Hugo Jakusch

Hugo Jakusch (* 13. März 1911 in München; † 7. Februar 1991 ebenda) war ein deutscher kommunistischer Widerstandskämpfer, der fast elf Jahre in verschiedenen Gefängnissen und Konzentrationslagern inhaftiert war.

Leben

Jakusch war der Sohn einer Münchner Arbeiters, hatte elf Geschwister und war gelernter Schreiner. Seine Freizeit verbrachte er oft mit Freunden aus der sozialistischen Jugendbewegung am Ammersee. 1928 gründete er die Kommunistische Jugend Obergiesing, war Mitglied der Holzarbeitergewerkschaft und nahm an teilweise verbotenen Demonstrationen des Kommunistischen Jugendverbandes teil.

Kurz nach der „Machtübernahme“ wurde Jakusch ohne konkrete Anschuldigung am 10. März 1933 verhaftet und war in der Folge fast elf Jahre in Gefängnissen und Konzentrationslagern inhaftiert. Er wurde über die Gefängnisse München-Stadelheim und Landsberg am 22. März 1933 als einer der ersten Häftlinge in das neu errichtete KZ Dachau eingeliefert und war dort bis März 1935 inhaftiert. Nach seiner Freilassung war er zunächst arbeitslos und fand anschließend Arbeit als Zimmermann. Im Juni 1936 wurde Jakusch wegen Kontakts mit KPD-Mitgliedern und illegaler Aktivitäten erneut verhaftet und bis zum Kriegsende 1945 wieder im KZ Dachau inhaftiert. Als „Rückfälliger“ wurde er von der SS-Wachmannschaft massiv misshandelt, genoss aber als Funktionshäftling bei den Mitinhaftierten hohes Ansehen. Von September 1939 bis Februar 1940 befand er sich vorübergehend im KZ Mauthausen und wurde anschließend in einem Außenkommando in Nürnberg eingesetzt. Im April 1943 kam er in das KZ-Außenlager Neustift im Stubaital, wo er im Juni 1943 in einem Brief an seine Familie schrieb: „Ich hatte es in den letzten zehn Jahren meiner Haft nie so schön. Unser Lager liegt mitten in den Bergen, dreitausend Meter hoch, und ich hatte so lange gehofft, einer Arbeitseinheit in den Bergen zugeteilt zu werden.“ Im Mai 1945 wurde Jakusch von den US-Truppen befreit und trug durch die lange Haft schwere gesundheitliche Schäden davon.

Während der Dachauer Prozesse lernte er seine spätere Frau Ruth, geborene Eisenberg, kennen, die als Dolmetscherin für die US-Behörden arbeitete. Sie war eine jüdische Emigrantin, die ins Exil nach Italien und England geflüchtet war. Das Ehepaar engagierte sich für den Aufbau der KZ-Gedenkstätte Dachau, deren erste Leiterin Ruth Jakusch von 1965 bis 1975 war.

1988 führten Ulrike Bez, Petra Gerschner und Michael Backmund verschiedene Zeitzeugeninterviews, darunter auch mit Hugo Jakusch. Daraus entstand 1989 der Dokumentarfilm Es geht durch die Welt ein Geflüster von Ulrike Bez, der zum 70. Jahrestag der Münchner Räterepublik im Jahr 2018/2019 in einer restaurierten und digitalisierten Fassung neu veröffentlicht wurde.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Evelyn Ziegenhagen: NEUSTIFT IM STUBAITAL [aka INNSBRUCK II]. In: Project MUSE. Abgerufen am 24. Oktober 2026.
  2. ↑ Friedbert Mühldorfer: Jakusch, Hugo. In: nsdoku.lexikon. NS-Dokumentationszentrum München, abgerufen am 24. Oktober 2026.
  3. ↑ ZEITKAPSEL: Uli Bez Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm "Es geht durch die Welt geht ein Geflüster": Hugo Jakusch. 13. November 2023, abgerufen am 24. Oktober 2026.
  4. ↑ "Es geht durch die Welt ein Geflüster". ZeitzeugInnen der Münchner Revolution & Räterepublik 1918/19. In: marx200.org. 17. April 2017, abgerufen am 24. Oktober 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Jakusch, Hugo
KURZBESCHREIBUNG deutscher kommunistischer Widerstandskämpfer
GEBURTSDATUM 13. März 1911
GEBURTSORT München
STERBEDATUM 7. Februar 1991
STERBEORT München