IBM 701

Der Großrechner IBM 701 gehörte zur 700/7000 series von IBM und kam 1952 auf den Markt. Er war der erste für wissenschaftliche Zwecke bestimmte Rechner von IBM. Die Versionen für Geschäftskunden waren die IBM 650 und IBM 702. Der Computer markiert den Übergang zu voll elektronischen Computern bei IBM.

Geschichte

Bedienungskonsole der IBM 701
Blick ins Innere der IBM 701 mit Vakuumröhren
Williams-Röhre der IBM 701

Es gab schon einige teilweise elektronische Vorgänger bei IBM, den Automatic Sequence Controlled Calculator (ASCC) der 1940er Jahre und den Selective Sequence Electronic Calculator (SSEC) von 1948 (mit Vakuumröhren und Relais), die 701 hatte aber nur ein Viertel der Größe des SSEC und war 25-mal schneller.

Insgesamt wurden 19 Systeme installiert. Da darunter vor allem Kunden aus dem US-amerikanischen Rüstungskomplex waren, wurde er auch Defense Calculator genannt. Erwartet hatte Thomas J. Watson nur Aufträge für fünf Maschinen, was er zum Beispiel auf der Aktionärsversammlung 1953 anlässlich der Einführung der IBM 701 äußerte (daraus entstand möglicherweise das oft Watson zugeschriebene, aber wahrscheinlich falsche Zitat I think there is a world market for maybe five computers). Vor Produktionsbeginn der 701 besuchte er zwanzig potentielle Kunden und kam mit 18 Bestellungen zurück. Unter anderem erhielt das Lawrence Livermore National Laboratory der University of California ein System. Dort wurde auch ein Compiler entwickelt, genannt KOMPILER. IBMs eigener Fortran-Compiler kam erst 1954 mit der IBM 704 auf den Markt.

Zu den führenden Entwicklern gehörten Nathaniel Rochester, Jerrier A. Haddad und Werner Buchholz unter dem Leiter der Ingenieursabteilung bei IBM W. Wallace McDowell. Der Entwurf sollte sich so eng wie möglich an den Entwurf von John von Neumann halten, wie er etwa in dessen IAS-Computer oder dem JOHNNIAC realisiert war.

Damals hatte es Konkurrenz von der ERA 1103 von Remington Rand, das im Geheimen für die NSA entwickelt wurde und erst 1953 die Erlaubnis bekam, vermarktet zu werden. Das US-Verteidigungsministerium führte für beide Maschinen einen Benchmark-Test in numerischer Wettervorhersage durch mit leichten Vorteilen für das IBM-System.

Auf der 701 lief eines der ersten Computerprogramme für Künstliche Intelligenz, ein Dame-Programm von Arthur Samuel. Auch Übersetzungsprogramme aus dem Russischen liefen 1954 auf der 701. Der Nachfolger war die IBM 704, die 1954 eingeführt wurde (die Geschäftskunden-Versionen waren die IBM 702, IBM 705).

Systembeschreibung

Verfügbarkeit

Die Verfügbarkeit der IBM 701 war durch die Williams-Röhren und die für die Schaltlogik verwendeten Röhren sehr gering. Für ihre MTBF werden zwischen einer halben Stunde bis zu 3,5 Stunden angegeben.

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. ↑ Öffentliche Ankündigung von IBM am 21. Mai 1952. Erste Inbetriebnahmen bei den Kunden erfolgten 1953.
  2. ↑ 701 Customers. In: IBM. Archiviert vom Original; abgerufen am 4. Januar 2019 (englisch).
  3. ↑ Es wird häufig Watson 1943 zugeschrieben, es fanden sich aber keine Belege für diese Äußerung. Eine Erklärung bezieht sich auf die besagte Aktionärsversammlung 1953 in Zusammenhang mit der 701. Kevin Maney: The Maverick and his machine. Thomas Watson Sr. and the making of IBM, Wiley 2003, S. 355f
  4. ↑ 701 Team. In: IBM. Archiviert vom Original; abgerufen am 2. Juli 2019 (Beratend an der Entscheidung zur Entwicklung wirkten auch Manager wie Ralph Palmer und Cuthbert Hurd mit).
  5. ↑ Steve Dunwell (1913-1994): Oral history interview by William Aspray. Charles Babbage Institute, University of Minnesota, 13. Februar 1989, abgerufen am 28. März 2013.
  6. ↑ Emerson W. Pugh: Building IBM: Shaping an Industry and Its Technology. MIT Press, Cambridge, MA 1995, ISBN 978-0-262-30768-0, S. 174, doi:10.7551/mitpress/1687.001.0001.
  7. ↑ IBM History 1956 (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)
  8. ↑ 701 Translator. In: IBM. Archiviert vom Original; abgerufen am 4. Januar 2019 (englisch, Frühe Übersetzungsprogramme auf der 701).
  9. ↑ 704 Data Processing System. In: IBM. Archiviert vom Original; abgerufen am 17. Februar 2019 (englisch).
  10. ↑ 701 Feeds and speeds. In: IBM. Archiviert vom Original; abgerufen am 3. April 2019 (englisch, Beschreibung des Computers).
  11. ↑ Werner Buchholz: The System Design of the IBM Type Computer. In: Proceedings of the I.R.E. Institute of Radio Engineers, 1. Oktober 1953, abgerufen am 25. Februar 2025 (englisch).
  12. ↑ Robert L. Patrick: General Motors/North Americal Monitor for the IBM 704 Computer. Archiviert vom Original am 31. August 2021 (englisch).
  13. ↑ The IBM 701 computer at the General Motors Research Laboratories. Archiviert vom Original am 8. September 2021 (englisch).