Hubert Schiefelbein wuchs in Falkenburg in Hinterpommern, heute Złocieniec in Polen, in einfachen Verhältnissen auf. Von 1937 bis 1944 besuchte er die dortige Volks- und Mittelschule. Nach misslungener Flucht 1945 arbeitete er auf einem noch deutschen Bauernhof und danach bis zur Umsiedlung Juli 1947 in einer polnischen Bäckerei. Von 1948 bis 1950 erlernte er den Beruf eines Bau- und Möbeltischlers in Greifswald. Von 1950 bis 1953 absolvierte er die Fachschule für angewandte Kunst Wismar in der Fachrichtung Holzbildhauerei. An der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee studierte er von 1953 bis 1958 Plastik bei Professor Heinrich Drake und schloss dies mit Diplom ab. Bis zur Berufung als Dozent für Bauplastik 1965 an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar arbeitete er als freischaffender Bildhauer in Berlin. 1959 hatte er einen Studienaufenthalt im VEB Großdrehmaschinenbau „7. Oktober“. Danach schuf er u. a. die Porträtplastik eines Arbeiterveteranen, der im Werk gearbeitet hatte.
Er trat die Nachfolge von Professor Siegfried Tschierschky an, der Wegbereiter durchbruchplastischer Wände in Architekturfassaden war. In Lehre und Forschung setzte Schiefelbein sein Wirken fort. 1969 wurde er zum Professor für Bildende Kunst an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar, Fakultät Architektur, berufen, den er bis zum Ausscheiden Ende 1992 innehatte. Des Weiteren war er dort von 1976 bis 1979 Leiter des Wissenschaftlichen Bereiches Gestaltung und Entwerfen sowie von 1979 bis 1991 Leiter des Künstlerischen Bereiches.
Hubert Schiefelbein hat eine ganze Reihe von Betonelementen entwickelt, die nicht nur dekorativen, sondern auch funktionalen Überlegungen folgten. Hinsichtlich des Dekors ließen die Elemente mittels Drehung möglichst viele Kombinationsmöglichkeiten zu, ermöglichten ein reizvolles Spiel mit Licht und Schatten und stellten keine konkreten Gegenstände dar, da diese sonst durch die Serialität den Symbolwert an Bedeutung verlieren würden. Die optimale Variationsskala ließ sich dabei durch asymmetrisch angeschnittene Elemente mit unterschiedlichen großen Durchbrüchen erzielen. Unter funktionalen Gesichtspunkten sind die Elemente so gestaltet, dass die Wandöffnungen den Blick diagonal in die Raumtiefe führten, um genügend Licht durchzulassen und gleichzeitig ausreichend vor Blicken von außen zu schützen und dass sie ausreichend über Standsicherheit verfügten. Durch ihren dekorativen Charakter und dem Prinzip der Reihung vermitteln die durchbruchplastischen Wände zwischen der Monumentalkunst und der Serienbauweise und haben maßgeblich zum Erscheinungsbild der Architektur in der DDR beigetragen. Besonderes Merkmal von Hubert Schiefelbeins Entwürfen ist der geschwungene Durchbruch – die schräge, konvex oder konkav gestaltete Führung durch den Kubus. Jede von Schiefelbein entworfene Wand hat durch die asymmetrische Gestaltung der Bausteine automatisch zwei unterschiedliche Ansichten.
Schiefelbein war es wichtig, die Stärke der Materialien, besonders der Wand, wieder zu betonen, da die Architektur selbst sich zunehmend aus flächigen Elementen zusammensetzte. Bei den Plattenbauten wurde die Tiefe des Baukörpers wenig bis gar nicht betont.
Die Kooperation mit dem Landschaftsarchitekten Erhard Kister vom Wohnungsbaukombinat Erfurt gab Hubert Schiefelbein die Möglichkeit, die Elemente im konkreten Kontext der Erfurter Großwohnsiedlungen zu entwerfen und dort auch zu realisieren. Später sind seine Wände auch in anderen Städten und Siedlungen eingesetzt worden.
Werkbeispiele
1959 bis 1962 Kleinplastiken in Bronze
Einer von der Malerbrigade, 23 cm, Museum Magdeburg
Fräulein, 40 cm, Museum Magdeburg (2. Preis in Kleinplastikwettbewerb 1960)
Vier Kamele 1960/1961, Typenelemente, 190 cm; Kinderspielplatz Berlin-Mitte, Heinrich-Heine-, Ecke Annenstraße; Ausführung VEB Stuck und Naturstein Berlin
Kletterelefant, 130 cm, Berlin
Kamelgruppen, 240 cm, Leipzig und andere Städte
Raumstationen, 180 cm, Erfurt
1962 bis 1968 Architekturbezogene Werke
Kino International – NordfassadeStadthalle Karl-Marx-Stadt
Ornamentale Durchbruchswand (1967; 25,60 × 18,00 m; technische Ausführung VEB Betonwerk Lengenfeld/Vogtland; Karl-Marx-Stadt, Straße der Nationen, damaliges Haus der Industrieverwaltung)
Florian Kirfel, Moritz Fritz: Mensa am Park – Vom Gebrauchen und Verbrauchen jüngster Architektur. M-BOOKS, Weimar 2013, ISBN 978-3-944425-01-6.
Luise Helas, Wilma Rambow, Felix Rössl: Kunstvolle Oberflächen des Sozialismus: Wandbilder und Betonformsteine. Bauhaus Universitätsverlag, Weimar 2014, ISBN 978-3-95773-171-5.
Dietrich Worbs: Das Kino „International“ in Berlin. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-7861-2711-6.
Henning Huschka: Keramisches Medaillenschaffen von Hubert Schiefelbein. In: Erfurter Münzfreunde e.V. (Hrsg.): Erfurter Münzblätter. Jahrbuch 2012/2013. Band XX/XXI, Erfurt 2015.
↑Das Blatt des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands. Berlin, 12/1959, S. 12
↑Gerhard; Schiefelbein Döring:Alte auf der Bank.März 1967,abgerufen am 17.Juni 2025.
↑Erika Neumann (Bearbeitung): Bildende Kunst + Architektur. Katalog Teil 1 Berlin. Hrsg. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1969, S. 134/135
↑buecherfreund:Fassadengestaltung, Hubert Schiefelbein, 1966.In:Das Sein bestimmt das Bewußtsein. (Karl MARX) Es gilt also, das Sein zu entdecken - Viel Spaß dabei.9.August 2020,abgerufen am 8.Mai 2026(deutsch).
↑Ruth Pape et al.: Bildende Kunst + Architektur. Katalog Teil 3, Karl-Marx-Stadt, Gera, Erfurt, Suhl. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1972, Karl-Marx-Stadt, S. 16/17