung] (1981): 11. Freie Berliner Kunstausstellung.
  16. ↑ Beelke, Manfred; Fricke, Martin; Gonschorr, H. Oskar; Hübler, Rudolf; Liestmann, Joachim; Müller, Peter; Zahn, Lo [Ausstellungsleitung] (1984): 14. Freie Berliner Kunstausstellung.
  17. ↑ Beelke, Manfred; Gonschorr, H. Oskar; Liestmann, Joachim; Stratmann, Hahlbrock; Mara; Hopffgarten, Ernst v.; Tyspe, Dieter [Ausstellungsleitung] (1985): 15. Freie Berliner Kunstausstellung.
  18. ↑ Beelke, Manfred; Bruchhausen, Gisela v.; Gonschorr, H. Oskar; Liestmann, Joachim; Stratmann; Hopffgarten, Ernst v.; Tyspe, Dieter [Ausstellungsleitung] (1987): 17. Freie Berliner Kunstausstellung.
  19. ↑ Beck, Bernd; Bruchhausen, Gisela v.; Gonschorr, H. Oskar; Kurz, Peter; Lehmann, Gisela; Masuhr, Dieter; Rech, Karin [Ausstellungsleitung] (1988): 18. Freie Berliner Kunstausstellung.
  20. ↑ Buchloh, Christian; Gonschorr, H. Oskar; Fritsch, Norbert; Liestmann, Joachim; Noll, Martin; Schöller, Oda; Sobottka, Jan-Michael [Ausstellungsleitung] (1990): 20. Freie Berliner Kunstausstellung.
Personendaten
NAME Gottschling, Hubert
KURZBESCHREIBUNG deutscher Naturwissenschaftler, Poet und Künstler
GEBURTSDATUM 31. März 1931
GEBURTSORT Łódź
STERBEDATUM 10. Juli 1990
STERBEORT Berlin